Fachbeiträge & Interviews
Dienstag, 12. November 2019
Ausgabe 6658 | Nr. 316 | 19. Jahrgang
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Studium Bauingenieurwesen: Referenzrahmen soll Qualität sichern

# 25.01.2019

Deutschlandweit über 270 Bachelor-Studiengänge. ASBau schreibt Mindestanforderungen fest. Bewertung der Berufsqualifikation und Vergleichbarkeit soll Studierenden und Personalentscheidern helfen

272 Bachelor-Studiengänge als Folge des Bologna-Prozesses

Das Ziel ist für angehende Bauingenieure oft klar, nur der Weg dorthin ist aufgrund der Fülle der Studienangebote nicht eindeutig. Foto: freepik Das Ziel ist für angehende Bauingenieure oft klar, nur der Weg dorthin ist aufgrund der Fülle der Studienangebote nicht eindeutig. Foto: freepik

Wer in Deutschland Bauingenieur werden will, hat dazu viele Möglichkeiten (siehe Quellen und Verweise).

Nicht zuletzt der Bologna-Prozess hat dazu geführt, dass Studieninteressierten bundesweit inzwischen 272 Bauingenieurstudiengänge zur Auswahl stehen.

Die Folge: Eine wirkliche Einschätzung, welches Studienangebot zu welchen Fähigkeiten der angehenden Fachkräfte führt, fällt sowohl den Studierenden als auch den Personalentscheidern in Planungsbüros, Bauunternehmen oder Bauämtern nicht leicht.

Referenzrahmen mit Mindestanforderungen für angehende Bauingenieure

Ein neuer "Referenzrahmen für die Bachelorstudiengänge im Bauwesen" soll nun Licht ins Dunkel des "Studiendschungels" bringen. Der Akkreditierungsverbund für Studiengänge des Bauwesens, kurz ASBau, stellte ihn als Urheber auf der diesjährigen Fachmesse BAU in München vor.

Der Referenzrahmen enthält die von den ASBau-Mitgliedern gemeinsam erarbeiteten qualitativen und quantitativen Mindestanforderungen an den Beruf des Bauingenieurs. Mitglieder des ASBau sind die wesentlichen Verbände und Kammern aus Bauplanung und Bauwirtschaft sowie Hochschulen und Universitäten.

Studiengangsmatrix ermöglicht Transparenz und Vergleichbarkeit

Herzstück des Referenzrahmens, der auf den ASBau-Studienstandards für Bauingenieurstudiengänge von 2010 aufbaut und diese weiterentwickelt, ist die sogenannte Studiengangsmatrix, die ab sofort auch online zur Verfügung steht (siehe Quellen und Verweise).

Sie gibt Auskunft über Inhalt und Umfang der in einem Studiengang angebotenen und zu absolvierenden Module. Dies soll einerseits Transparenz hinsichtlich der von den Absolventen erworbenen Kompetenzen schaffen und andererseits für eine bessere Vergleichbarkeit der Bachelorstudiengänge sorgen.

ASBau: 75 Prozent MINT-Anteil für Berufsbefähigung notwendig

Die Mitglieder des ASBau definieren in dem Referenzrahmen auf rund 40 Seiten Kompetenzfelder, die das "unabdingbare Grundlagenwissen sowie ebenfalls wichtiges fachspezifisches Wissen und die dazugehörigen Fertigkeiten und Kompetenzen umfassen". Klares Ziel sei dabei immer eine "berufsbefähigende Bauingenieurausbildung".

Der ASBau empfiehlt mit seinem Referenzrahmen unter anderem, dass

  • 40 Prozent des gesamten Studiums den Grundlagenkompetenzen und dazu
  • jeweils 20 Prozent den Kompetenzbereichen Planung, Bemessung und Baumanagement

gelten sollen.

Studiengänge, deren Inhalt dem Referenzrahmen entsprechen, würden laut ASBau einen "MINT"-Anteil von mindestens 75 Prozent erreichen, was als Fundament einer qualitativ hochwertigen Ingenieurausbildung, wie sie Ingenieurbüros und Bauunternehmen benötigten, angesehen wird.

Hochschulen und Akkreditierungs-Gutachter als Zielgruppe

Wichtigster Adressatenkreis des Referenzrahmens sind aus Sicht der Autoren Hochschulen und Universitäten, die Bauingenieurstudiengänge anbieten, neu- oder weiterentwickeln.

Zudem will der ASBau Fachgutachtern in Akkreditierungsverfahren Unterstützung und Orientierung geben, indem erstmalig in einer Ingenieurdisziplin definiert wird, welche Anforderungen an die Beruflichkeit der Absolventen gestellt werden.

Stimmen zum Referenzrahmen für die Bachelorstudiengänge im Bauwesen

Der Referenzrahmen für die Bachelorstudiengänge im Bauwesen soll die über 270 Studienangebote in Deutschland transparent und vergleichbar machen. Bild: ASBau Der Referenzrahmen für die Bachelorstudiengänge im Bauwesen soll die über 270 Studienangebote in Deutschland transparent und vergleichbar machen. Bild: ASBau

Dipl.-Ing. Hans-Ullrich Kammeyer, Präsident der Bundesingenieurkammer, stellvertretender Vorsitzender des ASBau: "Der ASBau-Referenzrahmen steht für ein fachlich breit angelegtes Studium, das die fachlichen und sozialen Kompetenzen der werdenden Bauingenieure stärkt. Mit diesem Beitrag aller zentralen Akteure des Bauwesens ist die notwendige Grundlage für eine zukunftsweisende und qualitativ hochwertige Bauingenieurausbildung gelegt."

Yves Reiser (Hochschule Darmstadt), Louis Schröder (TU Braunschweig), Benjamin Sauer (TU Berlin), Vertreter der Bauingenieur Fachschaften Konferenz (BauFaK): "Als Studierende sehen wir in einer breit aufgestellten Ausbildung im Bachelorstudium die Grundlage für unsere Zukunft in einem interdisziplinären Umfeld. Ob bei der Durchführung von Forschungsprojekten, der Planung oder Realisierung von Projekten in der (Bau-) Wirtschaft oder bei der Fortsetzung des Studiums im Masterstudiengang, bilden die im Referenzrahmen zusammengefassten Inhalte ein wichtiges Grundwerkzeug."

Dipl.-Ing. Klaus Pöllath, Vizepräsident des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie, Vorsitzender des ASBau: "Die Bauwirtschaft und damit auch das Bauingenieurwesen werden durch die fortschreitende Digitalisierung und das neue Denken im Prozessmanagement revolutioniert. Mit einer Ausbildung, die sich am Referenzrahmen des ASBau orientiert, werden die richtigen Weichen für ein erfolgreiches Berufsleben gestellt.

Dipl.-Ing. Jörg Thiele, Präsident des Verbands Beratender Ingenieure VBI: "Die Ingenieurbüros bauen darauf, dass in jedem Bachelor-Studiengang ein breites, fundiertes Basiswissen des Bauingenieurwesens vermittelt wird. Der Referenzrahmen setzt dafür Maßstäbe und hilft den Unternehmen beim Vergleich der Abschlüsse verschiedener Hochschulen."

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