Fachbeiträge & Interviews
Montag, 27. September 2021
Ausgabe 7343 | Nr. 270 | 21. Jahrgang
D.I.E. Baustatik Software - Einfach | Anders | Besser
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Baumaterialien werden immer teurer

# 04.05.2021

Weltweiter Produktionsboom treibt Erzeugerpreise hoch. Hersteller können gleichzeitige Nachfrage aus mehreren Branchen nicht mehr bedienen. Bauindustrie warnt vor gestiegenem Insolvenzrisiko

Bauholz und Betonstahl werden knapp

Die Preise für Baumaterial wie Betonstahl, Holz oder Bitumen sind zuletzt stark gestiegen. Foto: Bernd Sterzl / Pixelio Die Preise für Baumaterial wie Betonstahl, Holz oder Bitumen sind zuletzt stark gestiegen. Foto: Bernd Sterzl / Pixelio

Die aktuell gute Baukonjunktur stößt derzeit auf eine Verknappung des Baumaterials. Während ein zunehmender Mangel an Bauholz vor allem in den kleineren bzw. mittelständischen Betrieben des Baugewerbes zu spüren sein dürfte, bereiten der größeren Bauindustrie vor allem erste Engpässe bei Stahlprodukten und Bitumen Sorgen.

Aufgrund der hohen nationalen und internationalen Nachfrage sind seit Jahresbeginn teils deutliche Preissteigerungen zu beobachten.

Waren beispielsweise die Erzeugerpreise für Betonstahl in Stäben und Bitumen im Jahresdurchschnitt 2020 um 7,5 Prozent bzw. um 19,2 Prozent zurückgegangen, lagen sie im März dieses Jahres schon wieder um 18,5 Prozent bzw. 20,6 Prozent über dem Niveau des vergangenen Dezembers.

Bauwirtschaft konkurriert mit anderen Branchen um Rohstoffe

Der Preisrückgang im Jahresverlauf 2020 wurde laut Hauptverband der Deutschen Bauindustrie damit wieder mehr als kompensiert. Der Preis für Betonstahl in Stäben lag im März 2021 um 25,8 Prozent über dem Niveau von März 2020, der Preis für Bitumen um 12,2 Prozent.

Anders als im letzten Jahr konkurriert die Bauwirtschaft inzwischen wieder verstärkt mit dem Automobilsektor sowie dem Maschinenbau um benötigte Rohstoffe. In der Folge kommen die Lieferkapazitäten der Hersteller an ihre Grenzen und der Preis steigt, wie beispielsweise der für Draht aus Kupfer. Er legte binnen Jahresfrist um 18,6 Prozent zu.

Preissteigerungen nur bedingt auf Kunden übertragbar

Die Bauindustrie sieht das Problem dadurch verschärft, dass die Hersteller in Zeiten jahrelang stagnierender Preise Kapazitäten abgebaut und Investitionen zurückgefahren hätten. Hinzu komme ein wachsendes Investoreninteresse an Rohstoffen, vorrangig Öl und Industriemetalle, als Absicherung gegen Inflation.

Die zuletzt relativ schnell gestiegenen Baupreise können von den Bauunternehmen bei langfristigen Projekten nur an die Kunden weitergegeben werden, wenn gesondert eine Preisgleitung vereinbart wurde. Dieses Risiko könnte nach Verbandseinschätzung nur über generelle Preisgleitklauseln oder über entsprechende Kostenpuffer im Angebot abgesichert werden.

Bauverband sieht erhöhtes Risiko von Firmeninsolvenzen

Letzteres Vorgehen ist für die Bauindustrie keine wirkliche Option. Verwiesen wird auf eine "ausgesprochen volatile Preisentwicklung" in den vergangenen Jahren, einen steigenden Konkurrenzdruck sowie eine "Neigung öffentlicher Auftraggeber, das billigste Angebot anzunehmen." Ein Abschmelzen der Eigenkapitalausstattung sowie Insolvenzen im Baugewerbe seien deshalb nicht auszuschließen, heißt es vom Hauptverband.

Zusätzlich zur Steigerung der Baukosten rechnen die Experten mit einer Zunahme der Lohnkosten aufgrund anstehender Tariflohnverhandlungen. Dies werde zu einer Erhöhung der Preise für Bauleistungen um zwei Prozent im Gesamtjahr führen, ohne das die Unternehmen am Ende dabei mehr Gewinn erzielt hätten.

Ihre Bewertung für diesen Fachbeitrag
0 von 5 Sternen | 0 Abstimmungen
Kurz-Link  Kurz-Link zu diesem Beitrag:
https://www.bauingenieur24.de/url/700/3331