Fachbeiträge & Interviews
Montag, 16. Mai 2022
Ausgabe 7574 | Nr. 136 | 21. Jahrgang
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Karriere im Bauwesen: Zahl der Auszubildenden steigt wieder

# 06.05.2022

Unternehmen der Baubranche schließen 14.500 neue Ausbildungsverträge ab. SoKa-Bau-Studie erfasst zum dritten Mal Zufriedenheit und berufliche Ziele. Autoren warnen vor schwindender Bereitschaft zur Arbeitgeberbindung

Zahl der Auszubildenden 2021 um 2,1 Prozent gestiegen

Wer sich für eine Berufsausbildung im Bauwesen entscheidet, möchte Spaß an der Arbeit haben und das Gelernte gerne privat anwenden können. Grafik: F.A.Z. Business Media research / SoKa-Bau Wer sich für eine Berufsausbildung im Bauwesen entscheidet, möchte Spaß an der Arbeit haben und das Gelernte gerne privat anwenden können. Grafik: F.A.Z. Business Media research / SoKa-Bau

Seit dem letzten Herbst haben die Bauunternehmen deutschlandweit fast 14.500 neue Auszubildende eingestellt. "Das sind 2,1 Prozent mehr als im vergangenen Jahr", sagt Gerhard Mudrack, Vorstand der Sozialkassen der Bauwirtschaft (SoKa-Bau).

Insgesamt würden damit in der Bauwirtschaft derzeit circa 42.500 junge Menschen ausgebildet. "Auch während der Coronapandemie haben sich die Ausbildungszahlen am Bau deutlich besser entwickelt als im Durchschnitt aller Branchen", so Mudrack.

Weshalb aber entscheiden sich junge Menschen für eine Berufsausbildung am Bau? Laut einer aktuellen Umfrage der SoKa-Bau und der Business Media GmbH der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z.) wird die aktuelle Generation von Auszubildenden vor allem von der Freude an der Tätigkeit motiviert. Nahezu jeder befragte Azubi (95%) bezeichnet demnach den Spaß am Bauberuf als "wichtigen" beziehungsweise "sehr wichtigen" Grund für den Entschluss zur Ausbildung.

Für über 90 Prozent der Lehrlinge spielen gute Berufsperspektiven eine entscheidende Rolle. Zudem schätzen neun von zehn Azubis den privaten Nutzen der erlernten Fähigkeiten. Für drei von vier Azubis ist zudem die Nähe zwischen Wohnort und Ausbildungsbetrieb ein relevantes Entscheidungskriterium.

Auszubildene mit Betrieben meistens zufrieden

Zum dritten Mal nach 2012 untersuchten F.A.Z. Business Media research und SoKa-Bau die Einstellungen, Erwartungen und Pläne junger Berufsanfänger aus der Baubranche im Hinblick auf ihre Ausbildung und ihre Karriere. Mit der Studie wollen die Herausgeber Betriebe, Gewerkschaft und Verbände bei der Strategieentwicklung unterstützen, um damit Fachkräfte für den Bau zu gewinnen und langfristig zu binden.

Allgemeine Zufriedenheit mit der Berufsausbildung am Bau herrscht bei 94 Prozent der Befragten ("[sehr] zufrieden"). Den entscheidenden Beitrag zu diesem positiven Ergebnis leisten die ausbildenden Betriebe. 93 Prozent der befragten Azubis sind mit ihrem Ausbildungsbetrieb "(sehr) zufrieden".

Blick über den Tellerrand: Überbetriebliche Ausbildung wird besser

Den größten Zufriedenheitszuwachs verzeichnen die überbetrieblichen Ausbildungszentren: 87 Prozent der Azubis sind damit aktuell "(sehr) zufrieden". Dagegen hat die positive Bewertung der Berufsschulen etwas abgenommen (2022: 80%; 2017: 83%), was damit zu erklären sein könnte, dass die Coronapandemie eine angemessene schulische Ausbildung teilweise verhindert hat und immer noch verhindert.

