Fachbeiträge & Interviews
Mittwoch, 16. Oktober 2019
Ausgabe 6631 | Nr. 289 | 19. Jahrgang
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

BIM-Einführung: Bund weitet Digitalisierungsmaßnahmen aus

# 02.08.2019

Stufenplan mit Förderung von Pilotprojekten größtenteils umgesetzt. Nationales Kompetenzzentrum soll Strategie nach 2020 festlegen. Planungsunternehmen und Forschungseinrichtungen mit weiterer Zielumsetzung betraut

BIM-Kompetenzzentrum schreibt Stufenplan fort

Ein nationales BIM-Kompetenzzentrum soll Dienstleistungen für den Wechsel zur digitalen Planungsmethode anbieten. Grafik: BIM4INFRA2020 Ein nationales BIM-Kompetenzzentrum soll Dienstleistungen für den Wechsel zur digitalen Planungsmethode anbieten. Grafik: BIM4INFRA2020

2015 veröffentlichte das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) seinen dreiteiligen Stufenplan "Digitales Planen und Bauen" (siehe Quellen und Verweise sowie Abb. 2). Gleichzeitig gründeten die führenden deutschen Bauverbände und Kammerorganisationen die planen-bauen 4.0 GmbH.

Erklärtes Ziel von Politik und Bauwirtschaft ist die Implementierung des Building Information Modeling (BIM) als ganzheitliche Planungsmethode bis zum Jahr 2020, standardmäßig zunächst bei Infrastrukturprojekten des Bundes. Um die Einführung von BIM auch nach Ablauf des Stufenplans weiter voran zu treiben, hat das BMVI zusammen mit dem Bundesinnenministerium im Frühsommer ein nationales BIM-Kompetenzzentrum initiiert.

Unter der Federführung der planen-bauen 4.0 GmbH soll es in Zukunft als zentrale, öffentliche Anlaufstelle des Bundes bei allen Fragen zum Thema Digitalisierung des Bauwesens sowie bei der Qualitätssicherung und der Koordination von BIM-Aktivitäten dienen. Konkret soll hierdurch der Bund in folgenden Bereichen wissenschaftlich unterstützt werden:

  • Entwicklung und Umsetzung einer einheitlichen Normungs- und Open-BIM-Strategie
  • Erarbeitung von Anforderungen und Maßstäben
  • Aufstellung von Aus- und Fortbildungskonzepten
  • Einrichtung und Pflege eines BIM-Portals (Datenbank, Prüfwerkzeuge, BIM-Objekte)
  • Entwicklung einer Strategie für BIM im Betrieb von Bundesliegenschaften
  • Entwicklung einer Strategie für die nächsten Schritte nach 2020

18 Projektpartner aus Wirtschaft und Wissenschaft

Zum nationalen BIM-Kompetenzzentrum gehören folgende 18 Projektpartner:

  • adesso AG
  • AEC3 Deutschland GmbH
  • Core architecture Kölln & Mondino GbR
  • embeteco GmbH & CO. KG
  • eTASK Immobilien Software GmbH
  • Hochtief ViCon GmbH
  • Implenia AG
  • interactive instruments Gesellschaft für Software-Entwicklung mbH
  • Kapellmann und Partner Rechtsanwälte mbB
  • LoeschHundLiepold Kommunikation GmbH
  • Obermeyer Planen + Beraten GmbH
  • RKW Architektur +
  • Ruhr-Universität Bochum
  • Schüßler-Plan GmbH
  • Strabag AG
  • Technische Universität München
  • VIA IMC GmbH
  • WTM Engineers GmbH

Münchner Planungsbüro seit 2015 an Pilotprojekten beteiligt

Das Münchner Planungsunternehmen Obermeyer führt nach eigenen Angaben seit über zehn Jahren Projekte mit BIM aus. Im Kompetenzzentrum will man insbesondere bei den Themen Normung, Anforderungen und Maßstäbe sowie der Aus- und Fortbildung im Bereich BIM mitwirken.

