Fachbeiträge & Interviews
Freitag, 02. Dezember 2022
Ausgabe 7774 | Nr. 336 | 22. Jahrgang
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Studie belegt: Wer BIM will darf New Work nicht ablehnen

# 24.10.2022

Erste umfassende Analyse über Experten der digitalen Arbeitsmethode vorgelegt. Teilzeit und Freiberuflichkeit bei BIM-Spezialisten beliebt. Hohe Nachfrage macht kurzfristige Gehaltssprünge wahrscheinlich

Neue Berufs- und Leistungsbilder seit Jahren im Gespräch

Was BIM-Experten wollen (und was nicht), hat eine aktuelle Studie erhoben. Foto: Nasim Nadjafi / Pixelio Was BIM-Experten wollen (und was nicht), hat eine aktuelle Studie erhoben. Foto: Nasim Nadjafi / Pixelio

Im Frühjahr 2017, also vor mittlerweile einem halben Jahrzehnt, schrieb der Hochschulprofessor und BIM-Pionier Hans-Georg Oltmanns auf diesem Berufsportal über die .

Bereits ein Jahr zuvor gingen wir mit einem anderen Beitrag der Frage nach,

Seither liefen viele Milliarden Informationen die digitalen Datenströme entlang und tatsächlich hat und hatte die digitale Arbeitsmethode BIM auf das gesamte Bauwesen bis heute keine geringen Auswirkungen. Jüngstes Beispiel ist das neue BIM-Portal der Bundesregierung (wir berichteten). Die Verantwortlichen erhoffen sich hierdurch eine höhere BIM-Nutzung im öffentlichen Bereich.

BIM in Deutschland immer noch keine Selbstverständlichkeit

Gleichwohl ist das Portal bzw. die Technik kein Garant für eine erfolgreiche Verstetigung bis hin zur Selbstverständlichkeit des Planens, Bauens und Betreibens mit BIM. Denn bis heute fremdeln viele Akteure damit bzw. fehlt die umfassende öffentliche wie auch privatwirtschaftliche Implementierung in der breiten Masse.

Woran mangelt es also bis heute in Deutschland beim Thema BIM? Dieser Frage ist eine Studie im Auftrag der Bimondis AG nachgegangen. Im Fokus dabei: Die Hauptakteure und -anwender, welche als "BIM-Manager", "BIM-Modellierer" oder Ähnliches die digitale Arbeitsmethode in den Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen einführen bzw. koordinieren sollen.

Studie zählt bundesweit 4.400 offene BIM-Stellen

Im Ergebnis der Untersuchungen glauben die Verantwortlichen, den Markt für diese BIM-Spezialisten in Deutschland, soweit bekannt, zum ersten Mal umfassend ergründet zu haben. Dazu wurden 10.000 Firmen-Webseiten und 30 Online-Jobbörsen durchforstet. Zudem führten die Verantwortlichen über 80 Experteninterviews. Die Befragten waren zwischen 30 und 46 Jahren alt.

Laut Studie sind von den Arbeitgebern im Planungs- und Baubereich bundesweit im Moment (2022) um die 4.400 "BIM-Stellen" ausgeschrieben. Zum Vergleich: Im letzten Jahr wurden im gesamten Bauingenieurwesen nach Angaben der Arbeitsagentur 16.900 Stellenangebote gemeldet. Es ist davon auszugehen, dass viele heutige BIM-Spezialisten originäre Bauingenieure sind.

Prognose: Starke Nachfrage lässt Gehälter für BIM-Experten wachsen

Die Mehrheit der BIM-Experten erhalte wöchentlich Anfragen von anderen Arbeitgebern für ähnliche Stellen, wobei die Beurteilung der praktischen Erfahrung der BIM-Experten den Arbeitgebern – wahrscheinlich auch aufgrund bislang häufig fehlender Zertifikate – schwerfalle. Die Befunde machen deutlich, dass die Nachfrage nach BIM-Fachkräften allgemein hoch ist, was Auswirkungen auf die zu zahlenden Gehälter hat.

"Das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage bei BIM-Experten wird [...] dazu führen, dass die Löhne in den nächsten Jahren signifikant steigen werden, bei sehr erfahrenen und spezialisierten BIM-Experten überproportional", heißt es von den Autoren der Studie. Sie sehen hier eine ähnliche Entwicklung wie in anderen Berufen, wie etwa in der Softwareentwicklung und der Datenwissenschaft (Data Science).

New Work: BIM-Experten mögen Teilzeit und Freelancing

Neben der Frage des Gehalts müssen Arbeitgeber gegenüber dem umworbenen BIM-Fachpersonal auch solche zur Arbeitszeit und zur Projektvielfalt glaubwürdig und zufriedenstellend beantworten. Teilzeit und bzw. oder eine freiberufliche Beschäftigung (Freelancing) stehen bei den BIM-Experten hoch im Kurs.

Diese Arbeitsmodelle würden garantieren, dass die zu bearbeitenden Projekte sehr unterschiedlich und damit nie langweilig ausfallen. Generell lässt sich bei der neuen Berufsgruppe der BIM-Experten eine deutliche Tendenz zur New Work, mit mehr Abwechslung und Freiheit beim Arbeiten, ausmachen.

Konservative Arbeitgeber dürften hiermit naturgemäß Probleme haben. Bei der Beschäftigung von Freiberuflern beispielsweise sehen viele laut Bimondis Schwierigkeiten bei der Teamintegration aufgrund eines "Mangels an Standardisierung über Unternehmen hinweg".

Zu klein für BIM? – Arbeitsgemeinschaften als BIM-Einstieg für KMUs

Es zeigt sich, dass sich sowohl die BIM-Berufsbilder als auch der Weg dorthin in den letzten fünf Jahren für Interessierte durchaus klarer geworden sind. Dies liegt nicht zuletzt an einem breiteren und fundierteren Aus- und Weiterbildungsangebot, wie auch die Bimondis-Erhebung nachweist. Ist das flächendeckende Planen, Bauen und Betreiben mit BIM in Deutschland damit also nur noch eine Frage der Zeit?

Wie immer gilt es auch hier zu differenzieren. Große Unternehmen gehen in ihrer Arbeitsweise und der Anwendung digitaler Methoden heute bereits einen ganz anderen Weg als kleine und mittelständische. Für letztere haben die Studienautoren daher noch einen Rat:

Firmen mit zu geringer eigener Schlagkraft sollten sich in Arbeitsgemeinschaften zusammenschließen, um die erforderliche Größe für BIM-Ausschreibungen zu erlangen. Die befragten BIM-Experten, welche bereits Erfahrungen in solchen Konstrukten gemacht haben, weisen allerdings auf rechtliche Bedenken und fehlendes Vertrauen hin.

Ihre Bewertung für diesen Fachbeitrag
5.0 von 5 Sternen | 1 Abstimmungen
Kurz-Link  Kurz-Link zu diesem Beitrag:
http://www.bauingenieur24.de/url/700/3482