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Donnerstag, 20. Juni 2019
Ausgabe 6513 | Nr. 171 | 18. Jahrgang
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Deutsche Bauwirtschaft erreicht beim Umsatz Höchststände

# 17.10.2018

Wachstumsrate von über acht Prozent im ersten Halbjahr 2018. Wohnungsbau nicht mehr treibende Kraft. Investitionen in Verkehrsinfrastruktur erreichen Bauunternehmen

35 Milliarden Euro Umsatz im ersten Halbjahr 2018

Mit einem Umsatzzuwachs von 8,1 Prozent im ersten Halbjahr 2018 hat die deutsche Bauwirtschaft ihr Niveau von 1995 wieder erreicht. Grafik: HDB Mit einem Umsatzzuwachs von 8,1 Prozent im ersten Halbjahr 2018 hat die deutsche Bauwirtschaft ihr Niveau von 1995 wieder erreicht. Grafik: HDB

Deutschland baut und baut. Die Konjunkturindikatoren erreichten im ersten Halbjahr 2018 neue Höchststände.

Laut Hauptverband der Deutschen Bauindustrie verzeichneten die Bauunternehmen (20 oder mehr Mitarbeiter) für die ersten sechs Monate ein Umsatzplus von nominal 8,1 Prozent. Der Halbjahreswert ist mit 35 Milliarden Euro der höchste seit dem Jahr 1995.

Der mit 10,5 Prozent höchste Umsatzzuwachs konnte für den Juni gemeldet werden. Im Vergleich zum Vorjahresmonat stieg auch die Nachfrage um 7,4 Prozent.

Im Mai lag der Auftrageingang am höchsten, nahm dann aber wieder um 4,3 Prozent ab. Insgesamt gingen im ersten Halbjahr nominal 7,5 Prozent mehr Aufträge ein.

Wirtschaftsbau löst Wohnungsbau als Konjunkturmotor ab

Dieser Umstand sorgt dafür, dass es auch im zweiten Halbjahr für die Bauwirtschaft positiv aussieht. Die Reichweite der Auftragsbestände lag im Juli bei 4,1 Monaten und damit ebenfalls auf einem historisch hohen Wert.

Im Ranking der unterschiedlichen Bausparten hat der Wirtschaftsbau den Wohnungsbau mittlerweile als Konjunkturlokomotive abgelöst. Der Umsatz legte im ersten Halbjahr um 9,5 Prozent und der Auftragseingang um 11,1 Prozent zu (Juni: + 11,7 %, + 9,7 %). Mit 12,8 Prozent besonders stark gestiegen ist der Umsatz im Wirtschaftstiefbau (Juni: + 16,1 %), die Nachfrage zog hier im ersten Halbjahr sogar um 20,7 Prozent an (Juni: + 17,1 %).

Bundesmittel für Bahn und ÖPNV erreichen Bauunternehmen

Daraus lässt sich schließen, dass die zusätzlichen Mittel für die Deutsche Bahn AG bei den Unternehmen anzukommen scheinen. Laut Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums sind im ersten Halbjahr bereits 38 Prozent der Bundesmittel für Eisenbahnen und den öffentlichen Personennahverkehr für 2018 abgeflossen. Im vergangenen Jahr lag die Quote zu diesem Zeitpunkt lediglich bei 34 Prozent.

Der Wirtschaftshochbau entwickelte sich nach Einschätzung des Hauptverbands zwar unterdurchschnittlich, dank steigender Investitionen des Verarbeitenden Gewerbes aber immer noch solide. Der Umsatz stieg im ersten Halbjahr um 7,6 Prozent, der Auftragseingang um 5,2 Prozent (Juni: + 9,0 % bzw. + 5,3 %).

Wohnungsbau verliert an Dynamik

Für den Wohnungsbau meldeten die Baubetriebe für das erste Halbjahr ein Umsatzplus von 9,7 Prozent (Juni: + 7,5 %). Die Bausparte profitierte somit von den nach wie vor hohen Auftragsbeständen.

Die Nachfrage entwickelte sich mit einem nominalen Plus von 4,1 Prozent aus Sicht der Bauindustrie eher verhalten (Juni: + 0,6 %), was auf den Rückgang der Wohnungsbaugenehmigungen von 7,3 Prozent im Vorjahr zurückgeführt wird.

Fertigstellungen von Einfamilienhäusern verzögern sich

Auf die Bautätigkeit im zweiten Halbjahr, so der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie, wird dies aber keine negativen Auswirkungen haben, schließlich gelte es noch, einen Bauüberhang von über einer halben Million Wohnungen abzuarbeiten. Es müsse allerdings damit gerechnet werden, dass sich aufgrund des Fachkräfteengpasses im Bauhandwerk die Fertigstellungszeiten verlängern werden.

Aktuell liegt die Reichweite der Bestände im Wohnungsbau laut Statistik bereits bei 4,2 Monaten und damit deutlich über dem Vorjahreswert von 3,3 Monaten. Engpässe scheinen sich vorwiegend im Ein- und Zweifamilienhausbau auszuwirken, da die Baubetriebe für den Mehrfamilienhausbau eine unterdurchschnittliche Reichweite von 3,9 Monaten meldeten.

Über zehn Prozent mehr Aufträge im Straßenbau

Der Öffentliche Bau schloss das erste Halbjahr ebenfalls positiv ab. Der Umsatz stieg um 5,1 Prozent, der Auftragseingang um 5,6 Prozent (Juni: + 11,2 % bzw. + 9,2 %). Am besten entwickelte sich dank des Investitionshochlaufs bei den Verkehrswegeinvestitionen des Bundes der Straßenbau. Die jeweiligen Unternehmen meldeten einen Anstieg des Umsatzes und des Auftragseingangs von 7,6 Prozent bzw. 10,4 Prozent (Juni: + 14,7 %, + 12,0 %).

Diese Angaben decken sich mit denen des Bundesfinanzministeriums, wonach die Ausgaben des Bundes für den Straßenbau in diesem Zeitraum um 10,6 Prozent über dem Niveau des vergleichbaren Vorjahreszeitraums lagen.

Umsatz im öffentlichen Hochbau wächst allmählich

Demgegenüber scheinen die Mittel aus dem Kommunalinvestitionsförderungsfonds nur sehr langsam bei den Unternehmen anzukommen. Der Umsatz im Öffentlichen Hochbau stieg im ersten Halbjahr lediglich um 3,5 Prozent, der Auftragseingang um 3,3 Prozent (Juni: + 14,4 %, + 0,6 %).

Der Hauptverband befürchtet, dass die Kommunalverwaltungen nicht über genügend Personalressourcen verfügen, um die Projekte voranzutreiben.

Deutsche Bauwirtschaft Umsatzniveau Auftragseingang Jahrhunderts Auftragsbestände Verkehrsinfrastruktur Bauunternehmen Wirtschaftsbau Wohnungsbau Konjunkturaussicht Statistik Bauindustrie Hauptverband öffentlicher Bauinvestitionen Konjunktur Bauindustrie https://www.bauingenieur24.de/fachbeitraege/konjunktur/deutsche-bauwirtschaft-erreicht-beim-umsatz-hoechststaende/3080.htm 639 de-DE
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