Fachbeiträge & Interviews
Donnerstag, 08. Dezember 2022
Ausgabe 7780 | Nr. 342 | 22. Jahrgang
D.I.E. Baustatik Software - Einfach | Anders | Besser
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

IG BAU: Arbeitszeit muss oben auf die Agenda

# 29.09.2022

Berufe der Bauwirtschaft im allgemeinen Wettbewerb zu unattraktiv. Weiterer Zuwachs des Fachkräftemangels erwartet. Bundesvorstand wirbt auf Gewerkschaftstag für bessere Arbeitsbedingungen durch tarifliche Bezahlung aller geleisteten Arbeitsstunden.

Bessere Arbeitszeit soll Bauwirtschaft attraktiver machen

Ein Gerichtsurteil sowie der anhaltende Fachkräftemangel werfen die grundsätzliche Frage der Arbeitszeit im Bauwesen auf. Bild: Kurt Michel / Pixelio Ein Gerichtsurteil sowie der anhaltende Fachkräftemangel werfen die grundsätzliche Frage der Arbeitszeit im Bauwesen auf. Bild: Kurt Michel / Pixelio

Der 23. Ordentliche Gewerkschaftstag der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) ist Geschichte.

Neben der aktuellen Wirtschaftskrise, dem Wohnungsnotstand bzw. der Krise im Sozialwohnungsbau (), dem Fachkräftemangel sowie dem neuen Mindestlohn in Höhe von zwölf Euro erhielt ein Thema - auch aufgrund einer aktuellen Gerichtsentscheidung - besondere Aufmerksamkeit.

"Wir werden über die Arbeitszeit reden! Das kommt ab sofort ganz oben auf die Agenda", rief Carsten Burckhardt den Delegierten zu. Als Bundesvorstandsmitglied der IG BAU ist er für die Bauwirtschaft und Baustoffindustrie zuständig.

"Schon jetzt haben wir einen enormen Fachkräftebedarf, der sich in den nächsten Monaten und Jahren noch verschärfen wird, wenn die Generation der Babyboomer in Rente geht, und zudem weniger Entsendebeschäftigte aus Osteuropa nach Deutschland kommen. Deshalb müssen die Arbeitsbedingungen in der Bauwirtschaft tarifvertraglich noch attraktiver gestaltet werden, um auf dem hart umkämpften Arbeitsmarkt eine Chance zu haben, Fachkräfte zu gewinnen und zu halten."

Digitale Bau-Card zur Arbeitszeiterfassung denkbar

Burckhardt denkt dabei an flexiblere Arbeitszeitgestaltung und auch -verkürzungen, damit beispielsweise Väter und Mütter sich mehr um die Familien kümmern und auch planbarer ihre Freizeit gestalten können. In diesem Zusammenhang machte er auf das jüngst gefällte Bundesarbeitsgerichtsurteil zur Arbeitszeiterfassung aufmerksam [Aktenzeichen: 1 ABR 22/21].

"Die vielen zum Teil unbezahlten Überstunden, ob im Handwerk oder der Industrie, müssen ein Ende haben", so Burckhardt. Digital exakt aufgezeichnete Arbeitszeiten, beispielsweise durch eine Bau-Card oder einer Smartphone-App, erhöhten den Arbeitsschutz, stellten sicher, dass jede geleistete Arbeitsstunde auch ordentlich tariflich bezahlt werde und nehme den Druck von den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern.

Nach aktueller Dürreperiode: Saisonkurzarbeit für Sommermonate gefordert

Zudem müssten die Beschäftigten der Bauwirtschaft, die bei immer anspruchsvolleren klimatischen Bedingungen ihre Arbeit verrichten, besser geschützt und die Arbeitsbedingungen an den Klimawandel angepasst werden.

"Der heiße Dürre-Sommer hat uns gezeigt, wo die Reise in den nächsten Jahren hingeht", sagte Burckhardt. "Da müssen Politik und Tarifvertragspartner nachlegen. Wir brauchen einen Booster für ganzjährige Beschäftigung und Saison-Kurzarbeit für die Sommermonate."

Erleichternde Maßnahmen für körperlich und geistig anspruchsvolle Tätigkeiten als Ziel

Er verweist dabei auf eine bereits existierende Regelung in der Dachdeckerbranche, in der es für ausgefallene Stunden wegen zu großer Hitze einen Ausgleich gibt. Diese müsse aber ausgebaut und natürlich auf andere Outdoor-Branchen ausgeweitet werden.

All diese Vorhaben, so ist sich Burckhardt sicher, steigern die Attraktivität der körperlich und geistig anspruchsvollen Tätigkeiten der Bauwirtschaft und helfen, den Fachkräftemangel in der Bauwirtschaft und Baustoffindustrie nachhaltig anzugehen.

Austausch im Berufsportal: Sonderumfrage "Arbeitszeit" / Diskussion im Fachforum

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