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16. Jahrgang | Ausgabe 5820 | Nr. 208
Fachbeiträge für Bauingenieure » Berufswelt
 
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Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst
 

BIM-Manager: Wie das Berufsbild etabliert werden kann

 

Gezielte Weiterbildung für Bauingenieure bisher nicht vorhanden. Allgemeines Unternehmensmanagement vor BIM-Einführung überprüfen. Fachleute brauchen Handlungsmacht und Kommunikationsfreiheit

 

BIM-Wissen in Ausbildung bisher nur Randerscheinung

Bisher gibt es noch kein eindeutiges Berufs- bzw. Leistungsbild BIM-Manager. Die Entwicklung dorthin ist in vollem Gange. Foto: Jorma Bork / Pixelio Bisher gibt es noch kein eindeutiges Berufs- bzw. Leistungsbild BIM-Manager. Die Entwicklung dorthin ist in vollem Gange. Foto: Jorma Bork / Pixelio

In den meisten BIM-Publikationen spielt die aktive Gestaltung (= Management) von BIM-Prozessen oft eine untergeordnete Rolle, obwohl immer wieder die Einheit von Richtlinien, Prozessen, Technologien und handelnden Menschen (= Management) als Erfolgsfaktor der neuen Methode herausgestellt wird. Folgender Beitrag soll 'Management' im vorgenannten Verständnis beleuchten und nicht das bereits klarer definierte BIM Informationsmanagement, wie es derzeit in der ISO 19650 erarbeitet wird.

Der in diesem System (BIM, Anm. d. Red.) erfolgreich handelnde Mensch benötigt Fach- und Methodenwissen, welches in baubezogenen Ausbildungsgängen nur am Rand vermittelt wird. Im Kern geht es um die Erweiterung der Tätigkeitsfelder des Bauprojektmanagements und der Projektsteuerung am Bau.

Wichtig wird dabei die Fähigkeit zum analytisch-systemischen Denken sein, welches das Bauwerk von der Idee über den gesamten Lebenszyklus bis zur Renaturierung im Auge hat. Damit ist der Fokus noch einmal weiter gefasst als in der aktuellen Diskussion um den wiederentdeckten 'Baumeister', der Architektur und Ingenieurskunst nach über 150 Jahren Trennung wieder vereinen soll.

 

Baubranche kann Managementmethoden von anderen übernehmen

Der Blick auf den Lebenszyklus hilft auch, von Anfang an zu entscheiden, welche Informationen später noch einmal wichtig werden könnten und somit für die Wiederverwertung in einem Modell hinterlegt werden müssen. Da Management das strukturierte Entscheiden ist, um ein vorgegebenes Ziel mit begrenzten Ressourcen zu erreichen, kann die Bau- und Immobilienwirtschaft hier auf die Erfahrungen anderer Branchen zurückgreifen und die etablierten Werkzeuge auf ihre Bedürfnisse anpassen.

In einer ersten Analyse ist zu klären ob Bauen wirklich prozesshafter wird, oder von allen Beteiligten weiterhin als das Erstellen eines solitären Werks (= Projekt) gesehen wird. Je nach Ergebnis der Analyse wird man auf das Repertoire der Managementtools eher in Richtung Industrie (Business Process Management) oder in Richtung Software/IT (agiles Projektmanagement) schauen.

 

BIM-Einführung im Unternehmen setzt breite Managementkenntnisse voraus

Unabhängig von dieser Bewertung ist bei der Einführung von BIM das Wissen um die Werkzeuge des Strategischen Managements, Change Managements und des Human Ressources Managements unerlässlich. Nach der Entscheidung für BIM im Unternehmen ist zu prüfen, ob das bestehende Controlling, das Qualitäts- und das Risikomanagement den sich ändernden Anforderungen entspricht.

Verschieben werden sich auch die betriebswirtschaftlichen Ertragspotenziale der Beteiligten. Nicht umsonst wird bei BIM oft vom "Ich zum Wir" in der Planung gesprochen, was auch bedeutet, dass die Anforderungen an die Kommunikationsfähigkeiten auf vielfältigen Kanälen steigen werden.

