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Dienstag, 11. Dezember 2018
Ausgabe 6322 | Nr. 345 | 18. Jahrgang
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Bundesingenieurkammer: Musteringenieurgesetz gefährdet Ausbildungsniveau deutscher Ingenieure

# 05.10.2018

Verband fordert weiterhin 70 Prozent MINT-Anteil in Ingenieurausbildung. Standard in anderen EU-Ländern bereits höher als in Deutschland. Europapolitiker ebenfalls skeptisch

Geplantes Musteringenieurgesetz weiter in der Kritik

Mathematik ist ein wichtiger Bestandteil im Ingenieurstudium, welches berufsbefähigend sein soll. Bei 50 % MINT-Anteil ist dies stark gefährdet und bedeutet eine Absenkung des Ausbildungsniveaus. Foto: Claudia Hautumm / Pixelio Mathematik ist ein wichtiger Bestandteil im Ingenieurstudium, welches berufsbefähigend sein soll. Bei 50 % MINT-Anteil ist dies stark gefährdet und bedeutet eine Absenkung des Ausbildungsniveaus. Foto: Claudia Hautumm / Pixelio

Das geplante Musteringenieurgesetz sorgt nach wie vor für Unmut bei den Berufsverbänden der Bauingenieure. Stein des Anstoßes bleiben die Mindestanforderungen zum Führen der Berufsbezeichnung "Ingenieur".

Die Konferenz der Wirtschaftsminister (WiMiKo) hat sich wie erwartet Ende Juni 2018 auf die notwendigen MINT-Anteile im Ingenieursstudium im geplanten Musteringenieurgesetz verständigt.

Die Beschlüsse, welche als Vorlage für die Ingenieurgesetze der Länder gelten, blieben hinter den Erwartungen der Bundesingenieurkammer zurück.

Bundesingenieurkammer fordert höheren Anteil der MINT-Fächer

Diese hatte noch im Mai einen weiteren Appell an die Konferenz der Wirtschaftsminister der Länder gerichtet. Darin rief sie alle Beteiligten dazu auf, sich mit Nachdruck für eine hochwertige Ingenieurausbildung einzusetzen.

"Es kann nicht sein, dass zukünftig 50 Prozent MINT-Anteile im Studium ausreichen, um als Ingenieurin oder Ingenieur zu arbeiten. Bei einem Medizinstudium würde ja auch niemand auf die Idee kommen, 50 Prozent medizinische Inhalte seien ausreichend, um als Ärztin oder Arzt zu praktizieren", gab Hans-Ullrich Kammeyer, Präsident der Bundesingenieurkammer, seine klare Ablehnung der Gesetzesvorlage zum Ausdruck.

Die Bundesingenieurkammer fordert ein "deutliches Überwiegen" der MINT-Fächer, die für ein Ingenieurstudium relevant sind, im Klartext 70 Prozent des gesamten Lehrinhalts.

Wirtschaftsministerkonferenz legt neuen Textvorschlag vor

Der entsprechende Textvorschlag der Wirtschaftsministerkonferenz lautet wie folgt:

... § 2 Befugnis zur Führung der Berufsbezeichnung "Ingenieurin" / "Ingenieur"

(1) Die Berufsbezeichnung "Ingenieurin"/"Ingenieur" allein oder in einer Wortverbindung darf führen, wer ein technisch-naturwissenschaftliches Studium mit einer Regelstudienzeit von mindestens sechs Semestern und einer Bewertung des Studiums mit mindestens 180 ECTS-Punkten ... mit Erfolg abgeschlossen hat, wobei dieses Studium zu einem ersten berufsqualifizierenden Abschluss führen und überwiegend Studieninhalte sowohl der Mathematik als auch der Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT-Anteil) beinhalten muss ...

Ein Herabsetzen der technisch-naturwissenschaftlichen Anforderungen könne laut Bundesingenieurkammer "katastrophale Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Ingenieure und damit auf den Standort Deutschland" haben.

Bereits jetzt stellten viele europäische Länder – darunter Bulgarien, Portugal, Tschechien, Italien, Liechtenstein, Slowenien und Spanien – im Hinblick auf die so genannten "Technical ECTS"-Anteile im Ingenieurstudium deutlich höhere Anforderungen.

Auch Europapolitiker sehen Fehlentwicklung

Damit bestehe die Gefahr, dass Deutschland hinsichtlich der Qualität der Ingenieurausbildung massiv hinter andere Länder zurückfalle. Auf diese Fehlentwicklung hätten auch Europapolitiker hingewiesen und an die Wirtschaftsministerkonferenz appelliert, ihren geplanten Beschluss noch einmal zu überdenken.

Kritik am Musteringenieurgesetz kam bislang auch vom Verband Beratender Ingenieure (VBI), dem BDB Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure e.V. sowie dem Bundesverband der Freien Berufe (BFB).

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