Fachbeiträge & Interviews
Dienstag, 22. September 2020
Ausgabe 6973 | Nr. 266 | 20. Jahrgang
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Schülerwettbewerb Junior.ING: Teilnehmer werden mit Ausstellung belohnt

# 04.09.2020

Modelle von Aussichtstürmen virtuell präsentiert. Picasso und chinesische Kunst dienen als Vorbilder. Jury würdigt hohen Grad an technischem Verständnis

Siegermodell von Picasso-Gemälde inspiriert

Die Mitglieder der Jury des Junior.ING-Wettbewerbs in Nordrhein-Westfalen zeigen die Gewinner-Modelle der jüngeren Jahrgangsstufen. Foto: IK-Bau NRW Die Mitglieder der Jury des Junior.ING-Wettbewerbs in Nordrhein-Westfalen zeigen die Gewinner-Modelle der jüngeren Jahrgangsstufen. Foto: IK-Bau NRW

Unter dem Motto "Aussichtsturm – fantasievoll konstruiert" konnten in diesem Jahr wieder bundesweit selbst erdachte und konstruierte Schüler-Modelle bei den Landesingenieurkammern eingereicht werden.

In Nordrhein-Westfalen kommen die diesjährigen Gewinner des alljährlichen Wettbewerbs Junior.ING vom Gymnasium Rodenkirchen in Köln und dem Berufskolleg Geldern. Erstmals wurden dabei die Modelle der Aussichtstürme in Videokonferenzen präsentiert. Die sonst übliche Live-Vorstellung der Wettbewerbsbeiträge im Mai musste in diesem Jahr abgesagt werden.

Den Sieg in der jüngeren Altersstufe bis einschließlich Klasse 8 errang ein Schüler vom Gymnasium Rodenkirchen in Köln mit seinem Turmmodell "Giraffe - Pablo goes Wild". Der Aussichtsturm verbindet Natur und Technik, indem er die Linienführung einer Zeichnung von Pablo Picasso mit der Konstruktion eines erdbebensicheren und sturmfesten Turmes kombiniert.

Jury attestiert bemerkenswerte Konstruktionsleistungen

"Obwohl der Sieger zu den jüngsten Teilnehmern des Wettbewerbs gehört, hat uns seine starke kreative und konstruktive Leistung überzeugt. Er konnte seine erstaunlichen Ideen schlüssig erklären und hat bewiesen, dass er seine eigene Turmkonstruktion bis ins Detail durchdrungen hat. Das ist für einen Schüler dieser Altersklasse absolut bemerkenswert", begründet der Jury-Vorsitzende Georg Wiemann die Wahl.

Auf dem zweiten Platz landete ein Team des Josef-Albers-Gymnasiums in Bottrop mit ihrem "Powertower", einer nach Einschätzung der Jury "handwerklich und konstruktiv exzellent ausgeführten" Holzkonstruktion.

Den dritten Platz belegten Schüler des Gymnasiums Rheinkamp in Moers. An ihrem "Shjh Tawa" gefiel der Jury die "Ausgewogenheit der Konstruktion, welche Stabilität, gute handwerkliche Ausführung und gestalterische Leichtigkeit miteinander verbindet."

Älterer Jahrgang: Umwelt und Nachhaltigkeit bestimmen Modelle

Im Wettbewerb der älteren Schüler ab Jahrgangsstufe 9 siegte ein vierköpfiges Team des Beruflichen Gymnasiums am Berufskolleg Geldern mit dem Aussichtsturmmodell "Planet B". Zwei auf einem feinen Holzgeflecht förmlich schwebende Halbkugeln symbolisieren die Erde, während die Gesamtform des Modells an eine Sanduhr erinnert.

Die Idee hinter der Konstruktion: Unsere Zeit auf diesem Planeten ist endlich, wenn wir ihn nicht besser behandeln. "Überzeugt hat die Jury vor allem die Umsetzung dieser anspruchsvollen Idee in einer eigentlich schlichten und einfachen, aber dennoch zwingenden Konstruktion", erläutert Georg Wiemann.

DNA-Struktur und chinesische Vase als Vorbilder

Auch die Gewinner-Beiträge der älteren Schuljahrgänge des Junior.ING-Wettbewerbs werden 2021 im Dortmunder Baukunstarchiv ausgestellt. Foto: IK-Bau NRW Auch die Gewinner-Beiträge der älteren Schuljahrgänge des Junior.ING-Wettbewerbs werden 2021 im Dortmunder Baukunstarchiv ausgestellt. Foto: IK-Bau NRW

Ebenfalls das Berufliche Gymnasium am Berufskolleg Geldern besucht das Schülerteam, das mit seinem "Leuchtturm" den zweiten Platz ergatterte. Das außergewöhnliche Modell fügt um die tragende Mittelsäule herum eine sich windende Treppe und orientiert sich erkennbar an der Form einer Doppelhelix, der Struktur der DNA.

Auf dem dritten Platz landete schließlich eine Abiturientin des Gymnasiums Haus Overbach in Jülich. Ihr Turmmodell "Hyperboloid" folgt dabei dem Formvorbild einer chinesischen Vase und ermöglicht einen offenen Panoramablick und eine multifunktionale Nutzung der offenen Plattformen.

"Für diese Multifunktionalität in Verbindung mit einer herausragenden Gestaltung erhält die Schülerin zudem einen Sonderpreis der Jury", so der Jury-Vorsitzende.

Teilnehmer zeigen tiefes Konstruktionsverständnis

Die Präsentationen der Schüler zeigten nach einhelligem Urteil der Jury mehrfach ein tiefes Verständnis der eigenen Konstruktionen, das auch kritischen Nachfragen standhielt.

Für die Jury bestätigt dies den nordrhein-westfälischen Sonderweg, welcher es den Teilnehmern erlaubt, ihre konstruktiven und kreativen Ideen zu erläutern. In den übrigen Bundesländern haben die teilnehmenden Schüler nicht die Möglichkeit, ihre Entwürfe zu präsentieren und zu erklären.

NRW stellt Turmmodelle im Baukunstarchiv aus

Junior.ING ist ein gemeinsamer Wettbewerb der Bundesingenieurkammer (BIngK) und der Länderingenieurkammern. In Nordrhein-Westfalen richtet die Ingenieurkammer-Bau NRW den Wettbewerb unter der Schirmherrschaft des Ministeriums für Schule und Bildung aus.

Normalerweise ist der Wettbewerb zweistufig konzipiert und aus den Landessiegern beider Altersklassen werden in Berlin die Bundessieger gekürt. Wegen der Corona-Pandemie fällt das Bundesfinale in diesem Jahr aus.

Alle eingereichten Modelle aus NRW werden dafür im nächsten Jahr im Rahmen der Sonderausstellung "Schöne Aussichten – Junior.INGs bauen Modelltürme" im Baukunstarchiv Dortmund ausgestellt.

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