Fachbeiträge & Interviews
Dienstag, 07. Dezember 2021
Ausgabe 7414 | Nr. 341 | 21. Jahrgang
D.I.E. Baustatik Software - Einfach | Anders | Besser
Autor: Guido Quelle
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Fokussierung: Weniger ist mehr

# 04.11.2014

Wachstum erfordert Weglassen von Gewohnheiten. Bloße Addition der Leistung bewirkt oft Belastungssteigerung ohne wesentliche Umsatzsteigerung. Alle zwei Jahre Kundendatenbank bereinigen

Nur Innovationen lassen Unternehmen wachsen

Der Verzicht auf Gewohntes soll keine Zeit für Pausen sondern für Neues schaffen. Foto: Petra Bork  / Pixelio Der Verzicht auf Gewohntes soll keine Zeit für Pausen sondern für Neues schaffen. Foto: Petra Bork / Pixelio

Sie wissen, dass ich der festen Überzeugung bin, dass Wachstum nicht aus der Addition von "mehr des Gleichen", sondern aus Innovation stammt. Wachstum benötigt eine gewisse Entwicklungsbereitschaft und -intelligenz, will man sich nicht im Hamsterrad immer schneller drehen.

Wer, um mehr Geld zu verdienen, mehr arbeitet, hat mit Zitronen gehandelt. Das verstehe ich nicht unter Wachstumsintelligenz.

Wachstumsintelligenz besteht vielmehr darin, sich damit auseinanderzusetzen, welche Leistungen und Produkte Ihren Kunden helfen könnten, Dinge einfacher, besser, schneller, oder überhaupt zu erledigen. Es geht darum, Modelle zu finden, die es Ihnen ermöglichen, Ihr über die Jahre erlangtes, umfangreiches Wissen zu kapitalisieren.

Dabei spreche ich bitte nicht um eine Erhöhung des Stundensatzes von 100 auf 120 Euro. Auch nicht von 200 auf 230 Euro.

Nicht ein Leben lang dasselbe machen

Um wachstumsintelligent zu handeln, bedarf es zuerst des Weglassens. Dies mag widersinnig klingen, aber wer nicht etwas weglässt, wer nur addiert, wird diese Wachstumsintelligenz nicht erlangen. Ich kenne Ingenieure, die kurz vor der Pensionierung oder der Aufgabe ihres Ingenieurbüros stehen und die immer noch das Gleiche machen, wie vor 30 Jahren und dafür auch – inflations- und HOAI-bereinigt – fast noch das gleiche Honorar erhalten. Das soll es gewesen sein?

Nein, Sie müssen sich damit auseinandersetzen, was Sie in Ihrem Ingenieurbüro nicht mehr tun. Richtig: Was Sie NICHT mehr tun. Welche Kunden werden Sie über den aktuellen Auftrag hinaus nicht mehr bedienen? Welche Leistungen werden Sie nicht mehr anbieten? Welchen Verbänden werden Sie nicht mehr angehören? Welche Meetings werden Sie nicht mehr besuchen? Mit welchen Gruppen von bisherigen Kunden werden Sie sich nicht mehr beschäftigen?

Ausbruch aus Gewohnheit steigert Selbstvertrauen

Weglassen fällt uns schwer, weil wir oft unter Verlustangst leiden. Nun haben Sie mühsam ein Ingenieurbüro aufgebaut und jetzt soll man Kunden aufgeben? Aufträge nicht mehr machen? Leistungen nicht mehr anbieten? Was soll das? Ich kann es Ihnen sagen: Dies führt zu Wachstumsintelligenz und letztlich zu einem wesentlich robusteren Ingenieurbüro, einmal ganz abgesehen von einem wesentlich steigenden Selbstbewusstsein.

Alle zwei Jahre lohnt es sich, das Kundenportfolio ebenso zu bereinigen, wie das Leistungsportfolio. Das schafft Raum für Neues. Es ist wie das Aufräumen eines Schrankes: Wenn der Schrank voll ist muss entweder ein Anbau her (mehr des Gleichen), oder der Schrank muss entmistet werden, was die bessere Lösung ist. Was also lassen Sie in Zukunft weg und was tritt an dessen Stelle?

Prof. Dr. Guido Quelle

ist geschäftsführender Gesellschafter der Mandat Managementberatung in Dortmund mit Büros in London und New York. In einem speziellen Mentoren-Programm berät er ([email protected]) unter anderem beratende Ingenieure auf ihrem Weg zum Wachstum.

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