Fachbeiträge & Interviews
Donnerstag, 29. Juli 2021
Ausgabe 7283 | Nr. 210 | 20. Jahrgang
Autor: Christian Wieg
Herausgeber: bauingenieur24® Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Geothermie in Bayern wächst

# 20.08.2007

Im Herbst werden sich gleich an mehreren Standorten in Bayern die Meißel der großen Bohranlagen in die Tiefe arbeiten.

In München sind die Voraussetzungen für hydrothermale Geothermie sehr gut: Tief unter der Erdoberfläche befindet sich ein riesiger Vorrat an heißem Wasser, der relativ einfach "angezapft" werden kann, Abb.: Stadtwerke München In München sind die Voraussetzungen für hydrothermale Geothermie sehr gut: Tief unter der Erdoberfläche befindet sich ein riesiger Vorrat an heißem Wasser, der relativ einfach "angezapft" werden kann, Abb.: Stadtwerke München

Die Stadtwerke München bauen ein geothermisches Heizkraftwerk im 20 Kilometer entfernten Sauerlach, die isländische Enex fängt mit ihrem ersten Vorhaben in Wolfratshausen-Geretsried an. Auch im Ayinger Stadtteil Dürrnhaar wird in kürze eine dieser Bohrmaschinen aufgebaut. Die Stadtwerke München, die im Stadtteil Riem bereits eine Geothermieanlage betreiben, wollen nun das gesamte Stadtgebiet auf Eignung für die Strom- und Wärmelieferung aus den tief im Boden steckenden Thermalwasservorräten untersuchen lassen.

Für die Geothermieanlage in München-Riem wurden zwei Bohrungen über 2.746 m und 3.020 m tief in den Malm-Karst abgeteuft. Das in dieser Schicht lagernde Tiefengrundwasser mit einer Temperatur von 93 °C, wird mittels einer Pumpe durch die eine Bohrung nach oben gefördert, gibt seine Wärme über Wärmetauscher an das Nahwärmenetz ab und wird durch die zweite Bohrung wieder zurückgeführt. Nach Angaben der Stadtwerke München ist die Anlage in Riem die leistungsstärkste Geothermieanlage in Deutschland und sorgt für die Grundlast der Wärmeversorgung für die Messestadt Riem. So werden über 50 % des Wärmebedarfs gedeckt.

Sorgen bereiten der Branche die steigenden Kosten für Tiefbohrungen. Bis zu 60 % der Investitionskosten einer geothermischen Anlage stecken in diesem Bereich. Wenn die Aufwendungen für die Bohrungen weiter stark steigen, kommen viele Vorhaben schnell an ihre wirtschaftlichen Grenzen. Zudem seien Bohrgeräte derzeit knapp und teuer und der Ausbau der tiefen Geothermie konkurriert vor allem mit dem Erdölsektor, der weitaus höhere Preise für Bohrgeräte zahlen kann.

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