Fachbeiträge & Interviews
Montag, 18. November 2019
Ausgabe 6664 | Nr. 322 | 19. Jahrgang
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Smarte Verkehrssteuerung bald in Braunschweig aktiv

# 22.09.2014

Erste elektrische Ampel vor 100 Jahren in Betrieb genommen. Entwicklung bis heute nicht abgeschlossen. Verkehrsforschungsprojekt der TU Braunschweig weckt Hoffnung auf höhere Effizienz

Langer Weg bis zur sicheren Verkehrsregelung

Einfaches Schema der Smarten Kreuzung, die bald in Braunschweig getestet werden soll. Abb.: TU Braunschweig Einfaches Schema der Smarten Kreuzung, die bald in Braunschweig getestet werden soll. Abb.: TU Braunschweig

Als am 5. August 1914 die erste elektrische Ampel im amerikanischen Cleveland ihren Betrieb aufnahm, konnte noch niemand wissen, welche zentrale Bedeutung dieser Erfindung einmal zukommen sollte.

Die Ampel ist an vielen Kreuzungen im Stadtverkehr der wichtigste Faktor, wenn es um Verkehrssteuerung und Sicherheit auf der Straße geht. Gegenwärtig erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Technischen Universität Braunschweig, wie diese beiden wichtigen Aspekte im Straßenverkehr optimiert und die Ampel auch für die kommenden hundert Jahre fit gemacht werden kann.

Die Geschichte der Ampel ist, wie bei vielen Entwicklungen, auch eine Geschichte des Scheiterns. Bevor die erste elektrische Ampel entwickelt war, versuchte man es fast 50 Jahre früher in London mit der Idee von einem so genannten "Street Crossing Signal". Doch der von Hand geregelte Signalmast auf Basis einer Gaslaterne brachte eine erhebliche Explosionsgefahr mit sich und wurde zu einer Gefährdung für seine Bediener. Erst mit Hilfe der Elektrizität konnte man das Konzept der so genannten Lichtzeichenanlage realisieren und bis dahin anhaltendem Verkehrschaos und Unfällen Herr werden.

Die Idee von der Smarten Kreuzung

Die letzten hundert Jahre sind allerdings auch an der Ampel bzw. der Lichtzeichenanlage, wie Fachleute sie nennen, nicht spurlos vorbeigegangen. Anfangs wurde der Verkehr noch von Hand, später mittels einfacher Schaltungen geregelt. "Heute arbeiten Moderne Anlagen mit allerlei Sensoren und reagieren damit adaptiv und dynamisch auf die Verkehrsteilnehmer", erläutert Ralf Kutzner vom Institut für Verkehr und Stadtbauwesen an der TU Braunschweig.

Kutzner bringt zusammen mit seinen Kollegen seine Kompetenzen unter anderem in das Verbundprojekt "UR:BAN" ein, wo sie sich vor allem mit der Idee der "Smarten Kreuzung" beschäftigen. "Ähnlich, wie die Väter der Ampel-Idee, leitet uns der Gedanke, den Stadtverkehr vor allem sicher, effizient und dazu noch emissionsarm zu ermöglichen", erklärt Kutzner die Ziele des Teilprojekts. Dafür greifen die Verkehrsexperten um Professor Bernhard Friedrich auf verschiedenste Erfahrungen auf dem Gebiet der Analyse, Simulation und Modellierung von Verkehrsabläufen zurück.

Assistenzsysteme optimieren Verhalten der Verkehrsteilnehmer

"Vor allem möchten wir, dass die Ampel und das Auto miteinander sprechen und Informationen austauschen", meint Kutzner. Dafür, so der Verkehrsingenieur, soll aus Daten von "intelligenten" Fahrzeugen ein Abbild des Verkehrsablaufes erzeugt werden, sodass bei der Ampelsteuerung nicht nur die im Straßenraum verbauten Sensoren eine Rolle spielen. Außerdem könnten sich dies auch andere Verkehrsteilnehmer zu Nutze machen und über Assistenzsysteme ihr Verhalten optimieren, ständiges Bremsen und Anfahren könnte so zum Beispiel verringert werden.

Die ersten Prototypen der Anwendungen sollen noch dieses Jahr an einer realen Kreuzung in Braunschweig umgesetzt und erprobt werden.

Im Verbundprojekt UR:BAN

("Urbaner Raum: Benutzergerechte Assistenzsysteme und Netzmanagement") kommen 31 Partner aus Automobil- und Zulieferindustrie, Elektronik- und Softwarefirmen, Universitäten sowie Forschungsinstitute und Städte zusammen. Für die Technische Universität Braunschweig sind das Institut für Verkehr und Stadtbauwesen und das Institut für Psychologie, Abteilung Ingenieur- und Verkehrspsychologie, beteiligt. Das Gesamtbudget des Projektes beträgt 80 Millionen Euro. Circa 50 Prozent davon trägt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi).

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