Fachbeiträge & Interviews
Montag, 16. Mai 2022
Ausgabe 7574 | Nr. 136 | 21. Jahrgang
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Von digitalen Unterschriften und BIM-basierten Bauanträgen: Der lange Weg zur modernen Baubehörde

# 11.05.2022

Abschied von Papierakte stellt deutsche Bauämter vor große Herausforderungen. Digitale Signatur wirft viele Rechtsfragen auf. Baugenehmigung mit 3D-Plänen in NRW erfolgreich getestet

Baubehörden tun sich mit Digitalisierung schwer

Moderner Bauantrag: Baupläne in 2D und handschriftliche Signaturen sollen bald der Vergangenheit angehören. Foto: TRgreizer / Pixelio Moderner Bauantrag: Baupläne in 2D und handschriftliche Signaturen sollen bald der Vergangenheit angehören. Foto: TRgreizer / Pixelio

Die Tücken der Digitalisierung treiben derzeit die Akteure in den deutschen Bauamtsstuben um. Im vermittelte unlängst ein Sachbearbeiter des Bauaufsichtsamtes Darmstadt einen Eindruck davon, wie herausfordernd die Sache mit dem digitalen Baugenehmigungsverfahren sein kann.

"Insbesondere alle rechtlichen Vorgaben bei der Erstellung von digitalen Bescheiden einzuhalten, ist kein leichtes Unterfangen", gibt Bauingenieur Sven Zimmermann in dem Gespräch zu Protokoll. Gleich mehrere Fragen wirft er dabei allein im Zusammenhang mit der digitalen Unterschrift auf:

"Wann müssen welche Unterlagen im Original unterschrieben sein? Welche Dokumente können qualifiziert digital signiert werden? Welche Voraussetzungen müssen für eine qualifizierte, digitale Signatur geschaffen werden. Wann gilt ein digitaler Bescheid als zugestellt?"

Ziel: Moderne BIM-Planung mit Baugenehmigung vereinbaren

Auf Amtsseite produziert so bereits die Übertragung einfachster analoger Vorgehensweisen in eine rechtlich einwandfreie digitale Anwendung jede Menge Fragezeichen. Noch anspruchsvoller dürfte es allerdings dort werden, wo weniger bekannte bzw. relativ neue Arbeitsmethoden Einzug in einen erfolgreichen behördlichen Verarbeitungsprozess halten sollen.

Die Rede ist vom Building Information Modeling, kurz BIM, welches inzwischen für immer mehr Bauvorhaben genutzt wird. Auf Basis eines 3D-BIM-Modells des geplanten Gebäudes sollen Bauherren künftig ihre Bauanträge digital bei den zuständigen Behörden einreichen können. Allein, der Weg dorthin wird wohl kein leichter sein.

BIM-basierten Bauantrag an Ruhr-Universität Bochum entwickelt

Einen Lösungsweg auf technischer Ebene bietet das Projekt "BIM-basierter Bauantrag" an. Es wurde an der Fakultät für Bau- und Umweltingenieurwesen der Ruhr-Universität Bochum (RUB) koordiniert. Die Forschenden und ihre Partner entwickelten dabei Vorgaben für die BIM-Modelle sowie deren verknüpfte Daten. Zudem evaluierten sie Möglichkeiten, die Datenqualität bei der Einreichung eines Antrags zu prüfen und die Eingaben zu visualisieren.

"Vor dem Hintergrund der heutigen digitalen Möglichkeiten erscheint es umständlich und nicht nachhaltig, dass man für den Bauantrag noch immer 2D-Baupläne auf Papier einreichen muss", sagt Projektleiter Markus König vom Lehrstuhl für Informatik im Bauwesen an der RUB.

Vorgängerprojekt in NRW erfolgreich

Dass der Antrags- und Genehmigungsprozess für ein Bauvorhaben tatsächlich durchgehend digital funktionieren und alle Beteiligten entlasten kann, hat laut König das Projekt "BIM-basierte Baugenehmigung in NRW" gezeigt. Das Team der RUB hat das konzeptionelle Vorgehen aus dem Vorgängerprojekt nun mit mehreren Partnern am Beispiel der neuen Firmenzentrale der Louis Opländer Heizungs- und Klimatechnik GmbH in Dortmund evaluiert.

"Es war uns unter anderem wichtig zu ermitteln, ob für Planende ein Mehraufwand entsteht und dieser dann durch die vereinfachte Antragstellung kompensiert werden kann", erklärt André Vonthron vom Projektteam. Die entwickelte Vorgehensweise erlaube es nun, ein BIM-Modell mit sämtlichen technischen Informationen hochzuladen und sich bereits vor dem Einreichen des Antrags anzeigen zu lassen, ob alle Angaben vollständig und plausibel sind. Das Konzept basiert auf offenen und herstellerneutralen Standards.

Projektentwickler: Genehmigungsprozess wird transparenter und effizienter

Mitarbeitende der Bauaufsichtsbehörden können bauliche Anforderungen, wie beispielsweise die Einhaltung der Barrierefreiheit oder den Brandschutz, direkt am Modell überprüfen und letzteres gegebenenfalls mit Notizen versehen. Die manuelle Prüfung von Papierplänen entfällt dadurch. "Insgesamt macht das den Prozess für beide Seiten transparenter und effizienter", benennt Markus König die angestrebten Vorteile.

Zu den Kooperationspartnern der Ruhr-Universität Bochum zählen neben der Firma Opländer

  • die |DA| Drahtler Architekten,
  • die Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen sowie der Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung (beide Stadt Hamburg),
  • das Land Nordrhein-Westfalen,
  • das Bauordnungsamt der Stadt Dortmund,
  • die CORE Digital Engineering GmbH und
  • die planen-bauen 4.0 Gesellschaft zur Digitalisierung des Planens, Bauens und Betreibens mbH.
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