Fachbeiträge & Interviews
Samstag, 04. April 2020
Ausgabe 6802 | Nr. 95 | 19. Jahrgang
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Bundesingenieurkammer: German Engineering in Gefahr

# 05.04.2017

MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) in Deutschland vergleichsweise wenig beachtet. Kammer sieht Wettbewerbsfähigkeit innerhalb der EU bedroht. 70-prozentiger MINT-Anteil in europaweit einheitlicher Ingenieurausbildung gefordert

Geschichte der EU: Vom Binnenmarkt bis zur Ausbildungsunion

Die Bundesingenieurkammer sorgt sich um die Ingenieurausbildung in Deutschland und fordert größere Beachtung der MINT-Fächer. Foto: Peter von Bechen / Pixelio Die Bundesingenieurkammer sorgt sich um die Ingenieurausbildung in Deutschland und fordert größere Beachtung der MINT-Fächer. Foto: Peter von Bechen / Pixelio

60 Jahre Europäische Union bedeuten für die Wirtschaft allgemein wie für die Baubranche im Speziellen eine wechselvolle Geschichte.

Einst mit der Intention eines einheitlichen Binnenmarktes gestartet, gehören heute auch übergreifende Standards in der Ausbildung - als Beispiel sei hier die Angleichung der Studienabschlüsse durch den Bologna-Prozess erwähnt - zu den Maßnahmen für eine immer stärkere europäische Integration.

Anlässlich des runden Jubiläums sieht sich die Bundesingenieurkammer allerdings einmal mehr veranlasst, auf die aus ihrer Sicht entstandenen Fehlentwicklungen der beruflichen Qualifizierung im Ingenieurwesen aufmerksam zu machen. Die deutsche Ingenieurausbildung genieße laut Hans-Ullrich Kammeyer, Präsident der Bundesingenieurkammer, weltweit derzeit "noch" einen ausgezeichneten Ruf. "Damit das so bleibt, müssen wir dringend etwas tun", mahnt Kammeyer.

Fokus auf MINT-Fächer in Süd- und Osteuropa stärker als in Deutschland

Hintergrund der deutlichen Warnung ist ein Bericht, wonach die Studienanforderungen im Hinblick auf die MINT-Anteile, also die Bereiche Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik, inzwischen beispielsweise in Bulgarien, Tschechien, Italien, Liechtenstein, Portugal, Slowenien und Spanien deutlich höher lägen als in Deutschland.

Die EU-Kommission hatte 2016 zu diesem Thema eine Umfrage in Auftrag gegeben, welche vom European Council of Engineering Chambers innerhalb der europäischen Mitgliedsstaaten durchgeführt wurde.

Klare Voraussetzungen für Berufsbezeichnung Ingenieur gefordert

Wie bereits durch einzelne Länderkammern sowie die deutsche Bauindustrie mehrfach im Zusammenhang mit dem Wegfall der Marke "Diplom-Ingenieur" (siehe "Quellen und Verweise") verlangt, stellt auch die Bundesingenieurkammer erneut klare Forderungen als Voraussetzung für die Berufsbezeichnung "Ingenieur".

Dazu zählt für die Vertreter des Berufsstands zum einen "der erfolgreiche Abschluss eines grundständigen Studiums einer technisch-ingenieurwissenschaftlichen Fachrichtung mit mindestens sechs theoretischen Studiensemestern an einer deutschen, staatlichen oder staatlich anerkannten Hochschule oder Berufsakademie".

Dieser Studiengang müsse zum anderen überwiegend "ingenieurspezifische Fächer" beinhalten und von diesen geprägt sein, so die Kammer weiter. Der Gesamtanteil der MINT-Fächer, die für ein Ingenieurstudium relevant sind, solle demnach mindestens 70 Prozent des gesamten Lehrinhaltes betragen.

Einheitliche Ausbildung soll Wettbewerbsfähigkeit in Europa erhalten

Werde auch zukünftig kein europaweit einheitlicher Ausbildungsrahmen festgeschrieben, drohe nach Meinung der Bundesingenieurkammer der Verlust der internationalen Wettbewerbsfähigkeit deutscher Ingenieure sowie letztlich die Gefahr einer Beschädigung der Marke "German Engineering".

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