Fachbeiträge & Interviews
Sonntag, 05. April 2020
Ausgabe 6803 | Nr. 96 | 19. Jahrgang
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Urbanisierung: Wachstum der Stadtregionen lässt Wohnkosten steigen

# 11.02.2020

25 Prozent Mietsteigerung binnen fünf Jahren in Metropolregionen. Großstädte im Osten verdichten sich. Umland im Rhein-Main-Gebiet und im Süden wächst stärker als Kernstädte

Deutsche Stadtregionen: 2,5 Millionen Einwohner mehr als 2011

Die Attraktivität deutscher Großstädte wie Frankfurt am Main lässt die Bevölkerungszahlen und Lebenshaltungskosten in ihrem Umland anwachsen. Foto: Dr. Klaus-Uwe Gerhardt / Pixelio Die Attraktivität deutscher Großstädte wie Frankfurt am Main lässt die Bevölkerungszahlen und Lebenshaltungskosten in ihrem Umland anwachsen. Foto: Dr. Klaus-Uwe Gerhardt / Pixelio

In 32 deutschen Stadtregionen, also Großstädten und ihrem Pendlereinzugsraum, gab es seit 2011 einen Zuwachs von fast 2,5 Millionen Einwohnern. Dies ergab eine Untersuchung des Instituts für Landes- und Stadtentwicklungsforschung (ILS) zur demografischen Entwicklung, zur Entwicklung der Wohnungsmärkte und zur Bautätigkeit der jeweiligen Gebiete.

Infolge des starken Zuzugs nahmen demnach in den prosperierenden Regionen wie Augsburg, Berlin, Freiburg, München oder Stuttgart die mittleren Angebotsmieten im Umland zwischen 2012 und 2017 um 25 Prozent zu. Nur in den ostdeutschen Stadtregionen (außer Berlin) und in Wuppertal lagen die Zuwächse der mittleren Umlandmieten in diesem Zeitraum im einstelligen Bereich.

Studie: Umland wächst zusammen mit Städten

"Das Umland als Refugium vermeintlich geringer Mieten gibt es so in vielen Stadtregionen nicht mehr. Der Marktdruck hat längst auch die Peripherie der Großstädte erreicht", fasst Stefan Siedentop, Wissenschaftlicher Direktor des ILS, die Ergebnisse der Erhebung zusammen, die eine der ersten bundesweiten Studien ist, welche die Fragen der Wohnungsmarktentwicklung aus einer regionalen Perspektive behandelt.

Interessant ist die Betrachtung, wo sich die neue Bevölkerung jeweils in der Großstadt selbst und wo sie sich im jeweiligen Umland angesiedelt hat. Während in Leipzig, Dresden und Erfurt vor allem die Kernstädte gewachsen sind, stellt beispielsweise in München, Frankfurt am Main und Nürnberg das Umland den größeren Wachstumsanteil.

Großstädte seit Jahrtausendwende als Wohnorte wiederentdeckt

In vielen Kernstädten sind laut ILS die Mieten stark gestiegen, weshalb sich vielerorts auch attraktive Umlandstandorte zu Hochpreislagen entwickelten. Grundsätzlich haben nach Ansicht der Studienautoren die Großstädte in den vergangenen zwei Jahrzehnten ein Comeback als Orte des Wohnens erlebt, was immer höhere Wohnkosten nach sich zog.

"Die Entscheidung, wo Menschen wohnen wollen, wird künftig weniger aufgrund von Präferenzen, sondern vor allem aufgrund einer nicht ausreichenden Zahlungsfähigkeit getroffen werden", prognostiziert ILS-Chef Siedentop. Wenn dann auch im Umland die Mieten nur noch von "Besserverdienenden" bezahlt werden könnten, seien weitere "Verdrängungsprozesse" zu erwarten.

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