Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst

Wie man als Bauleiter rechtskonform und pragmatisch handelt

# 06.12.2019

Berufsfeld bietet Vielzahl an Chancen und Risiken. Neue Broschüre will zwischen gesetzlichen Regeln und Arbeitsalltag vermitteln. Expertenrat und Austausch mit Berufsgruppe für Einsteiger besonders wertvoll

Was macht eigentlich die Bauleitung?

Als Bauleiter die richtige Balance zwischen Anspruch und Wirklichkeit zu halten, ist eine goße Herausforderung. Foto: QualitätsVerbund Planer am Bau Als Bauleiter die richtige Balance zwischen Anspruch und Wirklichkeit zu halten, ist eine goße Herausforderung. Foto: QualitätsVerbund Planer am Bau

Kaum eine Position ist im Bauwesen so stark nachgefragt und gleichzeitig so schwer zu umreißen wie die der sogenannten "Bauleitung". Häufig sorgen unterschiedliche Vorstellungen darüber, was ein Bauleiter zu tun und zu lassen hat, für Missverständnisse zwischen den Beteiligten (vgl. Quellen und Verweise).

Schaut man dann hilfesuchend in die rechtlichen Vorlagen, begegnen einem Begriffe wie "angemessen", "zumutbar" oder "häufige Kontrollen", die nicht besonders eindeutig sind.

Bauingenieure und Planer, die mit dem Gedanken spielen, in der Bauleitung tätig zu werden, suchen daher regelmäßig Rat bei Kollegen, wie ein Blick in das Fachforum auf bauingenieur24.de zeigt (siehe Quellen und Verweise).

Bauleitung: Erfahrung bringt Zufriedenheit und Abwechslung

Grundsätzlich bietet die Bauleitung für einen Bauingenieur die Möglichkeit, das Bauen sowohl von der planerischen bzw. leitenden Seite als auch der praktischen Umsetzung originär zu erleben.

Viele Fachkräfte ziehen daraus ein hohes Maß an beruflicher Zufriedenheit, wie aus einigen beispielhaften Forum-Kommentaren hervorgeht:

  • "Ich bin seit fast 20 Jahren in der Bauleitung und mache meinen Job immer noch mit Freude. Aller Anfang ist schwer, da will ich gar nichts schönreden. Aber wenn du mal ein paar Jahre Erfahrung gesammelt hast und weißt wie der Hase läuft, dann ist die Bauleitung ein wirklich sehr abwechslungsreiches Betätigungsfeld."
  • "Im Tiefbau begeistern mich insbesondere der Maschinen- und Materialeinsatz. Ich arbeite hier mit eigenen Kolonnen und Maschinen. Meine Empfehlung ist, unbedingt das zu machen, wo deine Neigungen und Vorlieben liegen. Ich bin froh, dass ich damals den Schritt gemacht habe!"

Bauüberwachung heißt Verantwortung

Neben solchen positiven Erfahrungen im täglichen Arbeiten wird gleichzeitig immer wieder die besondere Verantwortung betont:

  • "Als Bauleiter im Sinne der Bauordnung musst Du eine Berufshaftpflichtversicherung nachweisen. Unabhängig davon trägt der Bauleiter ein sehr hohes Haftungsrisiko, da er bei fast jedem Pfusch der Handwerker wegen mangelhafter Bauüberwachung herangezogen wird."

Mit den konkreteren Begriffen der Bauüberwachung bzw. der Objektüberwachung, welche anders als die allgemeine Bezeichnung "Bauleitung" auch in den Regelwerken von Honorarordnung (HOAI) bis Vergabeordnung (VOB) verwendet werden, ist die eigentliche Kernaufgabe der Bauleitung benannt.

Die Bauüberwachung ist nach einhelliger Meinung eine der größten Herausforderungen für Architektur- und Ingenieurbüros. Neben den technischen und wirtschaftlichen Aspekten sind vor allem rechtliche Rahmenbedingungen zu beachten.

Rechtskonforme Bauleitung versus Pragmatismus

In der Praxis stößt die Bauleitung aufgrund der vielen Regeln und Vorgaben regelmäßig an ihre Grenzen. Nach Einschätzung des QualitätsVerbundes "Planer am Bau" ist eine rechtskonforme Bauleitung "ziemlich unmöglich", will man sich selbst und andere im Bauprozess nicht behindern. Die Lösung sehen die Bauexperten in einer "pragmatischen" Erfüllung der Bauleiteraufgaben.

Sowohl angehende als auch erfahrene Bauleiter und Planer sollen nun mit dem Whitepaper "Grundlagen einer rechtskonformen Objektüberwachung - Bauleitung in der Praxis für Architektur- und Ingenieurbüros" Tipps für die Praxis an die Hand bekommen (siehe Quellen und Verweise).

Planer-Verbund veröffentlicht Ratgeber für Bauleiter

Gezeigt werden hierin Möglichkeiten, wie die formalen Mindestanforderungen an die Dokumentation und das erfolgreiche Vorankommen beim Bauen in Einklang zu bringen sind. Gemäß dem Grundsatz "so viel wie nötig, so wenig wie möglich" werden dem Praktiker Vorschläge gemacht, Probleme auf der Baustelle unbürokratisch und schnell zu lösen.

Die Informationen und Hinweise wurden von Thomas Benz zusammengetragen. Benz ist als Professor an der Hochschule für Technik Stuttgart in den Bereichen Baubetriebslehre, Bauwirtschaft und Schlüsselfertigbau tätig und unter anderem auch Co-Autor des Baustellenhandbuchs Bauleitung (Forum Verlag Herkert, 2018).

Fazit: Erfahrung und Ratschläge aus der Praxis hilfreicher als Studium

Um die Bauleitung erfolgreich zu bewerkstelligen kommt es häufig weniger auf das Hochschulstudium, sondern mehr auf die eigene Erfahrung sowie handfeste Ratschläge und Hinweise aus der Berufsgruppe an.

Für Einsteiger in die Bauleitung sei daher hier zum Schluss nochmals aus dem Fachforum zitiert:

  • "Ich empfehle [jedem angehenden Bauleiter] im Schlüsselfertigbau einzusteigen. Hier bekommst du von allen Gewerken etwas mit und hast es später beim Jobwechsel viel einfacher!"
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Quellen-und-Verweise  QUELLEN UND VERWEISE:
https://www.bauingenieur24.de/fachbeitraege/baurecht/mythos-bauleiter-warum-der-begriff-irrefuehrend-ist-und-was-dagegen-hilft/2821.htm
https://planer-am-bau.de/shop/grundlagen-einer-rechtskonformen-objektueberwachung-whitepaper
https://www.bauingenieur24.de/forum/mein-berufseinstieg-der-bauleitung.htm
https://www.bauingenieur24.de/forum/bauleitung-voraussetzungen.htm
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