Obermeyer ist von Beginn an und in allen Stufen als Projektpartner an der Umsetzung des Stufenplans "Digitales Planen und Bauen" beteiligt. Die erste Stufe beinhaltete die Umsetzung von vier Infrastruktur-Pilotprojekten und deren wissenschaftliche Begleitung durch die Arbeitsgemeinschaft INFRABIM.

Zehn Handreichungen zur Anwendung von BIM veröffentlicht

Der 2015 veröffentlichte Stufenplan zum digitalen Planen und Bauen sieht bis 2020 die Einführung von BIM für nationale Infrastrukturprojekte vor. Grafik: BMVI Der 2015 veröffentlichte Stufenplan zum digitalen Planen und Bauen sieht bis 2020 die Einführung von BIM für nationale Infrastrukturprojekte vor. Grafik: BMVI

Seit Oktober 2016 läuft die zweite Stufe BIM4INFRA2020. Das Bundesverkehrsministerium beauftragte hierfür elf Partner, darunter Obermeyer, weitere acht Pilotprojekte im Bereich des Straßen- und Wasserbaus wissenschaftlich zu begleiten.

Im Rahmen des Arbeitspaketes "Leitfäden, Muster und Handreichungen" der BIM4INFRA2020 wurden unter anderem Arbeitsempfehlungen zusammengestellt, die inhaltliche, organisatorische und technologische Fragen beim Einsatz von BIM beantworten sollen.

Zehn Handreichungen wurden in diesem Jahr finalisiert und veröffentlicht (siehe Quellen und Verweise).

Großprojekte der Bahn komplettieren BIM-Pilotphase

Mit BIM4RAIL und der damit verbundenen wissenschaftlichen Analyse von 13 Großprojekten der Bahn soll aktuell die Einführung des digitalen Planens und Bauens in Deutschland bis 2020 komplettiert werden.

Die Ruhr-Universität Bochum (RUB), als ein weiterer Partner im BIM-Kompetenzzentrum, hat mit ihrem Lehrstuhl Informatik im Bauwesen die stellvertretende Gesamtleitung des Zentrums übernommen. Darüber hinaus sind die Forscher für den Aufbau eines digitalen BIM-Portals zur Unterstützung öffentlicher Auftraggeber und ihrer Auftragnehmer zuständig.

Digitales Portal mit BIM-Anforderungen für Auftragnehmer geplant

Laut Lehrstuhlleiter Markus König gehört zu letzterem im Wesentlichen die Definition von prüffähigen Auftraggeber-Informationsanforderungen, kurz AIA. Mit diesen würden Auftraggeber festlegen, welche digitalen Bauwerksmodelle durch die Auftragnehmer erstellt und geliefert werden und mit welchen Informationen sie versehen sein sollen.

"Die AIA sind damit die wichtigste Grundlage für die erfolgreiche Abwicklung von BIM-Projekten und müssen vor Projektstart erarbeitet werden“, erklärt König. Das digitale BIM-Portal soll Werkzeuge zur Erstellung, Nutzung und Wiederverwendung von AIA bieten.

Hochschulen legen Inhalte für Aus- und Weiterbildung zum Thema BIM fest

Darüber hinaus seien Dienste zur Unterstützung der Modellerstellung und für die spätere Abnahme von Modellen für die Auftragnehmer geplant. Bei dem beschriebenen Arbeitspaket im BIM-Kompetenzzentrum wird die RUB von dem Dortmunder IT-Dienstleister adesso unterstützt.

Gemeinsam mit der TU München sowie der Firma Hochtief ViCon zeichnet die Ruhr-Universität Bochum im BIM-Kompetenzzentrum auch für die wissenschaftlichen Aspekte sowie die Aus- und Weiterbildung verantwortlich. Hier gehe es im Wesentlichen darum, ein einheitliches Verständnis zu entwickeln, was gelehrt werden sollte. Die RUB könne dabei auf Erfahrungen aus ihrem BIM-Professional-Angebot der universitätseigenen Akademie zurückgreifen, so König.

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