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Donnerstag, 21. Februar 2019
Ausgabe 6394 | Nr. 52 | 18. Jahrgang
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Stadtentwicklung: Augsburg und Ingolstadt sollen München entlasten

# 16.03.2016

Großstädte um Landeshauptstadt könnten laut Forscher Wachstum der Metropolregion auffangen. Befragung bestätigte weiterhin starken Bedarf an zentralem Wohnraum. Optimierung des Nahverkehrs als Lösung vorgeschlagen

Zwischen Konzentration und Zersiedelung

Auch wenn rund um das Münchner Olympiagelände noch viel Platz zu sein scheint, stößt man hier wie in der gesamten bayrischen Metropolregion an urbane Wachstumsgrenzen. Foto: Christian Beuschel / Pixelio Auch wenn rund um das Münchner Olympiagelände noch viel Platz zu sein scheint, stößt man hier wie in der gesamten bayrischen Metropolregion an urbane Wachstumsgrenzen. Foto: Christian Beuschel / Pixelio

München: Eine Stadt, die längst über sich hinaus gewachsen und somit von ihren Vororten kaum noch zu unterscheiden ist. Mit dem Begriff der Metropolregion München verfestigt sich diese Tatsache. Mit ihr gehen entsprechende Probleme einher, die jeden urbanen Ballungsraum kennzeichnen, der unter dem Druck einer schnell wachsenden Wirtschaft und Bevölkerung steht: Bezahlbarer Wohnraum scheint kaum noch vorhanden, die Verkehrsinfrastruktur ist überlastet.

Ein Blick speziell auf die Metropolregion München zeigt drei gleichzeitig stattfindende Entwicklungen: Während sich Bevölkerung und Arbeitsplätze in den größeren Zentren verdichten, werden auch Standorte an anderen gut erschlossenen Orten der Metropolregion entwickelt.

Zusätzlich findet in gewissem Ausmaß eine Besiedelung der schlecht erschlossenen Räume zwischen den Verkehrsknoten statt. Das Wachstum in der Metropolregion bündelt sich insbesondere in der Landeshauptstadt München, den benachbarten Landkreisen und in geringerem Maße in und um Augsburg, Ingolstadt und Rosenheim.

Studie zu aktuellen Problemen und Bedürfnissen veröffentlicht

Zur aktuellen Lage und dem richtigen Umgang damit wurde jüngst eine Studie der Technischen Universität München (TUM) veröffentlicht. Dabei ging es den Forschern und Autoren der Untersuchung namens "WAM – Wohnen, Arbeiten und Mobilität in der Metropolregion München" um Ansätze für eine zukunftsfähige Verkehrsplanung und Standortentwicklung. Mehr als 7.300 Menschen, die in den vergangenen drei Jahren ihren Wohnort oder Arbeitsplatz gewechselt haben, nahmen daran teil.

Anhand der erhobenen Daten können Kommunen, Unternehmen und Mobilitätsdienste Rückschlüsse darauf ziehen, welche Faktoren den Bürgern bei der Wahl von Wohnort, Arbeitsplatz und Verkehrsmittel am wichtigsten sind.

Das Dorf in der Stadt: Nahversorgung für Bevölkerung entscheidend

Ein Ergebnis der Studie ist die Erkenntnis, dass das Wohnen in zentraler Lage mit guter Anbindung für die Menschen immer wichtiger wird – trotz hoher Mieten. "Viele Menschen ziehen qualitativ hochwertige Wohnangebote in dichten Quartieren rund um Verkehrsknoten des öffentlichen Netzes anderen Möglichkeiten vor", betont Alain Thierstein, Inhaber des Lehrstuhls für Raumentwicklung an der TUM.

Die Studie zeige, dass eine optimale Anbindung durch öffentliche Verkehrsmitteln für viele Menschen ohne Alternative ist. Gleichzeitig würden kurze Wege zwischen Arbeit, Wohnen, Einkauf und Freizeit bevorzugt.

Forscher: Begrenzte Flächen intensiver nutzen

Bei der Schaffung des geforderten bezahlbaren, zentral gelegenen Wohnraums mit guter Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr müsse es darum gehen, eine Vielfalt an Wohnformen – Miete, Eigentum, Einfamilienhaus, Etagenwohnung – anzubieten, ohne erstklassig erschlossenes Bauland durch geringe Dichte zu verschwenden.

Die Forscher der Studie kommen zu dem Schluss, dass die begrenzten Flächen der Zentren dazu intensiver und dichter als zuvor genutzt werden sollten. Bisher nicht optimal angebundene, dezentrale Gebiete mit guter Infrastruktur und urbaner Nahversorgung sollten besser verknüpft werden – dies betrifft zum Beispiel die Kommunen im Münchner Norden.

Experte: Nicht alle Wege müssen nach München führen

Um eine Verbesserung der Situation zu erreichen bzw. für die Zukunft vorzusorgen, könnten nach Meinung der Verfasser der Studie die Städte Augsburg, Ingolstadt und Rosenheim durch eine gezielte Innenentwicklung einen Teil des Münchener Wachstums auffangen.

Orte mit großer Entfernung zu den Wachstumskernen der Region gelte es durch lokale Maßnahmen weiterzuentwickeln, so die Forscher weiter. Regionale Stadtbusnetze würden langfristig die Abhängigkeit vom Auto reduzieren und Mitarbeiter von kleinen und mittleren Betrieben am Standort halten. "Es müssen nicht alle Wege nach München führen", fasst Gebhard Wulfhorst, Leiter des Fachgebiets für Siedlungsstruktur und Verkehrsplanung der TUM, die empfohlene Handlungsstrategie zusammen.

Öffentlicher Nahverkehr: Ringschlüsse und Tangenten fehlen

Wulfhorst sieht derweil einen sehr großen Handlungsbedarf: Der Ausbau so genannter tangentialer Verknüpfungen mit Querverbindungen und Ringschlüssen sollte dringend vorangetrieben werden. "Eine hochwertige Verbindung im öffentlichen Verkehr zwischen den mittleren Städten der Metropolregion könnte den Druck auf München erheblich abschwächen", so Wulfhorst.

Dabei sei es wichtig, dass sich auch die Teilregionen in kleineren Verbünden organisieren und teilweise mit angrenzenden Regionen kooperieren. Die Aktivitäten dieser Verbünde sollten Synergien schaffen und in das Gesamtkonzept für eine ausgeglichene Entwicklung der Metropolregion integriert werden.

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