Fachbeiträge & Interviews
Dienstag, 30. November 2021
Ausgabe 7407 | Nr. 334 | 21. Jahrgang
D.I.E. Baustatik Software - Einfach | Anders | Besser
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Fachkräftemangel: Erholung im Bauingenieurwesen erst mittelfristig zu erwarten

# 15.10.2021

Im letzten Jahr 4,4 Prozent weniger Hochschulabschlüsse als 2019. Zahl der Neueinschreibungen erstmals seit 2013 gestiegen. Bundesbauministerium für mehr öffentliche Wahrnehmung gefordert

2020 erneut über 10.000 Bauingenieur-Absolventen

In vielen Unternehmen der Baubranche bleiben Stellen für Bauingenieure auch in Zukunft aufgrund zu weniger qualifizierter Fachkräfte unbesetzt. Foto: Rainer Sturm / Pixelio In vielen Unternehmen der Baubranche bleiben Stellen für Bauingenieure auch in Zukunft aufgrund zu weniger qualifizierter Fachkräfte unbesetzt. Foto: Rainer Sturm / Pixelio

Wenig Entlastung für die Arbeitgeber mit hohem Bedarf an Bauingenieuren versprechen die jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamts. Demnach haben im letzten Jahr zwar 10.100 Personen einen Hochschulabschluss im Bauingenieurwesen erworben. Die Zahl sank jedoch binnen Jahresfrist um 4,4 Prozent.

Etwas mehr als die Hälfte der Absolventen hat bislang nur einen Bachelorabschluss und steht damit vor der Wahl: Weiterstudieren oder arbeiten? In jedem Fall werden nicht alle der frisch gebackenen Jungingenieure dem Arbeitsmarkt direkt zur Verfügung stehen.

Die Bauindustrie hofft in Zukunft angesichts eines Anstiegs der Studienanfänger 2020 auf bessere Absolventenzahlen. "Wir freuen uns, dass es in diesem Jahr 5.400 Absolventen mehr als zum Tiefpunkt 2008 gibt", kommentiert der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB), Tim-Oliver Müller, die aktuelle Situation.

Seit 2013 erstmals wieder steigende Studierendenzahlen

Laut HDB war von 2013 bis 2019 ein Rückgang der Anfängerzahlen zu beobachten, was sich naturgemäß auf die Abschlusszahlen auswirke. Im vergangenen Jahr habe es nun aber eine Trendwende gegeben. Die Zahl der Studienanfänger sei um 5,5 Prozent auf 11.300 gestiegen.

"Somit können wir hoffentlich bald wieder mit steigenden Absolventenzahlen rechnen. Das ist angesichts der hohen Zahl an offenen Stellen auch dringend nötig", so Müller. Für August 2021 meldete die Bundesagentur für Arbeit 4.030 offene Stellen für Bauingenieure in den Unternehmen der Privatwirtschaft.

Arbeitslosigkeit in einem Jahr um 14 Prozent gesunken

Die Zahl der offenen Stellen ist damit alarmierend, liegt sie doch um 29 Prozentpunkte höher als im vergleichbaren Vorjahresmonat. Zugleich ist der Wert der höchste je in einem August gemeldete. Demgegenüber stehen 1.620 arbeitssuchende Bauingenieure. Die Arbeitslosigkeit sank im Vergleich zum August 2020 um 14 Prozent.

Die unbesetzten Stellen wirken sich immer mehr auf die Produktivität aus. Im Rahmen des ifo Konjunkturtests gab jedes dritte Bauunternehmen an, aufgrund des Fachkräftemangels in seiner Bautätigkeit behindert zu werden. Im August des Vorjahres waren es nur 21 Prozent gewesen.

Experten: Zukunftsbranche Bau durch eigenes Bundesministerium stärken

Gemeinsam mit der gesamten Bauwirtschaft wirbt Tim-Oliver Müller für den Berufsstand: "Es gibt kaum eine Branche mit mehr Zukunftspotenzial für junge Menschen als den Bau. Die Megathemen unserer Zeit, der Umwelt- und Klimaschutz oder die Mobilitätswende, müssen vor allem durch eine Modernisierung von Infrastruktur gelöst werden."

Zuletzt wurden angesichts der Bildung einer neuen Bundesregierung auch wieder Forderungen nach einem eigenständigen Bauministerium laut. Die Befürworter, darunter die Bundesingenieurkammer, sehen darin unter anderem die Möglichkeit, die zentrale Rolle des Bauens in der Öffentlichkeit wirkungsvoller zu vertreten.

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