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Mittwoch, 18. September 2019
Ausgabe 6603 | Nr. 261 | 19. Jahrgang
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Autor: Christian Wieg
Herausgeber: bauingenieur24® Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Mehr als 700 Hallen in Deutschland auf ihre Standsicherheit hin untersucht

# 09.07.2007

Seit dem tragischen Halleneinsturz von Bad Reichenhall im Januar 2006, wurden vom TÜV Rheinland und der Landesgewerbeanstalt Nürnberg (LGA), mehr als 700 Hallen in Deutschland auf ihre Standsicherheit hin untersucht.

Für jedes 20. Gebäude der 700 untersuchten Objekte wurde die sofortige Schließung empfohlen, Foto: Redaktion Für jedes 20. Gebäude der 700 untersuchten Objekte wurde die sofortige Schließung empfohlen, Foto: Redaktion

Nach Auswertung der Untersuchungen musste bei etwa 35 Objekten, das entspricht 5% der untersuchten Gebäude (oder jedes 20. Gebäude), die Sperrung der Halle empfohlen werden. In 140 weiteren Fällen stellten die Sachverständigen Mängel fest, die eine zeitnahe Sanierung erforderlich machten. 280 Hallen wiesen leichte Mängel auf. Lediglich bei einem Drittel aller geprüften Sporthallen, Schulgebäuden, Bürgerhäusern, Hallenbädern, Lagerhallen, Fertigungsstätten und Einkaufsmärkten hatten die Prüfer keine Beanstandungen. Die Definition von "leichten Mängeln" bzw. "Mängeln, die eine zeitnahe Sanierung erfordern", blieb offen.

Die festgestellten Mängel resultierten aus zahlreichen Ursachen. Dazu zählen nach Mitteilung des TÜV Rheinland Planungs- und Ausführungsfehler bereits beim Neubau ebenso wie konstruktive Mängel, mangelhafte Reparaturen, Nutzungsänderungen oder Verschleißerscheinungen, die abhängig vom jeweiligen Alter und Baumaterial sind. Eine mögliche Gefahr ist keineswegs nur - wie im Fall Bad Reichenhall - hohe Belastung durch große Mengen Schnee, sondern vielmehr Regen und Luftfeuchtigkeit oder Nutzungsänderungen. Egal ob Holz-, Beton- oder Metallkonstruktionen: Eindringende Feuchtigkeit oder die Bildung von Kondenswasser führten zu Korrosion, Rissen und Fäulniserscheinungen. Bereits bei der Planung neuer Hallen sollte eine wartungsfreundliche Gestaltung berücksichtigt werden.

Vor dem Hintergrund der Prüfungsergebnisse unterstütze die LGA und der TÜV Rheinland die im Herbst 2006 herausgegebenen Vorgaben der verantwortlichen Landesminister und Senatoren für die Prüfung der Standsicherheit von Hallen. Darin ist beispielsweise festgelegt, dass Hallen ab einer Stützweite von 12 Metern (dazu zählen die meisten Sport- oder Versammlungshallen, Industrie- und Einkaufsstätten) spätestens alle drei Jahre begangen, alle fünf Jahre von einer fachkundigen Person kontrolliert und spätestens nach 15 Jahren von besonders erfahrenen und entsprechend ausgebildeten Bau- oder Prüfingenieuren eingehend geprüft werden sollen. Größere Hallen und Stadien für mehr als 5.000 Personen müssten noch strengere Auflagen erfüllen. (ots)

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