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Mittwoch, 22. September 2021
Ausgabe 7338 | Nr. 265 | 21. Jahrgang
D.I.E. Baustatik Software - Einfach | Anders | Besser
Autor: Christian Wieg
Herausgeber: bauingenieur24® Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Wahlfreiheit beim Energieausweis verwässert dessen Wirkung

# 18.06.2007

Im Mittelpunkt der Kritik steht die generelle Wahlfreiheit zwischen Bedarfs- und Verbrauchsausweis bis zum 1. Oktober 2008, unabhängig von der Größe der Immobilie.

Bis zum 1. Oktober 2008 können Eigentümer zwischen Bedarfs- und Verbrauchsausweis wählen, unabhängig von der Größe der Immobilie, Foto: Redaktion Bis zum 1. Oktober 2008 können Eigentümer zwischen Bedarfs- und Verbrauchsausweis wählen, unabhängig von der Größe der Immobilie, Foto: Redaktion

Der Bundesrat hat Anfang Juni dem Vorschlag der Bundesregierung zur Einführung von Energieausweisen auch für Bestandsgebäude zugestimmt. Bei Neuvermietung und Verkauf greift damit die Verpflichtung für Vermieter bzw. Verkäufer, Energieausweise für die einzelnen Gebäudetypen ab dem nächsten Jahr vorzulegen. Wer zukünftig also Immobilien mietet oder kauft, kann die Energiebilanz und damit die absehbaren Verbrauchskosten in seine Entscheidung mit einbeziehen.

Die Neuregelung der Energieeinsparverordnung (EnEV) sieht einen bedarfs- und einen verbrauchsorientierten Energieausweis vor. Der so genannte Bedarfsausweis stützt sich auf die tatsächlich vorhandenen energetischen Eigenschaften eines Hauses und wird nur für Wohngebäude mit bis zu vier Wohneinheiten Pflicht, die vor 1978 errichtet wurden und nicht das Anforderungsniveau der Wärmeschutzverordnung von 1977 erfüllen.

Bei allen übrigen Wohngebäuden besteht Wahlfreiheit zwischen Bedarfs- und Verbrauchsausweisen. Für die Übergangszeit gilt die Wahlfreiheit für alle Wohngebäude. Der Bundesrat stimmte auch der vorgeschlagenen Bußgeldbewehrung für die Fälle zu, in denen ein Energieausweis von einer unberechtigten Person ausgestellt wird. Die Änderungswünsche des Bundesrates bedürfen noch der Zustimmung der Bundesregierung. Nach der Kabinettentscheidung wird die neue Energieeinsparverordnung im Bundesgesetzblatt verkündet.

Zu den Kosten des Ausweises werden sehr unterschiedliche Angaben gemacht. Es bleibt abzuwarten, inwieweit z. B. beim Bedarfsausweis alle Wand- und Dachaufbauten genügend genau für wenige hundert Euro untersucht und berechnet werden können. Oder ob nicht der erzeugte Preisdruck durch die widersprüchlichen Veröffentlichungen zu Lasten der Qualität des Ausweises geht, der dann an Aussagefähigkeit verlieren könnte.

Der Mieterbund kritisierte eine "Verwässerung" des Energieausweises bis zur "Unbrauchbarkeit" und forderte einen neuen Verordnungsentwurf der Bundesregierung. Im Mittelpunkt der Kritik steht die generelle Wahlfreiheit zwischen Bedarfs- und Verbrauchsausweis bis zum 1. Oktober 2008, unabhängig von der Größe der Immobilie. Eine generelle Wahlfreiheit zwischen den Ausweisarten bis Oktober 2008 provoziere die Erstellung hunderttausender von verbrauchsorientierten Energieausweisen mit zehnjähriger Gültigkeit. Die eigentlichen Ziele eines Energieausweises würden hierdurch konterkariert, kritisierte der Mieterbund. Nur der bedarfsorientierte Energieausweis könne ein brauchbares Transparenzinstrument sein.

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