Fachbeiträge & Interviews
Dienstag, 28. Juni 2022
Ausgabe 7617 | Nr. 179 | 21. Jahrgang
D.I.E. Baustatik Software - Einfach | Anders | Besser
Autor: Dr. Jürgen Winkelmann
Herausgeber: Readymix AG, Ratingen email-weiterempfehlendruckansicht

e-Business in der logistischen Baustoffkette

# 31.10.2001

Keine Häme über die e-Commerce Pleiten vom letzten Jahr, dafür aber Mut für die Arbeit an Konzepten zur schrittweisen Einführung von e-Business

"Das Urteil war vernichtend und gnadenlos: "e-Commerce", so formulierte es vor wenigen Wochen der Sprecher eines angesehenen Verbandes der Bauwirtschaft, "war die größte Seifenblase des Jahres 2000!" In der Tat ist auch unsere Industrie der Euphorie erlegen, mit der im vergangenen Jahr die Chancen des Internets hoch gejubelt wurden. Heute – nach dem Absturz von Dot.com & Co. – ist die Euphorie der realistischen Einschätzung gewichen". Unter e-Business werden heute all diejenigen Geschäftsmodelle und Prozesse bezeichnet, deren Abwicklung mit Hilfe des Internets erfolgt. Dabei werden verschiedene Teilbereiche unterschieden, die unabhängig voneinander bestehen können. E-Commerce ist derjenige Teilbereich, bei dem Lieferanten und Kunden sich auf elektronischen Marktplätzen treffen, um das Spiel von Angebot und Nachfrage möglichst transparent zu spielen. Aus Sicht des Bauausführenden ist das Thema e-Procurement besonders interessant, verspricht es doch wirtschaftliche Vorteile durch die bessere Bündelung der Nachfrage und durch die vereinfachte Abwicklung des Beschaffungsprozesses. Für den Lieferanten liegt der Anreiz des "e" bei den Chancen, mit Hilfe der Internet-Anbindung bessere Kundenbeziehungen aufzubauen, auf neudeutsch CRM oder Customer Relationship Management. Zur Unterstützung des konkreten Vertriebsprozesses kann der Lieferant die Möglichkeiten des e-Shops nutzen – die Darstellung und das Angebot seiner Produkte und Leistungen mit Hilfe des Internets.

e-Business steigert die Effizienz auf der Baustelle

Lag die Euphorie des Jahres 2000 noch auf den vermeintlich ungeheuren Potentialen von e-Commerce und elektronischen Marktplätzen, so gilt die Aufmerksamkeit heute vor allem der Verbesserung der Effizienz der logistischen Abläufe in der Baustoffkette und an der Baustelle. Hier liegen in der Tat enorme Potenziale: Renommierte Beratungshäuser schätzen die denkbaren Kostensenkungen am Bau durch den Einsatz des Internets auf 20% bis 25%, vor allem durch die Verbesserung der Qualität sowie die Vereinfachung der logistischen Abläufe im weitesten Sinne. Deutlich wird die Effizienzverbesserung zum Beispiel bei der administrativen Abwicklung: Ein klassischer Bestellvorgang auf der Basis einer bereits vorhandenen Liefervereinbarung löst sowohl beim Bauausführenden (auf der Baustelle) als auch beim Baustofflieferanten eine Vielzahl manueller oder halbautomatisierter Vorgänge aus, die mehrfach in Computer eingetippt und auf Formulare ausgedruckt werden. Dadurch entstehen nicht nur vermeidbare Arbeits- und Sachkosten, sondern auch noch Missverständnisse und Fehler sowie Zeitverzuge, deren Folgewirkungen nur schwierig quantifizierbar sind. Mit Hilfe des Internets lassen sich solche Abläufe vereinfachen und stark beschleunigen, unter Vermeidung von Missverständnissen und Fehlern.

e-Business-Durchdringung bisher gering

Angesichts dieser unglaublich hohen Potenziale stellt sich die Frage, warum die Durchdringung der logistischen Baustoffkette mit e-Business in der Vergangenheit so gering ausfiel. Tatsächlich sind hierfür verschiedene Gründe zu nennen: - 1. Die Technologie für den mobilen Internet-Zugang war bisher noch nicht ausgereift bzw. noch unwirtschaftlich. - 2. Die hohe Fragmentierung unserer Industrie auf Lieferanten- wie auf Kundenseite stand einer schnellen Verbreitung im Wege. - 3. Die Durchdringung von Informationstechnologien in der Bau- und Bauzulieferindustrie ist nach wie vor sehr niedrig, verglichen mit anderen Industrien. Demzufolge haben sich noch keine ausreichenden Standards etabliert (z.B. Warenwirtschaftssysteme). - 4. Der Ausbildungsgrad der Beschäftigten in der Bauwirtschaft insbesondere bzgl. des Einsatzes von Informationstechnologie ist bisher vergleichsweise niedrig. - 5. Die Bereitschaft der beteiligten Unternehmen zur Veränderung und damit der unternehmerische Mut sind in der Masse traditionell gering ausgeprägt. Darüber hinaus haben alle Entwickler und Anbieter von Konzepten und Systemen für e-Business (am Bau) die Erfahrung machen müssen, dass die Projekte ein Vielfaches der geplanten Ressourcen erforderten, was in Verbindung mit der langsamen Durchdringung die Wirtschaftlichkeit ins Negative katapultierte.

e-Business wird sich dennoch durchsetzen

Also ist e-Business tatsächlich eine Seifenblase? Diese Frage lässt sich guten Gewissens verneinen. Die gegenwärtige Situation der Bau- und Bauzulieferindustrie in Deutschland schreit geradezu nach dramatischen Strukturveränderungen, nach Differenzierung und Wettbewerbsvorteilen, die zu einer Bereinigung der heutigen Strukturen führen. Hier wird e-Business einen wesentlichen Beitrag liefern. Kein Beteiligter am Bau kann das Einsparpotenzial von 20% bis 25% der Baukosten ungestraft ignorieren. Wer dies macht, ist bald "weg vom Fenster". Dies beginnt bei den Investoren, die von ihren Generalunternehmern verlangen werden, dass e-Business eingesetzt wird, und endet nicht zuletzt bei innovativen Baustofflieferanten, die sich Wettbewerbsvorteile durch den Einsatz des Internets versprechen. Hier sind insbesondere die größeren Konzerne gefordert. Die Readymix Baustoffgruppe hat mit dem System "Readymix-direkt" bereits seit sechs Monaten ein Instrument im Einsatz, das die Prozessabwicklung mit den Kunden vereinfacht. Wichtige Unternehmen des Baustoffhandels bieten mittlerweile Warenwirtschaftssysteme im Internet an, deren Plattformen gerade kleineren Kunden und Lieferanten Vorteile bieten.

Auch in die Mitarbeiter investieren

Mit den neuen mobilen Endgeräten zur Nutzung des Internets über schnelle UMTS-Netze wird in wenigen Monaten auch der Internet-Zugang von der Baustelle aus technisch attraktiv und wirtschaftlich interessant. Was dann benötigt wird, sind unternehmerischer Mut zum Einstieg in die neuen Technologien und die Bereitschaft, einen Teil der Mitarbeiter am Bau hierfür zu qualifizieren – eine Investition, die sich nicht als Seifenblase entpuppen wird!

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Readymix AG, Ratingen
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