Fachbeiträge & Interviews
Mittwoch, 22. September 2021
Ausgabe 7338 | Nr. 265 | 21. Jahrgang
D.I.E. Baustatik Software - Einfach | Anders | Besser
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

20 Jahre Wandel und Wachstum: Die Deutsche Bauwirtschaft seit 2001

# 09.07.2021

Jüngster Aufschwung von Baustoffinnovationen und Digitalisierung begleitet. Gewinne und Eigenkapital deutlich gestiegen. Öffentliche Investitionen heute weit hinter privatfinanziertem Wohnungsbau

Veränderte Baubranche bleibt wichtiger Wirtschaftsfaktor

Abb. 1: Im Bauhauptgewerbe hat sich die Eigenkapitalquote seit 2001 von 3,3 auf 18,6 Prozent mehr als verfünffacht. Grafik: Hauptverband der Deutschen Bauindustrie Abb. 1: Im Bauhauptgewerbe hat sich die Eigenkapitalquote seit 2001 von 3,3 auf 18,6 Prozent mehr als verfünffacht. Grafik: Hauptverband der Deutschen Bauindustrie

Vor 20 Jahren war die Bauwelt in Deutschland noch eine ganz andere. Teils grundlegende Veränderungen seit der Jahrtausendwende betrafen unter anderem die Baustofftechnologie, den Digitalisierungsgrad oder ganz allgemein die Arbeitskultur (vgl. Quellen und Verweise).

Bei allem Wandel ist die Baubranche auch in den letzten beiden Jahrzehnten eines geblieben – ein wichtiger Faktor der nationalen Wirtschaft und damit auch für viele Menschen das prägende Element der Lebenswirklichkeit im Allgemeinen und des Arbeitsalltags im Besonderen.

Nach wie vor lässt sich anhand der Entwicklung der Baukonjunktur einiges über die gesamtgesellschaftliche Entwicklung ablesen. Einen umfassenden Überblick liefert hier der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie in seiner Neuausgabe der "Bauwirtschaft im Zahlenbild". Mit der Broschüre will der Herausgeber langfristige Trends der Bauwirtschaft darstellen.

Berufschancen für Bauingenieure seit 2009 stark verbessert

Betrachtet man speziell die Beschäftigung für Bauingenieure, hat sich diese vor allem seit 2009 stark verbessert. Die Zahl der offenen Stellen für die Berufsgruppe hat sich laut Hauptverband seither mehr als verdreifacht. Da der Fachkräftebedarf nicht allein über die Ausbildung gedeckt werden konnte, hätten viele Erwerbslose wieder eine Beschäftigung gefunden.

Konkret sei die Zahl der Bauingenieure ohne Job von 2009 bis 2019 um 50 Prozent auf etwa 1.500 zurückgegangen. Die Zahl aller Beschäftigten im Bauhauptgewerbe lag zuletzt bei 893.000. Dies sind 188.000 Personen mehr als im Jahr 2009.

Bauunternehmen steigern Gewinn auf 7,7 Prozent

So wie die einzelnen Fachkräfte im Bauwesen in der jüngsten Vergangenheit ihre berufliche Situation verbessern konnten, durften sich auch die Unternehmen des Bauhauptgewerbes in den Jahren 2001 bis 2019 zum Teil über sehr deutliche Umsatzsteigerungen freuen. Laut Zahlenbild des Hauptverbandes wuchs die Umsatzrendite vor Steuern insgesamt von 2,5 auf 7,7 Prozent.

Je größer das Bauunternehmen, desto geringer sei aber die Vorsteuerrendite, da bei den kleineren Firmen der Gewinn noch um den Unternehmerlohn bereinigt werden müsse, relativieren die Autoren der Marktbroschüre. So habe 2019 die Rendite bei Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 50 Millionen Euro nur bei 3,9 Prozent gelegen. Bei Unternehmen mit weniger als 0,5 Millionen Jahresumsatz war sie dagegen zweistellig.

Deutlich höhere Eigenkapitalquote und weniger Insolvenzen

Noch stärker als der Gewinn stieg die Eigenkapitalquote im Bauhauptgewerbe. Sie hat sich im Betrachtungszeitraum von 3,3 auf 18,6 Prozent mehr als verfünffacht. Anders als bei der Rendite gibt es bei der Eigenkapitalquote dabei seit 2015 nicht mehr so große Unterschiede zwischen den Unternehmensgrößenklassen, so die Verbandsexperten.

Erfreulich ist nicht zuletzt der deutliche Rückgang der Insolvenzen. Seit dem Höhepunkt im Jahr 2001 (4.909) sank die Zahl bis 2020 um mehr als drei Viertel auf nur noch 1.040.

Baupreise im Ausbaugewerbe extrem gestiegen

Die Baupreise sind in den letzen 20 Jahren teils stark gestiegen. Grafik: Hauptverband der Deutschen Bauindustrie Die Baupreise sind in den letzen 20 Jahren teils stark gestiegen. Grafik: Hauptverband der Deutschen Bauindustrie

Um im Bauwesen erfolgreich zu sein, war und ist die Beobachtung der Preisentwicklung für Büros und Betriebe unerlässlich.

Der Blick in das Zahlenbild der Bauwirtschaft verrät, dass die Preise für Leistungen des Bauhauptgewerbes, das sich auf den Rohbau und den Tiefbau konzentriert, während der Baurezession von 1995 bis 2005 konstant zurückgingen.

Erst ab 2006 gelang es demnach wieder, Preiserhöhungen am Markt durchzusetzen. Konkret stiegen seit 1995 die Preise im Bauhauptgewerbe bis 2020 um 43 Prozent. Zum Vergleich: Die Verbraucherpreise legten seit 1995 um 41 Prozent zu.

Dagegen konnte das Ausbaugewerbe, welches vor allem Sanierungs-, Installations- und Fertigstellungsleistungen erbringt, eine Preissteigerung von 61 Prozent am Markt durchsetzen. Laut Hauptverband lag dies an den langfristig steigenden Sanierungsmaßnahmen im Gebäudebestand.

Als weitere Einflussfaktoren für die Baupreisveränderungen sind die Kosten für Baumaterial und Energie sowie für Personal und Maschinen zu nennen. Innerhalb des Betrachtungszeitraums sind unter anderem die Tariflöhne deutlich gestiegen.

Bausparten: Investitionen in Wohnungsbau fünfmal größer als Öffentlicher Bau

Innerhalb der Baubranche haben sich die einzelnen Bausparten in den letzten 20 Jahren unterschiedlich entwickelt. Demnach ist der Wohnungsbau in Deutschland mittlerweile die bedeutendste Bausparte (siehe Quellen und Verweise). 2020 entfielen mit 389 Milliarden Euro auf ihn 62 Prozent aller Bauinvestitionen.

Die Bedeutung des öffentlichen Baus ist langfristig deutlich zurückgegangen, er machte nur noch zwölf Prozent der Bautätigkeit aus. Der Anteil des Wirtschaftsbaus ist über die Jahre relativ konstant geblieben und lag bei 26 Prozent.

Mit insgesamt 28 Grafiken und kurzen Erläuterungen liefert die neue Broschüre des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie neben den genannten Informationen noch weitere Vergleichszahlen, unter anderem zu den Themen ÖPP und Auslandsbau.

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