Fachbeiträge & Interviews
Mittwoch, 06. Juli 2022
Ausgabe 7625 | Nr. 187 | 21. Jahrgang
D.I.E. Baustatik Software - Einfach | Anders | Besser
Autor: Guido Quelle
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Unabkömmlichkeit - die unterschätzte Mannschaft

# 02.07.2014

Wachstum ohne das Delegieren von Aufgaben nicht möglich. Mitarbeiter sollten möglichen Ausfall der Geschäftsführung abfedern können. Generelle Abwehr gegenüber geteilter Verantwortung hemmt Unternehmen

Auf den eigenen Ausfall vorbereitet sein

Wer als Chef glaubt, unentbehrlich zu sein, sollte sich über einen endlos erscheinenden Belastungszuwachs nicht wundern. Foto: Bernd Kasper  / Pixelio Wer als Chef glaubt, unentbehrlich zu sein, sollte sich über einen endlos erscheinenden Belastungszuwachs nicht wundern. Foto: Bernd Kasper / Pixelio

Wie wichtig nehmen Sie sich? Stellen Sie immer wieder fest, dass Sie eigentlich unentbehrlich sind? Kunden, Lieferanten, Subunternehmer, Partner, Mitarbeiter: Lauter E-Mails, Gespräche, Telefonate, Arbeitstreffen, überall müssen Sie dabei sein, schließlich fordert dies insbesondere der Kunde? Und wenn man dann mal etwas delegiert, kann man zu einhundert Prozent davon ausgehen, dass man es doch richten muss? Muss man denn alles selber machen?

Wir nehmen uns in der Regel selbst zu wichtig. Was würde passieren, wenn Sie für eine Weile ausfielen, aus welchem Grund auch immer? Wenn Sie Einzelkämpfer sind, sollten Sie ein befreundetes Ingenieurbüro kennen, mit dem Sie eine gegenseitige Vertretung abstimmen – nur für den Fall, dass etwas Unvorhergesehenes eintritt. Und wenn Sie Mitarbeiter haben, sollten diese so gut ausgebildet sein, dass sie die meisten Dinge für Sie übernehmen können.

Kundentermine bei Bedarf Mitarbeitern überlassen

Auch Kundentermine? Ja, auch Kundentermine. Berater und Ingenieure sind zu häufig der Auffassung, dass es nicht ginge, Mitarbeiter zu Kunden zu entsenden, um wichtige Themen zu behandeln. Wenn ich dann nachfrage, ob sie es schon einmal versucht haben, kommt häufig ein "Nein, das würden unsere Kunden auch nicht akzeptieren."

Woher wollen Sie es aber wissen, wenn Sie es nicht versucht haben? Einige derer, die es versucht haben und damit auf die Nase gefallen sind, sind dadurch fester als je zuvor davon überzeugt, dass der Chef eben doch vor Ort sein müsse.

Die eigene Allgegenwart zurückfahren

Das Gegenteil ist der Fall: Wenn Sie Ihre Mitarbeiter nicht wachsen lassen, brauchen Sie sich nicht darüber zu beschweren, dass Ihr Wachstum immer mit Mehrarbeit bei Ihnen verbunden ist. Das ist aber mitnichten erforderlich – und auch nicht wünschenswert.

Wenn eine Situation nicht glücklich verlaufen ist, bietet dieses spezifische Ereignis keinen Anlass, auf das Generelle zu schließen. Vielmehr gilt es, herauszufinden, was getan werden muss, um Ihre Omnipräsenz ein wenig herunterzufahren.

Niemand ist unentbehrlich

Vor kurzem sagte mir ein beratender Ingenieur, er könne nicht in Ruhe in den Urlaub fahren, müsse dort immer wieder zu Telefon und E-Mail greifen und Dinge regeln. Auf meine Frage, ob das denn wirklich nötig sei, oder ob es auch ohne ihn laufe, entgegnete er, dass er dies nicht wisse, weil er es noch nicht probiert habe, schließlich wolle er seine Kunden nicht vergraulen.

Mit dieser Einstellung wird Wachstum nahezu unmöglich. Wenn Sie wirklich wachsen wollen, setzen Sie sich damit auseinander, dass in Ihrem Büro jeder das tut, was er am besten kann und auch tun sollte. Sie sind nicht unentbehrlich. Niemand ist es.

Prof. Dr. Guido Quelle

ist geschäftsführender Gesellschafter der Mandat Managementberatung in Dortmund mit Büros in London und New York. In einem speziellen Mentoren-Programm berät er unter anderem beratende Ingenieure auf ihrem Weg zum Wachstum. Erlebbar ist Prof. Quelle ([email protected]) zum Beispiel auf dem zweiten "Power-Tag für beratende Ingenieure" am 29. Oktober 2014 in Köln.

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Quellen-und-Verweise  QUELLEN UND VERWEISE:
Power-Tag für beratende Ingenieure 2014
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