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Samstag, 20. Juli 2019
Ausgabe 6543 | Nr. 201 | 18. Jahrgang
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Stabilisierungssäulen als Gründungsmethode weitgehend unerforscht

# 21.09.2018

Grundlagenforschung kommt für weggebrochene Ostsee-Autobahn zu spät. Doktorarbeit an OTH Regensburg greift Thema der Dimensionierung auf. Deutsche Gesellschaft für Geotechnik will Ergebnisse für ausstehende Richtlinien nutzen

Versagen von Stabilisierungssäulen lässt Fahrbahn absacken

Roland Gömmel promoviert an der OTH Regensburg zum Thema Standsicherheitsnachweise unter Berücksichtigung der Wirkungsweise von Stabilisierungssäulen. Foto: Diana Feuerer / OTH Regensburg Roland Gömmel promoviert an der OTH Regensburg zum Thema Standsicherheitsnachweise unter Berücksichtigung der Wirkungsweise von Stabilisierungssäulen. Foto: Diana Feuerer / OTH Regensburg

An der Ostsee-Autobahn A20 bei Tribsees ist 2017 die Fahrbahn komplett in den aus Moor und Torf bestehenden Boden abgesackt. Stabilisierungssäulen, welche für die Standsicherheit der Autobahn sorgen sollten, haben offensichtlich ihren Dienst versagt.

"Trotz weltweiter Verwendung dieses Bauverfahrens existiert bisher nur ein sehr begrenzter Kenntnisstand zur Wirkungsweise und Interaktion der Stabilisierungssäulen mit dem Boden", sagt Roland Gömmel, Doktorand an der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) in Regensburg.

Um diesen Missstand zumindest teilweise zu beheben, beschäftigt sich Gömmel derzeit in seiner Promotion mit der Frage der Dimensionierung von Stabilisierungssäulen.

Doktorand widmet sich Grundlagenforschung zu Böschungsbruch

In Zusammenarbeit mit einem eigenen Arbeitskreis "Stabilisierungssäulen" der Deutschen Gesellschaft für Geotechnik sollen aus seinen Forschungen später entsprechende Richtlinien erarbeitet werden. Den genauen Schwerpunkt legt der Nachwuchswissenschaftler auf die Wirkung und richtige Bemessung von Stabilisierungssäulen beim so genannten Böschungsbruch, also dem Verlust der Gesamtstandsicherheit.

Betreut wird die Promotion seitens der OTH Regensburg durch Professor Thomas Neidhart, Doktorvater ist Professor Frank Rackwitz von der TU Berlin.

Weitere Erkenntnisse für Ausbau der Verkehrsinfrastruktur unerlässlich

Die Forschungen fallen in eine Zeit, da es aufgrund des Ausbaus der Verkehrsinfrastruktur zunehmend notwendig wird, Straßendämme und andere Infrastrukturbauwerke auch auf schlecht tragfähigen Böden zu errichten.

Stabilisierungssäulen sollen hierzu eigentlich eine ökonomische Alternative zu Pfahlgründungen oder gar einen Bodenaustausch bieten. Im Gegensatz zu konventionellen Pfählen sind Stabilisierungssäulen allerdings unbewehrt und deutlich schlanker.

Stabilisierungssäulen bislang keine Gewähr für Standsicherheit

Damit verbunden ist das Problem, dass diese Säulen schneller unter anderem durch Abbrechen versagen, wodurch die gesamte Standsicherheit des Straßendammes verloren gehen kann.

Im Falle der Ostsee-Autobahn zieht die vermeintlich günstigere Gründungsvariante eine deutlich aufwendigere und letztlich auch teurere Teilsanierung nach sich. Für die neue Behelfsbrücke werden mehr als 230 Bohrpfähle bis zu 24 Meter tief in den Boden getrieben. Mit einer Fertigstellung wird nicht vor dem Jahr 2021 gerechnet.

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