Autor: Christian Wieg
Herausgeber: bauingenieur24® Informationsdienst

Erdsonden-Anlage temperiert Betonkern von Bürogebäude

# 31.07.2006

Erste Messphase ergibt niedrige Verbrauchswerte / Passivhausanforderungen werden durch fehlende Wärmegewinne derzeit noch nicht erfüllt

Beschreibung der technischen Gebäudeausrüstung, Abb.: Bine Informationsdienst Beschreibung der technischen Gebäudeausrüstung, Abb.: Bine Informationsdienst

Bürogebäude verbrauchen nicht nur für Heizung und Warmwasser Energie, sondern auch für die technische Gebäudeausrüstung wie Lüftung, Klimatisierung und Beleuchtung. Die zentrale Größe zur Beurteilung Energie sparender Gebäude ist daher die Gesamtenergieeffizienz, die den kompletten zum Gebäudebetrieb notwendigen Energiebedarf einrechnet. Zukünftig werden sich Nicht-Wohngebäude durch die EU-Richtlinie zur Gesamtenergieeffizienz diesem erweiterten Blickwinkel stellen müssen.

Die Demonstrationsgebäude des Förderkonzepts Energieoptimiertes Bauen (ENOB) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie, orientieren sich seit Jahren an diesem Ansatz. So auch das "Bürogebäude mit regenerativer Kühlung" des Bauherrn Software AG Stiftung in Ulm. Mit dem Bauvorhaben wurde 2001/2002 Neuland betreten, da ein nach Passivhauskonzept errichtetes Bürogebäude in dieser Größe bisher einmalig ist. Genaue Planung, Vorfertigung und eine intensive Qualitätskontrolle ermöglichten eine nahezu wärmebrückenfreie, sehr luftdichte Gebäudehülle – Vorraussetzungen für ein gut funktionierendes Passivhaus. In den Mietverträgen des Vermieters Software AG Stiftung wird für die Nebenkosten Heizung, Kühlung und Belüftung eine Obergrenze von 0,75 EUR/m² garantiert, bei einer Kaltmiete von 12,00 EUR/m². Mitte 2006 lag die vermietete Fläche bei 80%.

Dank der kompakten Bauform konnten die Fenster unabhängig von der Ausrichtung des Gebäudes dimensioniert und in ihrer Größe optimiert werden. Dies ermöglicht eine bestmögliche Tageslichtversorgung bei vergleichsweise geringen Wärmelasten durch Sonneneinstrahlung. Wichtige Komponenten der Gebäudetechnik sind eine Erdsondenanlage mit 40 Sonden in Verbindung mit einem Kunststoffrohrregister in 5.000 m² Deckenfläche zur Betonkern-Temperierung. Die Betonkerntemperierung hat sich als Wärmesenke und –quelle zur Kühlung und Beheizung des Gebäudes bewährt. An die Fertigstellung des Gebäudes im Jahr 2002, schloss sich eine Messphase an, deren Ergebnisse jetzt vorliegen.

Die Energieverbrauchswerte für das Gebäude sind im Vergleich zu neu gebauten Standard-Bürogebäuden sehr niedrig. Mit einem Heizenergieverbrauch von 34,6 kWh/m²a im Jahr 2005 liegt es allerdings deutlich über dem berechneten Bedarf und den Passivhausanforderungen. Es fehlen derzeit noch die weiteren internen Wärmegewinne durch die noch nicht vermieteten Flächen. Um den Erfolg des Projektes weiter beurteilen zu können, muss man die Werte aus Jahren der vollständigen Vermietung abwarten.

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