Fachbeiträge & Interviews
Samstag, 21. September 2019
Ausgabe 6606 | Nr. 264 | 19. Jahrgang
Fachbeiträge für Bauingenieure »
Autor: Gerhard Butke
Herausgeber: bauingenieur24® Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Kompetenzzentrum für solares Bauen in Freiburg

# 29.06.2005

In Freiburg wurde im vergangenen Jahr ein neues Kompetenzzentrum für modernes Bauen eröffnet. Die Leitung liegt in den Händen von Dr. Christel Russ und Dipl.-Ing. Georg Haag. Das Solar Building Innovation Center, kurz SOBIC genannt, will Fachleute rund um das solare und energiesparende Bauen begleiten und mit Fachinformationen unterstützen.

Regelmäßige Schulungen für Fachpublikum

Einer der Schwerpunkte des SOBIC-Konzepts ist die Weiterbildung auf den Arbeitsgebieten Bauphysik, Planungstools für Energie- und Lichttechnik sowie solar unterstützer Energiekonzepte, Foto: SOBIC Einer der Schwerpunkte des SOBIC-Konzepts ist die Weiterbildung auf den Arbeitsgebieten Bauphysik, Planungstools für Energie- und Lichttechnik sowie solar unterstützer Energiekonzepte, Foto: SOBIC

Regelmäßige Schulungen für Fachleute rund um das Thema Bauen Das SOBIC informiert über Innovationen im Bereich des modernen Bauens und unterstützt Interessierte bei der Entwicklung neuer Komponenten und Systeme. Dies geschieht in enger Zusammenarbeit mit den Fraunhofer-Instituten für Bauphysik (IBP) und Solare Energiesysteme (ISE). Um die wissenschaftlichen Ergebnisse der beiden Institute zu verbreiten, werden Seminare, Workshops, Schulungen und Konferenzen angeboten. Schwerpunkthemen sind dabei Produkt- und Systementwicklungen, integrale Planungen für energieeffiziente Gebäude und aktuelle gesetzliche Richtlinien und Normen, sowie Softwareschulungen. Die Veranstaltungen erfolgen in enger Zusammenarbeit mit Industriepartnern zu gemeinsam entwickelten Produkten und Systemen. Zielgruppen sind Fachleute rund um das Thema Bauen, wie Hersteller, Bauunternehmer, Baustoffhändler, Technologieanbieter, Bauherren und Bauträger, Generalunternehmer, Planer, Architekten, Energieberater, Verwalter, Facility Manager und Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft.

Ausstellung zu fünf Themenbereichen
Besucher und Fachleute können sich beim SOBIC in einer Ausstellung über fünf Themenbereiche informieren:

  • Markt und Rahmenbedingungen
  • Planung und Objekte
  • Messen und Prüfen
  • Innovation und Technologie
  • Produkte und Wissenstransfer

Zu jedem Themenbereich gibt es ein oder mehrere Poster mit Informationen und Schaubildern. Teilweise sind den Themenbereichen auch Exponate und Computerterminals zugeordnet, die die Inhalte anschaulicher machen und Gelegenheit zur Vertiefung von Informationen bieten.

Doppelfassade mit integrierter Lamellenjalousie

Die Doppelfassade ist eine Möglichkeit, um vor starker Lärmbelästigung zu schützen, Foto: SOBIC Die Doppelfassade ist eine Möglichkeit, um vor starker Lärmbelästigung zu schützen, Foto: SOBIC

In den letzten Jahren ist die Nutzung von Doppelfassaden im innerstädtischen Baubereich zu einer baulichen Variante geworden. Zum einen schützt sie den Nutzer vor Lärmbelästigung, zum anderen ermöglicht sie eine natürliche Belüftung über die Fenster. Gleichzeitig dient der Raum zwischen Außenhülle und Gebäudefassade als energetischer Pufferraum zur Vorwärmung der Zuluft im Winter. Im Fraunhofer SOBIC wurde ein Demonstrationsbeispiel einer installierten Doppelfassade mit einer zwischen den äußeren Scheiben integrierten Lamellenjalousie eingebaut. Entlüftungsspalte sorgen im unteren und oberen Bereich der Fassade für eine konvektive Entlüftung. Beim Besuch des Demonstrationsraumes können sich Besucher von der energetischen Wirksamkeit der Doppelfassade selbst überzeugen.

