Fachbeiträge & Interviews
Dienstag, 07. April 2020
Ausgabe 6805 | Nr. 98 | 19. Jahrgang
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

ÖPP: Hochtief saniert und betreibt Polizeigebäude in Hessen

# 08.01.2020

Land will mit Modernisierung klimaneutral werden. Großauftrag umfasst über 50 Objekte auf zwei Liegenschaften. Baukonzern erwirbt staatliche Immobilien für 30 Jahre

Bauunternehmen durch ÖPP mit staatlichen Aufgaben betraut

Das Gelände der Bereitschaftspolizei im hessischen Mühlheim soll saniert und dafür verkauft werden. Foto: Polizei Hessen Das Gelände der Bereitschaftspolizei im hessischen Mühlheim soll saniert und dafür verkauft werden. Foto: Polizei Hessen

Große Bauunternehmen erfüllen für den Staat im Rahmen von öffentlich-privaten-Partnerschaften (ÖPP) eine ganze Reihe von Aufgaben, die sowohl indirekt als auch unmittelbar mit der Daseinsvorsorge, darunter speziell der technischen (z.B. Verkehr) und sozialen (z.B. Polizei) Infrastruktur, zusammenhängen. Die Planungs- und Regulierungshoheit bleibt dabei allerdings immer beim Staat.

In der breiten Öffentlichkeit wird vor allem der Bau und Betrieb von Autobahnen in ÖPP-Form wahrgenommen. Darüber hinaus werden aber auch staatliche Einrichtungen wie Gefängnisse oder Polizeigebäude von privaten Baufirmen errichtet und danach oft langfristig betrieben.

Welche Risiken der Staat mitunter durch öffentlich-private-Partnerschaften eingeht, zeigen aktuell die Entschädigungsforderungen privater Firmen im Zusammenhang mit der geplatzten Einführung einer Pkw-Maut in Deutschland.

Polizeiakademie und andere Gebäude werden umfassend modernisiert

Einen ÖPP-Großauftrag hat zuletzt das Unternehmen Hochtief übernommen. Für das Land Hessen sollen dabei zwei Liegenschaften der Polizei mit über 50 Gebäuden innerhalb von fünf Jahren saniert und modernisiert werden.

Neben den Bereitschaftspolizeiabteilungen in Mühlheim am Main und Kassel gehören die Polizeiakademie Hessen und die Hessische Schule für Polizei und Verwaltung zum Auftrag. Die Liegenschaft in Mühlheim am Main der III. Bereitschaftspolizeiabteilung besteht aus insgesamt 29 Gebäuden.

Immobilien teilweise über 120 Jahre alt

Die Häuser entstanden zwischen 1897 und 2006, überwiegend in Massivbauweise. Nur 14 dieser Gebäude sind bisher beheizt. Die Bereitschaftspolizei nutzt die Immobilien als Büro- und Verwaltungsgebäude, Schulungs- und Unterrichtsräume, Werkstätten und Sporteinrichtungen, Raumschießanlage, Munitionsbunker sowie Garagen. Weitere Gebäude beherbergen die Kantine und eine Heizzentrale.

Am Standort Kassel umfasst die Liegenschaft der IV. Bereitschaftspolizeiabteilung insgesamt 21 Gebäude der Bereitschaftspolizei, der Hochschule für Polizei und Verwaltung sowie der Polizeiakademie Hessen. Derzeit werden 16 dieser Gebäude mit Fernwärme beheizt. Die Polizei nutzt sie als Verwaltungs-, Schulungs- und Unterkunftsgebäude, Sport- und Schwimmhalle, Garagen, Kantine und Raumschießanlage.

Hochtief vermietet Gebäude 30 Jahre lang an Polizei

Der Schwerpunkt der Modernisierung liegt auf energetischen Sanierungen und energieeffizienten Neubauten sowie Umbaumaßnahmen zur Steigerung des Nutzwertes der Gebäude. Alle Arbeiten sollen bei laufendem Dienst- und Lehrbetrieb stattfinden.

Ziel ist es, die Bestandsimmobilien weitestgehend zu erhalten. Neubauten sind nur in geringem Umfang geplant, einige Altgebäude werden abgerissen. Hochtief erwirbt die Grundstücke beider Liegenschaften und stellt sie der Polizei für die Dauer der Betriebszeit als Vermieter zur Verfügung. Insgesamt werde Hochtief die Gebäude nach eigenen Angaben 30 Jahre lang betreiben.

Land Hessen will bis 2030 klimaneutral werden

Mit dem aufwendigen Umbauprojekt will das Land Hessen die Vorgaben seines CO2-Minderungs- und Energieeffizienzprogrammes (COME) verwirklichen. Hintergrund ist das Ziel einer CO2-neutralen Landesverwaltung, welches bis zum Jahr 2030 erreicht werden soll.

"Durch die Sanierung erhält die Polizei zeitgemäße Arbeits- und Unterbringungsbedingungen. Wir leisten hiermit zudem einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz, da durch die Modernisierung rund 13.000 Tonnen CO2 in den kommenden 30 Jahren eingespart werden", begründet der hessische Finanzminister Thomas Schäfer das Vorhaben. Die Betriebskosten würden durch die energetische Sanierung ebenfalls dauerhaft und "spürbar" gesenkt.

"Wir freuen uns, dass wir nach dem erfolgreichen Bau des neuen Polizeipräsidiums Aachen ein weiteres Prestigeprojekt für die Polizei umsetzen dürfen", sagt Sandra Arendt, Vorsitzende der Geschäftsleitung Social Infrastructure Europe der federführenden Hochtief PPP Solutions GmbH.

Der globale Infrastrukturkonzern Hochtief

ist mit ca. 56.000 Mitarbeitern und Umsatzerlösen von rund 24 Mrd. Euro im Jahr 2018 weltweit auf entwickelte Märkte fokussiert. In Australien ist der Konzern mit CIMIC Marktführer.

In den USA ist Hochtief über Turner die Nummer 1 im gewerblichen Hochbau und zählt mit Flatiron zu den wichtigsten Anbietern im Tiefbau, hauptsächlich für Verkehrsinfrastruktur.

Der Konzern ist mit einem Anteil von 20 Prozent an Abertis, dem führenden internationalen Mautstraßenbetreiber, beteiligt.

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