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Donnerstag, 16. August 2018
Ausgabe 6205 | Nr. 228 | 17. Jahrgang
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Mitarbeiterqualifikation im Planungsbüro: Aufwand und Organisation

# 04.12.2015

Bedarf an Weiterbildung durch innere und äußere Faktoren vorgegeben. Veranstaltungen als Würdigung statt Verordnung anbieten. Höhe der Investitionen von allgemeiner Firmenstrategie abhängig

Erfahrung und Routine allein reichen nicht aus

Eine Fortbildung sollten Mitarbeiter nach Möglichkeit nicht einfach verordnet bekommen. I-vista / Pixelio Eine Fortbildung sollten Mitarbeiter nach Möglichkeit nicht einfach verordnet bekommen. I-vista / Pixelio

Für alle Berufsgruppen gilt heute der Anspruch des "lebenslangen Lernens". Dies gilt besonders auch für die Mitarbeiter in Planungsbüros, denn sie wollen ihren Kunden die besten und wirtschaftlichsten Lösungen anbieten. Wer diesen Anspruch umsetzen will, muss sich ständig mit den Veränderungen in seinem Umfeld beschäftigen. Erfahrung und Routine zu haben ist ein wichtiger Faktor, aber er reicht in heutigen, dynamische Zeiten nicht aus.

Folgende Anlässe für den Bedarf an zusätzlichem Wissen oder Qualifikation sind zu benennen:

  • Veränderungen der Märkte und/oder Kunden
  • neue oder geänderte Vorschriften, Gesetze, Richtlinien
  • veränderte Arbeitsmittel, Software, Berechnungsverfahren
  • neue Technologien, Verfahren und Werkstoffe
  • Verbesserungen in der Organisation des eigenen Büros, Vertriebs, Controlling

Weiterbildung als Sicherung von Fachkräften verstehen

Natürlich steuert heute ein Entscheider in einem Planungsbüro die Aktivitäten der Weiterbildung, denn der aktuell hohe Bedarf an Fachkräften und das vergleichsweise geringe Angebot am Arbeitsmarkt zwingt viele zum Umdenken. Weiterbildung ist notwendig, weil in den meisten Fällen der Bewerber für die zu besetzende Stelle nicht die idealtypischen Voraussetzungen und Qualifikationen hat.

Ein wesentlicher wirtschaftlicher Aspekt ist somit die Frage: Wie gelingt es bei der Einstellung neuer Mitarbeiter in kürzester Zeit das gewünschte Qualifikationsniveau und eine sachgerechte Einarbeitung in die bürospezifischen Belange zu erreichen?

Mitarbeiter müssen Weiterbildung wollen

Ungeachtet der Notwendigkeit von Weiterbildung, kommt die Anzeige des Bedarfs an Weiterbildung grundsätzlich entweder vom Mitarbeiter selbst oder von der Geschäftsführung. Wenn die Einschätzung beider Seiten zum gleichen oder ähnlichen Ergebnis führt, steht nur noch die Wahl der Veranstaltung an. Dieser Ablauf der Dinge drückt aus, dass es für ein Büro nicht zielführend sein kann, Mitarbeitern Weiterbildung zu "verordnen". Die Fähigkeit, Wissen zu erwerben, ist auch immer an die innere Bereitschaft des Einzelnen gekoppelt.

Viele Mitarbeiter verbinden mit der Teilnahme an Veranstaltungen zur Weiterbildung tatsächlich auch einen gewissen eigenen Stellenwert im Unternehmen, also eine Art Würdigung. Das kann durch die Geschäftsführung als interessantes Mittel zur Motivation und ggf. zur Übertragung neuer Aufgaben genutzt werden.

Hinzu kommt natürlich, dass die Ingenieurkammern die Bestätigung besonderer Befähigungen an Vorgaben für den Nachweis von Qualifikationen koppeln. So z.B. die Teilnahme an einem fachspezifischen Tagesseminar im Zeitraum von 2 Jahren.

Zeitaufwand je nach Büroausrichtung abwägen

Die Teilnahme an Veranstaltungen fordert in jedem Fall von den Mitarbeitern einen Teil ihrer kostbaren Arbeitszeit, den sie somit nicht für die Projektbearbeitung nutzen können. In diesem Konflikt befinden sich Führungskräfte und Mitarbeiter gleichermaßen.

Umfragen unter Planungsbüros unterschiedlicher Größe haben ergeben, dass durchschnittlich 1,5% der Jahresarbeitszeit eines/r Beschäftigten für Weiterbildung verwendet werden. Damit verbindet sich die Frage: Ist das viel, zu viel oder zu wenig? Wesentlich für die Beantwortung dieser Frage ist, ob das Büro am Markt eine eher routinierte oder eher innovative Positionierung anstrebt? Wichtig ist auch, welchen Stellenwert die Weiterbildung im Büro, bei Führung und Mitarbeitern, hat, und wie dynamisch Veränderungen im Arbeitsumfeld stattfinden.

KMU: Weiterbildung zusammen mit Gleichgesinnten organisieren

Bei der Wahl der Organisationsform bietet sich die Teilnahme an öffentlichen Seminaren oder aber auch die Organisation interner Veranstaltungen (Inhouse-Seminare) an. Insbesondere größere Büros organisieren individuelle Veranstaltungen, um mit ihren Mitarbeitern unternehmensspezifische Fragen zu bearbeiten und konkrete Möglichkeiten der Umsetzung der Erkenntnisse festzulegen.

Die Erfahrung zeigt aber auch, dass es für kleinere Büros sinnvoll sein kann, sich mit Gleichgesinnten zusammenschließen und auf diese Art Inhouse-Veranstaltungen zu organisieren.

Fazit: Nicht erst in schlechten Zeiten an Weiterbildung denken

In Zeiten voller Auftragsbücher in den Planungsbüros ist die Frage für die Teilnahme an Weiterbildungsveranstaltung keine Entscheidung zwischen Verzicht auf Projektbearbeitung oder Erweiterung des fachlichen Horizontes.

Wenn Unternehmer die Weiterbildung in Mitarbeiter als eine Art antizyklische Investition verstehen, verschaffen sie sich durch gut und sehr gut ausgebildete Fachkräfte den Marktvorsprung für schlechtere Zeiten.

Dipl.-Ing., Dipl.-Wirtsch.-Ing. Karl-Heinz Seidel

berät seit über 10 Jahren mittelständische Firmen. Er befasst sich besonders in Planungsbüros mit wirtschaftlichen Themen und Fragen der Unternehmensführung.

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