Das Top-Berufsziel für die kommenden zehn Jahre ist für die befragten Azubis ein gutes Gehalt (88%). Bereits vor fünf beziehungsweise zehn Jahren belegte dieser Aspekt den Spitzenplatz (2017: 85%; 2012: 89%). Daneben streben die befragten Auszubildenden einen sicheren Arbeitsplatz (79%) und berufliche Weiterqualifizierung (71%) an.

Persönliche Entwicklung wichtiger als Arbeitgeberbindung

Während die Arbeitsplatzsicherheit im Laufe der vergangenen zehn Jahre unter den Azubis etwas an Bedeutung verloren hat, nahm der Wunsch nach Weiterqualifizierung dagegen seit 2012 zu. Auch anhand dieser Beispiele zeige sich, dass die Bindung an einen einzigen Arbeitgeber bei den Befragten zugunsten der persönlichen Entwicklung abnimmt, so die Einschätzung der Umfrage-Urheber.

Tatsächlich plane jeweils jeder zehnte Azubi, seinen Arbeitgeber nach der Ausbildung zu verlassen beziehungsweise die Branche zu wechseln. Vor dem Hintergrund des im Anstieg begriffenen Fachkräftemangels sollte das die Baubranche alarmieren.

Mehrheit: Persönlicher Kontakt führt zur Ausbildung am Bau

Die Mehrheit der befragten Azubis kam aufgrund eines persönlichen Kontakts an die aktuelle Lehrstelle. Zum einen haben sich 46 Prozent der befragten Auszubildenden mit Verwandten oder Freunden ausgetauscht.

Zum anderen hatten 39 Prozent der befragten Nachwuchskräfte bereits vor der Lehre einen persönlichen Kontakt zum späteren Ausbildungsbetrieb. 44 Prozent der befragten Azubis haben sich zudem persönlich beworben. Als Informationsquellen spielen das Internet (69%) bzw. die sozialen Medien (23%) inzwischen eine dominierende Rolle.

Fast jeder Zweite kann sich Rückkehr auf Bau vorstellen

Mehr als die Hälfte der befragten Ex-Bauprofis verließ die Branche, weil sie sich in ihrem ursprünglichen Unternehmen nicht wohlfühlten. Weiterhin verlor jeweils ein Viertel im Laufe der Tätigkeit die Lust an der Arbeit auf dem Bau oder entschied sich aus gesundheitlichen Gründen gegen die Branche.

Dennoch können sich 43 Prozent der Ex-Bauprofis eine Rückkehr vorstellen. Wer in die Bauwirtschaft zurückgekehrt ist, bereut diesen Schritt meist nicht. Zwei Drittel berichten von einer verbesserten Arbeitssituation am Bau im Vergleich zu früher.

Studie "Ausbildung als Zukunft der Bauwirtschaft 2022"

Die Studie "Ausbildung als Zukunft der Bauwirtschaft 2022" basiert auf einer Befragung junger Nachwuchskräfte aus der Bauwirtschaft auf der Grundlage eines strukturierten Fragebogens. Insgesamt wurden rund 1.500 Auszubildende und junge Arbeitnehmer befragt.

Nachdem 2012 drei Personengruppen angesprochen wurden, fand 2017 und 2022 jeweils eine vierte Gruppe den Weg in die Erhebung. Im Einzelnen handelt es sich um folgende Gruppen:

  • aktuelle Auszubildende in Berufen der Bauwirtschaft
  • junge Facharbeiter, die ihre Berufsausbildung am Bau in den vergangenen 3 Jahren abgeschlossen haben und aktuell in der Baubranche tätig sind
  • ehemalige Auszubildende in der Baubranche, die heute nicht mehr in der Branche tätig sind
  • ehemalige Abwanderer, die inzwischen wieder in der Baubranche beschäftigt sind
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