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Mittwoch, 17. Juli 2019
Ausgabe 6540 | Nr. 198 | 18. Jahrgang
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Temporärer Hochwasserschutz in Leichtbauweise entwickelt

# 21.02.2017

Konventionelle Anlagen mit großem Materialaufwand. Neues System verspricht einfache Konstruktion und Handhabung. PVC-Membran optimiert Kraftableitung über Erdverankerung und Stützen.

Hohe Biegemomente für temporären Hochwasserschutz problematisch

Das Hochwasserschutzsystem mit temporär aufbaubarer textiler Stauwand wurde in der Entwicklungsphase umfangreichen Tests unterzogen. Foto: Rajko Berger Das Hochwasserschutzsystem mit temporär aufbaubarer textiler Stauwand wurde in der Entwicklungsphase umfangreichen Tests unterzogen. Foto: Rajko Berger

Jüngste Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist. In der Folge sind angrenzende Siedlungsräume zunehmend von Überschwemmungen bedroht, da permanent angelegte Dammanlagen allein häufig nicht mehr ausreichenden Schutz bieten.

Die Lösung sollen im Ernstfall temporäre Schutzsysteme liefern. Sandra Gelbrich, Leiterin des Forschungsbereiches Leichtbau im Bauwesen an der Technischen Universität Chemnitz, beschreibt die Probleme dabei: "Bei vielen bekannten temporären Stauwandsystemen resultieren aus dem Wasserdruck hohe Biegemomente, die insbesondere auf Stützen und Fundamente einwirken. Entsprechend groß ist der konstruktive und materielle Aufwand dieser Anlagen."

Forscher präsentieren textiles Hochwasserschutzsystem

Gelbrichs Team hat zu dem Thema geforscht und gemeinsam mit Partnern aus der Wirtschaft nach einer Idee des Architekten Stev Bringmann ein neues Schutzsystem namens "FloodTEX" entwickelt, welches die im Hochwasserfall auf die Bauteile wirkenden großen Lasten ableitet. Die Lösung der Chemnitzer Forscher ist eine flexible, wenig dehnbare Membran aus PVC und einer textilen Verstärkung.

Die Membran forme sich unter Wasserdruck definiert aus und reagiere ausschließlich mit Zugspannungen, heißt es von Seiten der Forscher. Abgeleitet würden die Kräfte zum einen über die Membranverankerung im Boden und zum anderen über Membranrandverstärkungen in die Halterungsstützen des Systems.

Lastableitende PVC-Membran ermöglicht Leichtbauweise

Die Halterungsstützen könnten extrem schlank und leicht ausgeführt werden, da auf sie dank der speziellen Geometrie der Membran und einer bestimmten Anordnung der Komponenten selbst im Falle eines Aufpralls von Treibgut nahezu ausschließlich Normalkräfte wirkten. "Die leichtbaugerechte Ausführung lässt den Aufbau selbst mehrerer hundert Meter Hochwasserschutz problemlos durch zwei Personen zu", hebt Gelbrich hervor.

Nach Aussage der Entwickler, lässt sich der textile Hochwasserschutz für Stauhöhen bis 1,50 Meter mit geringem Aufwand am Ufer von stehenden oder fließenden Gewässern bodeneben installieren. Zudem zeichne er sich durch geringe Anschaffungskosten, unkomplizierte Lagerung und eine hohe Lebensdauer aus. Mechanik und Material des Systems wurden durch Tests im Strömungskanal eingehend geprüft.

Vertrieb durch Wirtschaftspartner und auf Fachmessen angelaufen

Der Vertrieb des Systems "FloodTEX" und die Projektierung erfolgen durch die TU-Partner HWS-Konzept UG (Glauchau) und das Ingenieurbüro Schulze & Rank (Chemnitz). Anfang März stellen die Forscher ihre Innovation auf der Fachmesse HAUS in Dresden in einer Sonderschau zum Thema "Hochwasserschutz in Eigenvorsorge" vor.

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