Fachbeiträge & Interviews
Dienstag, 01. Dezember 2020
Ausgabe 7043 | Nr. 336 | 20. Jahrgang
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Bundesingenieurkammer: Neuer Präsident in Sorge über Autobahngesellschaft

# 06.11.2020

Nordrhein-westfälischer Kammerpräsident Bökamp übernimmt Verantwortung auf Bundesebene. Zukunftsfähigkeit der Branche als Hauptaufgabe. Auftragsloch durch Umstrukturierung im Verkehrsinfrastrukturbau befürchtet

Größte Landesingenieurkammer stellt Präsidenten auf Bundesebene

Kaum im Amt, schon in Sorge: Der neue Präsident der Bundesingenieurkammer, Heinrich Bökamp, blickt skeptisch auf den bevorstehenden Start der Autobahn GmbH. Foto: IK-Bau NRW/Samuel Becker Kaum im Amt, schon in Sorge: Der neue Präsident der Bundesingenieurkammer, Heinrich Bökamp, blickt skeptisch auf den bevorstehenden Start der Autobahn GmbH. Foto: IK-Bau NRW/Samuel Becker

Der Präsident der mit über 10.000 Mitgliedern größten Landesingenieurkammer, der Ingenieurkammer-Bau Nordrhein-Westfalen, hat die Wahl zum Präsidenten der Bundesingenieurkammer (BIngK) gewonnen.

Heinrich Bökamp folgt auf Hans-Ullrich Kammeyer, der sich nach acht Jahren nicht zur Wiederwahl stellte. Bökamp selbst ist promovierter Prüfingenieur für Baustatik (Fachrichtung Massivbau und Metallbau) und staatlich anerkannter Sachverständiger für die Prüfung der Standsicherheit sowie für Schall- und Wärmeschutz.

Er studierte Bauingenieurwesen an der RWTH Aachen und schloss sein Studium 1985 als Diplom-Ingenieur ab. 1991 promovierte er zum Thema "Spannermüdung unter Reibdauerbeanspruchung bei teilweiser Vorspannung".

Als Präsident der Bundesingenieurkammer vertritt Bökamp in Zukunft an vorderster Stelle die gemeinschaftlichen Interessen von rund 45.000 Einzelmitgliedern innerhalb der 16 Länderingenieurkammern auf Bundes- und Europaebene. Er kann Einfluss auf die Gesetzgebung des Bundes nehmen und Stellungnahmen zu Gesetzesentwürfen abgeben.

Mehr Nachhaltigkeit für Vertreter und Gegenstand des Ingenieurberufs

In den kommenden vier Jahren steht für den 63-Jährigen vor allem das Thema Nachhaltigkeit auf der Agenda, was sich sowohl auf die personelle Entwicklung des Berufsstandes als auch auf die Art des Bauens bezieht.

"Es gilt, den Nachwuchs noch mehr für unseren Beruf zu begeistern, das Bild des Ingenieurs in der Öffentlichkeit zu stärken und die überragende Bedeutung unseres Berufstandes für das Gemeinwesen und für die Lösung von Zukunftsfragen wie Klimawandel und Verkehrswende deutlich auszusprechen", so Bökamp nach seiner Wahl auf der Bundesdelegiertenversammlung in Mainz.

Fachkräfte und Baurecht: Nordrhein-Westfalen als Vorbild für den Bund?

In einem Interview mit der Münsterschen Zeitung verwies er in diesem Zusammenhang auf ein Beratungsangebot für junge Ingenieure, die den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. Auch die Novellierung der Landesbauordnung NRW zum Ende des Jahres 2020 bewertet Bölamp als positiv. Höher qualifizierte Tragwerksplaner bzw. Statiker seien danach bei Bauprojekten vorgeschrieben.

Beim Stichwort "ressourcenschonendes Bauen" geht es Bökamp um die Energieeinsparung beim gesamten Bauprozess. So müsse die Wiederverwendung recycelter Baustoffe einen viel größeren Stellenwert bekommen. Den Wandlungsprozess durch die "Zukunftstechniken" Building Information Modeling (BIM) und Künstliche Intelligenz (KI) will Bökamp "von vorne gestalten".

Autobahngesellschaft: Bundesingenieurkammer befürchtet Auftragsrückgang

Als weitere Ziele kämen die Umgestaltung der von der EU monierten Honorarordnung für Ingenieure und Architekten (HOAI) und "bessere" länderübergreifende Regelungen im Baurecht hinzu.

Aktuell bringt Bökamp seine Sorge zum Ausdruck, dass mit dem Start der Autobahngesellschaft am 1. Januar 2021 ein Auftragsloch im Öffentlichen Bau drohe. Angesichts einer womöglich erheblichen Unterfinanzierung der neuen Gesellschaft appeliert er an die Bundesregierung, ein klares Zeichen hinsichtlich der Investitionssicherheit zu setzen.

"Deutschland braucht ein funktionierendes Straßennetz. Es ist die Lebensader der deutschen Wirtschaft. Und wir brauchen hierfür eine handlungsfähige Autobahn GmbH", so Bökamp wörtlich.

Dr.-Ing. Heinrich Bökamp

ist seit 2009 Präsident der Ingenieurkammer-Bau Nordrhein-Westfalen. Geboren in Warendorf-Freckenhorst im Münsterland, studierte er Bauingenieurwesen an der RWTH Aachen und schloss sein Studium 1985 als Diplom-Ingenieur ab. 1991 promovierte er zum Thema "Spannermüdung unter Reibdauerbeanspruchung bei teilweiser Vorspannung".

1992 trat er als Partner in die Ingenieurgesellschaft Thomas & Bökamp in Münster ein. Seit 2004 leitet er das Büro als geschäftsführender Gesellschafter.

2016 schloss Bökamp ein weiteres Studium an der Ludwig-Maximilians-Universität München in den Fächern Philosophie, Politik und Wirtschaft mit einem Master ab.

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