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Sonntag, 21. April 2019
Ausgabe 6453 | Nr. 111 | 18. Jahrgang
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Brücke erstmals aus kalt gebogenem Glas

# 18.11.2008

Konzeption und Design der "Brücke 7" lag beim Institut für Baukonstruktion und Entwerfen, Lehrstuhl 2 (IBK2) der Universität Stuttgart und wurde zusammen mit dem Unternehmen Seele und dem Ingenieurbüro Engelsmann Peters ausgearbeitet

Brücke 7: Transparenz, Oberflächenhärte, Diffusionsdichte und UV-Beständigkeit zeichnen den Werkstoff Glas aus, Foto: Messe Düsseldorf Brücke 7: Transparenz, Oberflächenhärte, Diffusionsdichte und UV-Beständigkeit zeichnen den Werkstoff Glas aus, Foto: Messe Düsseldorf

Die begehbare Ganzglasbrücke ist aus kalt gebogenem Glas und hat eine Spannweite von sieben Metern. Die Weltneuheit wurde mit dem Innovationspreis "Architektur und Glas" aus der Messe glasstec ausgezeichnet. Möglich wurde die großflächige Verwendung von Glas erst mit der industriellen Entwicklung des sogenannten Floatglasverfahrens ab 1960 durch die Firma Pilkington, mit dem Flachglas in großen Mengen hergestellt wird.

Um gebogene Glasbauteile zu erhalten, werden die ebenen Glasscheiben üblicherweise bei Temperaturen von über 640 °C verformt. Nachteile dieser Technik sind die Kosten der Form, die Begrenzung durch den Biegeofen, die optischen Beeinträchtigungen durch das thermische Verfahren und die Ungenauigkeiten beim Erkalten des Glases. Um diese Probleme zu umgehen, präsentierten die Partner mit der "Brücke 7" erstmals einen Übergang aus kalt gebogenem Glas. Beim Kaltbiegen werden die Glasscheiben vor dem Laminiervorgang, also vor dem Verkleben der einzelnen Glasschichten, auf einer Form als Glaspaket abgelegt. Spannungen werden durch das anschließende Laminieren eingefroren.

Eine Herausforderung an die Tragwerksplanung war das statische System der experimentellen Glasbogenbrücke. Es besteht aus einem Zweigelenkbogen mit einem Verhältnis von Stich zu Spannweite von 1/18 – ein besonders schlanker Bogen. Eigengewichtslasten und Nutzlasten werden über die Bogentragwirkung des Glasbodens in die beiden Brückenwiderlager abgetragen. Die Glasbrüstungen dienen der Stabilisierung bei ungleichen Lasten.

Für die Holmlasten wird in den gebogenen Glasbrüstungen ebenfalls die Bogentragwirkung aktiviert. So entstand ein System, bei dem die tragende Konstruktion des Glasstegs und des Glasgeländers optisch vollkommen aufgelöst ist. Der Materialeinsatz von Stahl wird dabei auf Verknüpfungselemente zwischen Geländer und Steg reduziert.

Glasbau, Glasbrücke, Flachglas, Glasfassade, Glaskonstruktion, Floatglas Berufswelt https://www.bauingenieur24.de/fachbeitraege/berufswelt/bruecke-erstmals-aus-kalt-gebogenem-glas/2034.htm 296 de-DE
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