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Samstag, 20. Juli 2019
Ausgabe 6543 | Nr. 201 | 18. Jahrgang
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Nachfolge: Loslassen als Gebot

# 06.06.2014

Abgabe des eigenen Unternehmens nie leicht. Verschiedene Optionen mit entsprechenden Maßnahmen für erfolgreichen Wechsel verbunden. Klare Rollenverteilung im Familienbetrieb unerlässlich

Unternehmensnachfolge oft heißes Eisen

Die Übernahme eines Unternehmens ist ein großer Schritt für alte und neue Geschäftsinhaber. Foto: Alfred J. Hahnenkamp  / Pixelio Die Übernahme eines Unternehmens ist ein großer Schritt für alte und neue Geschäftsinhaber. Foto: Alfred J. Hahnenkamp / Pixelio

Immer mehr Unternehmer kommen auf mich zu, um über das Thema "Nachfolge" zu sprechen. Meist sind es Regelungen innerhalb der Familie, aber manchmal fällt dies auch aus. Auch in Ingenieurbüros ist das Thema "Nachfolge" ein heißes – mitunter auch ein "heißes Eisen", werden doch diverse Befindlichkeiten berührt.

Für den Eigentümer eines Ingenieurbüros ergeben sich grundsätzlich drei Möglichkeiten:

  1. Er betreibt das Büro bis zu seinem Ausscheiden aus dem Berufsleben und das Büro wird danach geschlossen.

  2. Er nimmt ein Familienmitglied in das Büro auf, um die Nachfolge familienintern sicherzustellen.

  3. Er verkauft das Büro an Familienfremde. Dies können eigene Mitarbeiter, Investoren oder Wettbewerber sein.
In den Optionen 2 und 3 ist "Loslassen" für den Büroinhaber das oberste Gebot.

Wertvernichtung durch Schließung vermeiden

Option 1 ist die schlechteste aller Optionen, denn hier wird Wertvernichtung betrieben. Das Büro hat durch die entstandenen Kundenbeziehungen einen Wert und dieser Wert sollte unbedingt kapitalisiert werden.

Das Betreiben eines Büros bis zum Schaffens- oder Lebensende und die anschließende Abwicklung sollte nicht auf der Agenda stehen.

Junior vs. Senior: Rollenverteilung klären

Option 2 bietet sich natürlich stets an, sollte aber zwingend mit einem Sogfaktor einhergehen. Druck, auch noch so sanfter Druck, der durch Erwartungen formuliert wird, ist ungeeignet, um eine Nachfolge zu regeln. Überdies ist bei einer internen Regelung zwingend ein neues Rollenverständnis erforderlich.

Tritt der Sohn oder die Tochter die Nachfolge an und ist der Elternteil noch im Büro aktiv, bedarf es unbedingt eines anderen Rollenverständnisses als "Eltern/Kind". Dies bedeutet einen hohen Flexibilitätsbedarf auf beiden Seiten. Abgesehen davon muss Rollenklarheit bestehen, inklusive der damit verbundenen Kompetenzklarheit. Dass Juniors etwas anders machen, als ihre Eltern, sollte klar sein und als Vorteil begriffen werden.

In Option 2 ist der Kaufpreis auch immer eine Frage. Zahlt der Nachfolger aus der Familie etwas oder gibt es eine Art Leibrente? Gibt es einen Beratervertrag für den bisherigen Inhaber? Bleibt er innerhalb des Büros noch für eine gewisse Zeit? Dies ist in nahezu jedem Falle zu empfehlen.

Nach Verkauf an Dritte sofort ausscheiden

Option 3 will wohlüberlegt sein, denn einmal ausgesprochen lässt sich das Vorhaben kaum noch unbemerkt weiterführen. Wenn ein Büroinhaber erwägt, das Büro an Mitarbeiter zu veräußern, muss er bereits zuvor dafür Sorge tragen, dass sich die Mitarbeiter in die richtige Richtung entwickeln. Er muss sich überdies darüber im Klaren werden, dass ein "MBO" (Management-buy-out) oft nicht den Ertrag bringt, wie ein Verkauf an Dritte oder ein Management-buy-in.

Vor allem muss sich der Büroinhaber darüber im Klaren sein, dass der Verkauf an Dritte in der Regel bedeutet, dass es besser für den bisherigen Inhaber ist, sofort aus dem Büro auszuscheiden, denn wer will schon Angestellter in seinem ehemals eigenen Unternehmen sein? Das geht in den seltensten Fällen gut, auch wenn manches Großunternehmen mit einem gut klingenden Posten lockt. Tun Sie es nicht.

Die Optionen hier im Detail auszuführen, ginge zu weit. Auf Wunsch von Teilnehmern besprechen wir das Thema "Nachfolge" aber auch auf dem zweiten Power-Tag für beratende Ingenieure am 29.10.2014 in Köln (siehe Link).

Prof. Dr. Guido Quelle

ist geschäftsführender Gesellschafter der Mandat Managementberatung in Dortmund mit Büros in London und New York. In einem speziellen Mentoren-Programm berät er unter anderem beratende Ingenieure auf ihrem Weg zum Wachstum. Zu erreichen ist Prof. Quelle per Mail unter [email protected]

2019-03-21 Nachfolge Unternehmensnachfolge Ingenieurbüro Rollenverteilung Familienbetrieb Loslassen Eigentümer Berufswelt Bauingenieur https://www.bauingenieur24.de/fachbeitraege/berufswelt/nachfolge-loslassen-als-gebot/2648.htm 603 de-DE
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