Fachbeiträge & Interviews
Donnerstag, 24. Oktober 2019
Ausgabe 6639 | Nr. 297 | 19. Jahrgang
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Energiewende: Die Vision modernen Wohnens

# 16.09.2014

Energiehaus von morgen soll mit Energieüberschuss auch Mobilität sichern. Prototyp nahe Augsburg dient als Forschungs- und Testlabor. Baubeginn und Fertigstellung für 2015 geplant

Mit Hightech die Energiewende stemmen

Die Energiewende fängt bei jedem selbst an. Die Art, wie man wohnt und sich (fort)bewegt, bestimmt den dafür benötigten Energiebedarf. Hier, wie überall in der modernen Energienutzung, kommt es auf Effizienz an. Energie-Plus-Häuser scheinen dabei die Nase weit vorn zu haben. Doch was können sie wirklich?

Die Hochschule Augsburg will das herausfinden. Sie ist Projektpartner für den Bau eines speziellen Energie-Plus-Hauses in Königsbrunn bei Augsburg. Das als Visioneum Energie+ bezeichnete Gebäude verbindet effiziente Energienutzung und innovative Mobilität, so das Versprechen der Erbauer. Die Hochschule ist in das gesamte Projekt von der Planung bis zum Bau maßgeblich involviert.

Mit der Entwicklung will man in Augsburg neue Maßstäbe bei der Energieeffizienz im Städtebau setzen. Das öffentlich zugängliche Haus soll zukunftsweisende Gebäudetechnik und Lösungen für energieeffizientes Wohnen verbinden. Gleichzeitig soll das Gebäude als Informationszentrum und Veranstaltungsort rund um die Themen Energiezukunft und Elektromobilität dienen.

Das gesamte Projekt wird von Planung über Bau bis hin zum laufenden Betrieb von Wissenschaftlern und Studierenden der Hochschule Augsburg begleitet, darunter Vertreter des Studiengangs "Energie Effizienz Design" sowie die Fakultät für Architektur und Bauwesen.

Energieüberschuss für Elektromobilität nutzen

Als Energie-Plus-Haus, also einem Gebäude, das mehr Energie erzeugt als es im laufenden Betrieb verbraucht, greift das Visioneum auf Photovoltaik in Kombination mit Batteriespeicheranlagen zur regenerativen und emissionsfreien Energieversorgung zurück. Die Wärmeversorgung erfolgt über das nach Meinung der Forscher bewährte System einer Wärmepumpe, die im Visioneum Energie+ mit einem Eisspeicher kombiniert wird.

Als eines der ersten Gebäude in Deutschland soll das Visioneum Energie+ mit einer Vakuum-Isolierverglasung ausgestattet werden. Dies sorge für eine optimale Wärmedämmung, heißt es von Seiten der Hochschule. Darüber hinaus diene ein textiler Sonnenschutz zugleich als Präsentations- und Medienfassade. Nachts könne man mittels LED-Technik daraus eine Kommunikationsebene bilden.

Wenn das Visioneum auch die Mobilität seiner zukünftigen Bewohner nachhaltiger und effizienter gestalten will, so gelingt dies nach dem Wunsch der Entwickler dadurch, dass überschüssige Energie, welche das Haus erzeugt, über integrierte Ladestationen direkt an Elektro-Fahrzeuge weitergegeben wird. Somit lasse sich Elektromobilität direkt in das Visioneum Energie+ integrieren.

Modularer Aufbau ermöglicht Übertragbarkeit

Das gesamte Gebäude soll in seinem Aufbau modular gestaltet sein, um es an verschiedene Nutzungskonzepte anpassen und es komplett wieder ab- und aufbauen zu können. Die Module sollen auch einzeln einsetzbar sein, was dem Konzept Visioneum Energie+ eine hohe Übertragungsqualität im Sinne der Energiewende verleihen soll.

Geplant ist zunächst eine 15-jährige Projektlaufzeit. Während dieser würden nach Auskunft der Entwickler in Kooperation mit Herstellern und Firmen permanent Weiterentwicklungen integriert und einzelne Bauteile sowie Komponenten der Haustechnik ausgetauscht.

Haus auch als Forschungs- und Testlabor vorgesehen

"Das Gebäude dient uns als Forschungs- und Testlabor für innovative Technologien unter praxisnahen Bedingungen. Das Visioneum Energie+ wird so zum Vorbild für nachhaltiges, energieeffizientes Bauen und Wohnen," erklärt Hans-Eberhard Schurk, Präsident der Hochschule Augsburg.

Anhand des Gebäudes soll das Energie-Monitoring visualisiert werden. Als Labor eigne es sich zudem für das Testen neuer Materialien und Technologien unter praxisnahen Bedingungen. Studierende und Nachwuchswissenschaftler verschiedener Fachrichtungen dürften hier zum hochschulweiten Forschungsschwerpunkt Ressourceneffizienz mitarbeiten.

Energiezukunft erlebbar machen

Um die Energiewende praktisch und bürgernah zu vermitteln, wird im Erdgeschoss des Visioneums das Klimaschutzbüro der Stadt Königsbrunn und ein Energiepunkt der Lechwerke untergebracht. Zusätzlich will man von hier aus das E-Car-Sharing in Königsbrunn organisieren. Im ersten Obergeschoss können Veranstaltungen und Ausstellungen zum Wissenstransfer durchgeführt werden. Im zweiten Obergeschoss entsteht schließlich eine energieeffiziente Wohnumgebung. Sie präsentiert innovative Wohnkonzepte und zeigt die Möglichkeiten des Energiemanagements durch intelligente Vernetzung der Haustechnik im Wohnalltag auf.

Eröffnet werden soll das Visioneum Energie+ im Oktober 2015, der Spatenstich erfolgt im nächsten Frühjahr. Als Best-Practice-Beispiel für die Energiezukunft im Großraum Bayerisch-Schwaben will man mit dem Projekt, welches als Aushängeschild der Energiewende in Bayern gelten soll, gezielt auch den eigenen Wirtschaftsstandort stärken.

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