Innen liegende Verschattungssysteme

Bei Büro- und Verwaltungsgebäuden, die als Hochhaus konzipiert und ausgeführt sind, können keine außen liegende Verschattungssysteme eingesetzt werden. Hier kommen in der Regel innen liegende Verschattungssysteme zum Einsatz. Im SOBIC Musterbüro 2 ist die Fassade eines Büro-Hochhauses nachgebaut. Die Lamellen der innen liegenden Jalousie sind teilweise perforiert, was in der Cut-Off-Stellung die Beleuchtung erhöht. Mit dem Schließen der Jalousie kann ein blendfreies Arbeiten im Büro erreicht werden. Die spezielle Fensteröffnung über ein Scherensystem ermöglicht auch in größeren Höhen ein Öffnen der Fenster und eine natürliche Belüftung im Raum.

Musterbüros mit passiver Kühlung

In den Musterbüros 2 und 3 wurden ca. 70 % der Deckenfläche mit dem System "Akustiktherm/Ultra" zur passiven Kühlung belegt, Foto: SOBIC In den Musterbüros 2 und 3 wurden ca. 70 % der Deckenfläche mit dem System "Akustiktherm/Ultra" zur passiven Kühlung belegt, Foto: SOBIC

In den SOBIC Musterbüros 2 und 3 wurden etwa siebzig Prozent der Deckenfläche mit dem System "Akustiktherm/Ultra" zur passiven Kühlung belegt. Es handelt sich bei diesem System, das aus Deckenelementen mit Skelettrahmen aus Aluminium und integrierten Rohrsystemen besteht, um eine Alternative zu Beton integrierten Rohrsystemen. Die Elemente werden unter der Decke verschraubt und beispielsweise mit schalldämmenden Materialien überdeckt. Beim Durchströmen der Rohrleitungen wird nachts die Kälte an die Decke abgegeben und dort gespeichert. Tagsüber kann dann die im Büro freigesetzte Wärme von der Decke aufgenommen werden. Der Vorteil des Systems: es kann im Winter aktiv zur Raumheizung genutzt werden.

Innovative Pilotanlage

Bei der eingebauten solaren Klimaanlage mit einem 16,8 Quadratmeter großen Kollektorfeld handelt es sich um ein Pilotprojekt der Firma Menerga Apparatebau aus Mülheim und dem Fraunhofer ISE. Die Anlage, die mit einer Kombination aus Verdunstungskühlung und sorptiver Entfeuchtung arbeitet, wurde im Dezember 2003 in Betrieb genommen und hat bereits im ersten Sommer gute Ergebnisse erreicht. So wurde die Anlage bereits im ersten Sommer ausschließlich mit thermischer Solarenergie als Antriebswärme betrieben (solar autarker Betrieb). Die Technik bietet ein großes Potential für die Anwendung von thermischer Solarenergie als Hauptantriebsenergie für Klimatisierungsanlagen, da die Antriebstemperatur bei nur 50 bis 70°C liegt. Die thermische Solarenergie kann verlustfrei in Form von konzentrierter Salzlösung gespeichert werden, wodurch man die Wirtschaftlichkeit der solaren Klimatisierung verbessern kann.

Integriertes Messsystem
Die im SOBIC eingebauten technischen Anlagen und Bauteile werden teilweise wissenschaftlich untersucht. Zu diesem Zweck und aus Demonstrationsgründen wurde ein Messtechnik-System integriert. Die jeweils an den Instituten entwickelten Programme "Remus" (ISE) und "Imedas" (IBP) wurden miteinander gekoppelt und liefern nun die Daten.

Ihre Bewertung für diesen Fachbeitrag
Quellen-und-Verweise  QUELLEN UND VERWEISE:
Solar Building Innovation Center - SOBIC
Kurz-Link  Kurz-Link zu diesem Beitrag:
https://www.bauingenieur24.de/url/700/1568