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Mittwoch, 06. Juli 2022
Ausgabe 7625 | Nr. 187 | 21. Jahrgang
D.I.E. Baustatik Software - Einfach | Anders | Besser
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Bauindustrie will Zusammenarbeit mit öffentlicher Hand ändern

# 13.08.2018

Hauptverband der Deutschen Bauindustrie gibt Broschüre zu Partnerschaftsinitiative heraus. Forderung nach Abkehr von traditionellen Leitbildern im öffentlichen Bau. Alternative Vertragsmodelle sollen Kosteneffizienz steigern

Hauptverband fordert Kulturwandel beim öffentlichen Bauen

Die Bauindustrie möchte mit der öffentlichen Hand gerne mehr alternative Verträge, z.B. im Rahmen einer ÖPP, abschließen. Bei einigen Autobahnabschnitten schon gelungen. Foto: Uwe Schlick / Pixelio Die Bauindustrie möchte mit der öffentlichen Hand gerne mehr alternative Verträge, z.B. im Rahmen einer ÖPP, abschließen. Bei einigen Autobahnabschnitten schon gelungen. Foto: Uwe Schlick / Pixelio

Streit am Bau ist keine Seltenheit. Unzählige Gerichtsverfahren werden geführt, weil sich Auftraggeber und Auftragnehmer nicht einig sind und beide ohne Dritte auch nicht mehr zusammenkommen. Ob dies von einer besonderen Streit-"Kultur" innerhalb des deutschen Bauwesens herrührt, ist nicht klar. In jedem Fall möchte die Deutsche Bauindustrie aktuell einen "Kulturwandel" herbeiführen.

Dazu startete sie zuletzt eine neue Partnerschaftsinitiative. "Bauen statt Streiten" heißt hier das Motto. Ziel sei es laut Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) vor allem, öffentliche Bauprojekte effizienter im Termin- und Kostenrahmen umzusetzen. Somit meinen die Verantwortlichen in erster Linie die Verbesserung der Partnerschaft zwischen der industriellen Bauwirtschaft und den öffentlichen Auftraggebern.

Vertragsmodelle aus Privatwirtschaft als Vorbild

In einer eigens angefertigten Broschüre mit vielen Projektbeispielen aus der Praxis werden verschiedene Ansätze des partnerschaftlichen Bauens, Rahmenbedingungen für ein kooperatives Miteinander auf der Baustelle sowie mögliche neue Vertragsmodelle beschrieben.

Die öffentlichen Auftraggeber sollen danach mehr von den privaten lernen: "Die Best-Practice-Beispiele unserer Mitgliedsunternehmen zeigen, dass ein partnerschaftlicher Umgang auf der Baustelle bereits heute möglich ist. Wir möchten unsere öffentlichen Partner ermutigen, diese Modelle gerade bei großen Infrastrukturprojekten noch stärker zu nutzen", gibt HDB-Präsident Peter Hübner an.

Neben der Fach- und Teillosvergabe und dem Generalunternehmervertrag geht es Hübner um mehr Berücksichtigung von Design-and-Build-Verträgen, Funktionsbauverträgen sowie Öffentlich-Privaten Partnerschaften (ÖPP). Die Auswahl müsse jeweils im Einzelfall und anhand der personellen Kapazitäten der öffentlichen Hand, der Projektkomplexität und der Wirtschaftlichkeit getroffen werden.

Kosteneffizienz als schlagendes Argument angeführt

Für Hübner liegen besonders die finanziellen Vorteile klar auf der Hand: "Jeder Partner sollte die Aufgaben und Risiken übernehmen, die er am besten beherrschen kann. Wenn wir dieses Motto beherzigen, werden am Ende auch die Steuermittel der Bürger am wirksamsten eingesetzt."

Als wesentliche Elemente des Partnerschaftskonzepts sollen folgende Punkte gelten:

  • die Zusammenarbeit aller Projektbeteiligten auf einer digitalen Plattform,
  • die frühzeitige Einbindung der Bauunternehmen in die Planung,
  • die Optimierung des Bauprozesses sowie
  • die Optimierung des Projekts über den Lebenszyklus.

Hübner: Öffentliches Bauen muss sich ändern

"Uns ist bewusst, dass dies eine Veränderung der bisherigen Praxis bedeutet. Doch gerade im Zeitalter der Digitalisierung müssen traditionelle Leitbilder des öffentlichen Bauens, wie die Trennung von Planung und Bau, überdacht werden", richtet Hübner den deutlichen Appell an die öffentliche Hand, sich und ihre Prozesse zu modernisieren.

Nicht unerwähnt lässt Hübner, dass die Bauunternehmen bereit seien, ihre ganze Innovationskraft für den Projekterfolg einzusetzen. Er ergänzt jedoch viel sagend: "Das wettbewerbliche Know-How der Unternehmen muss dabei geschützt werden."

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