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Samstag, 20. April 2019
Ausgabe 6452 | Nr. 110 | 18. Jahrgang
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Fernwärmenetz der Zukunft entsteht in Brandenburg

# 28.05.2018

Pilotprojekt zu klimaneutraler Wärmeversorgung in Hennigsdorf gestartet. Nutzung industrieller Abwärme in Planung. Ausgebautes Verbundnetz übernimmt Speicherfunktion

Mittelstadt strebt Energiewende durch dezentrale Versorgung an

Ein innovatives Fernwärme-Verbundnetz dient nicht nur dem Transport sondern auch der Speicherung von Wärmeenergie. Foto: Karl-Heinz Laube / Pixelio Ein innovatives Fernwärme-Verbundnetz dient nicht nur dem Transport sondern auch der Speicherung von Wärmeenergie. Foto: Karl-Heinz Laube / Pixelio

Die Energie der Zukunft soll klimaneutral und nachhaltig sein. Dies bedeutet nicht nur, von fossilen auf regenerative Energiequellen umzusteigen.

Bestehende Formen der Wärmeerzeugung, beispielsweise die Abwärme aus der Schwerindustrie, sowie die Ausgestaltung und Verbindung der vorhandenen Leitungsnetze sollen zusätzlich umgesetzt bzw. verbessert werden. Eine dezentrale Versorgung wird dabei als effizienter angesehen, als eine zentralisierte.

Der Weg dorthin ist lang, doch laufen bereits in ganz Deutschland verteilt zahlreiche Pilotprojekte, bei denen unter anderem flexible Wärmenetze stärker zur Deckung des örtlichen Bedarfs genutzt werden sollen.

In der brandenburgischen Mittelstadt Hennigsdorf (ca. 26.000 Einwohner) will man so zum Beispiel bis 2022 den Anteil der klimaneutral erzeugten Wärme in der Fernwärmeversorgung von derzeit 50 auf 80 Prozent ausbauen.

Solarkollektoren ergänzen vorhandene Bio-Heizkraftwerke

Bislang sorgen hier bereits ein Biomasseheizkraftwerk und ein Biogas-Blockheizkraftwerk sowie der hydraulische Verbund der ursprünglichen vier Teilnetze der Stadt dafür, die Grund- und Mittellast ganzjährig aus regenerativen Quellen zu decken. Als neue Wärmequellen sollen weitere Solarkollektoren, zum einen zentral bei den Stadtwerken und zum anderen dezentral bei den Kunden, sowie ein bestehendes örtliches Stahlwerk erschlossen werden.

Wie bei der Energiewende allgemein, stellt sich auch vor Ort in Brandenburg die große Frage nach der Speicherung regenerativer Energie, welche aus Biomasse und Sonnenstrahlen gewonnen wird.

Herzstück des zukünftigen Fernwärmenetzes wird daher ein multifunktionaler Großwärmespeicher mit 22.000 Kubikmetern Wasservolumen sein, mittels dessen es gelingen soll, das Wärmeangebot von der Nachfrage zu entkoppeln und der Einspeisung aus dezentralen Anlagen Vorrang zu gewähren.

Fernwärmenetz wird zur Wärmedrehscheibe

Nach dem Ausbau dient auch das Hennigsdorfer Fernwärme-Verbundnetz selbst als Speicher, um kurzzeitige Lastspitzen aufzunehmen und das Lastmanagement von ins Netz integrierten Wärmespeichern zu übernehmen.

Die Verantwortlichen sprechen daher von der Wandlung des Fernwärmenetzes zur "Wärmedrehscheibe", welches "Leuchtturmpotenzial" besitze, da es auf gleichgroße Städte mit ähnlichen Netzen übertragbar sei.

Industrielle Abwärme aus Stahlwerk soll ins Fernwärmenetz fließen

Für die Nutzung vorhandener industrieller Abwärme hat man sich in Hennigsdorf vorab viele Gedanken gemacht. Nachdem die Idee, die Abwärme aus einem Kühlkreislauf des erwähnten Stahlwerks zu entnehmen, aufgrund der zu geringen Temperatur (60 °C) verworfen wurde, besteht nach Einschätzung der Projektentwickler die berechtigte Hoffnung, die Abwärme eines mit Erdgas betriebenen Ofens zur Bearbeitung von Stahl-Zwischenprodukten verwerten zu können.

Bauingenieure dürften während des zukunftsweisenden Projektes vor allem bei der Planung und Errichtung des Großwärmespeichers sowie der Fernwärmetrasse zur Anbindung des Stahlwerks an das Fernwärmenetz zum Einsatz kommen. Letztere soll noch in der Heizperiode 2018/19 vonstatten gehen, um mithilfe der danach erst möglichen Messungen den Großwärmespeicher dimensionieren zu können. Der Bau des Speichers ist dann ab 2020 vorgesehen.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) fördert das wissenschaftlich begleitete Projekt. Eine ausführliche Beschreibung bietet der BINE Informationsdienst des FIZ Karlsruhe auf seiner Internetseite.

2018-07-20 Fernwärmenetz Pilotprojekt Energiewende Hennigsdorf Brandenburg klimaneutral Fernwärmeversorgung Solarkollektoren Biomasseheizkraftwerk Stahlwerk Mittelstadt Abwärme Großwärmespeicher Wärmedrehscheibe Lastmanagement BINE BMWi Energie Fernwärme https://www.bauingenieur24.de/fachbeitraege/energie/fernwaermenetz-der-zukunft-entsteht-in-brandenburg/3040.htm 494 de-DE
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