 

BIM-Manager als neues Leistungsbild?

Neben diesen unternehmensweiten Managementthemen, die die gesamte Bauwirtschaft betreffen und auf Geschäftsführungsebene betrachtet werden müssen, wird es in nächster Zeit verantwortliche Personen geben, die als BIM-Manager, -Koordinator oder -Steuerer Verantwortung übernehmen werden. Sie sind diejenigen, die die mit BIM verbundenen Effizienzziele sicherstellen sollen.

Diese Personen müssen phasenübergreifend agieren und koordinierend bzw. managend tätig werden. In der Managementlehre unterscheidet man die beiden letztgenannten Tätigkeiten entsprechend ihrer exekutiv gestaltenden Macht: Während der Koordinator Entscheidungsträger berät (keine Änderungen der Leistungsbilder im Bauprozess) würde der Manager ein neues Leistungsbild besetzen. Diese Entscheidung wird derzeit auf vielen Ebenen diskutiert.

 

Methode erfordert starke kommunikative und technische Fähigkeiten

Nichtsdestotrotz werden kurzfristig qualifizierte Personen benötigt, die diese Rollen ausfüllen können. Einigkeit besteht weitgehend in der Forderung nach der selten zu findenden Kombination von besonders ausgeprägter Kommunikations- und Teamfähigkeit und besonderer technischer Qualifikation im Bezug auf vieldimensionale Gebäudemodelle.

Einige Autoren sehen das Bauingenieursstudium mit Spezialisierung im Baumanagement sowie Kenntnissen in der Projektsteuerung und modernen Softwaretools als am besten geeignete Voraussetzungen.

 

Effizienzgewinne nur mit klaren Befugnissen realisierbar

Basis eines guten Managements sind klare Ziele. Hier müssen Besteller (Bauherren) künftig in der Lage sein, diese klar zu formulieren. In einem Projektablaufplan werden die übergeordneten Ziele dann in Einzelziele zerlegt und in der Folge in detaillierte Umsetzungsschritte für die einzelnen Baubeteiligten.

Dieses systemische Vorausdenken in immer größere Detailtiefen stellt die größte Herausforderung für die handelnden Personen dar. Hier scheint eine initiale Schwellenangst vorzuliegen, die jedoch durch gelernte Prozesssicherheit sowie eine steile Erfahrungskurve bei Folgeprojekten schon Effizienzvorteile bringen kann.

Werden Effizienzvorteile realisiert, wären diese Beleg dafür, dass Bauen prozesshafter wird. Erste Praxiserfahrungen zeigen, dass nach der initialen Zieldefinition und Planung die Kompetenz in den Bereichen Kollisionsprüfung, Simulation sowie Sicherstellung von Modellintegrität und Konsistenz besonders gefragt ist. Diese Fachkompetenzen nützen dem übergeordneten Ziel der Effizienzsteigerung nur, wenn diese:

  1. um Methodenkompetenzen angereichert wird, entstehende Konflikte zwischen den Baubeteiligten kommunikativ zu lösen und
  2. die handelnde Person mit einer definierten Handlungsmacht ausgestattet wird.
Wenn dieses Verständnis von einem großen Teil der Bauwirtschaft mitgetragen und umgesetzt wird, sehe ich gute Chancen für die Etablierung eines allgemeingültigen Rollenbildes 'BIM-Manager'.

 

Georg Knobloch

ist Produktmanager im TU Dresden nahen Weiterbildungsinstitut EIPOS. Er verantwortete in den letzten zwölf Jahren verschiedene Managementstudiengänge und war an der Curriculaentwicklung für die Weiterbildung verschiedener spezialisierter Managementfunktionen beteiligt.

 
Quellen und Verweise
BIM-Forum 2016
Aktuelle Stellenangebote im Bereich BIM
 
Kurz-Link zu diesem Beitrag
https://www.bauingenieur24.de/url/700/2873
 
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