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Dienstag, 16. Juli 2019
Ausgabe 6539 | Nr. 197 | 18. Jahrgang
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Verbesserter Brandschutz für Gebäudefassaden entwickelt

# 17.05.2016

Gesetzlich vorgeschriebene Dämmplatten häufig leicht entflammbar. Spezielles Sanierungssystem reduziert Brandgefahr. Fraunhofer-Institut testete Eignung im Realbrandversuch

Gebäudedämmung birgt Brandrisiken

In Brandversuchen wurde der Brandschutzputz BRANELIT® PLUS in zwei aufgebrachten Putzstärken untersucht und jeweils mit unertüchtigten WDV-Fassadenelementen verglichen. Abb.: Fraunhofer UMSICHT In Brandversuchen wurde der Brandschutzputz BRANELIT® PLUS in zwei aufgebrachten Putzstärken untersucht und jeweils mit unertüchtigten WDV-Fassadenelementen verglichen. Abb.: Fraunhofer UMSICHT

Die Energiewende Made in Germany ist beispiellos. Unter anderem mithilfe der buchstäblich flächendeckenden Gebäude(nach)dämmung soll der gewaltige Paradigmenwechsel weg von fossilen hin zu rein regenerativen Energiequellen geschafft werden. Seit 1993 wurden nach Angaben des Fachverbands Wärmedämm-Verbundsysteme (WDV) etwa 770 Millionen Quadratmeter Dämmplatten an deutschen Häusern verarbeitet. Das entspricht einer Fläche größer als Hamburg.

Hartplatten oder elastische Schaumstoffe auf Basis von petrochemischen Kunststoffen sind günstig zu produzieren, einfach zu verarbeiten und besitzen gute Isolationseigenschaften. Einer der größten Nachteile von Polystyrol-Hartschaum (EPS oder XPS) ist jedoch dessen leichte Entflammbarkeit. Um eine geschossübergreifende Brandausbreitung zu verhindern, werden Wärmedämm-Verbundsysteme auf Polystyrol-Hartschaumbasis daher meist mit Flammschutzmitteln versetzt und mit Brandriegeln und Sturzschutzen versehen.

Fraunhofer-Institut testete Brandschutzputz

Im Falle eines Vollbrandes können die Dämmplatten aber trotz dieser Schutzmaßnahmen erweichen oder aufschmelzen und unter hoher Wärmeentwicklung brennt selbst schwer entflammbares EPS vollständig ab. Das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT hat vor diesem Hintergrund einen neuartigen Brandschutzputz auf seine Eignung im Einsatz an WDV-Systemen hin untersucht und dessen Temperaturverläufe im Brandfall gemessen.

Bei dem System handelt es sich um einen mineralischen Putz auf Perlitbasis nach DIN 4102 mit einer geringen Dichte und Wärmeleitfähigkeit. Klassische Putze weisen hingegen eine zehnmal höhere Wärmeleitfähigkeit und entsprechend höhere Dichten auf.

Test: Einstündige Belastung bei 1100 Grad

Für die Branduntersuchungen haben die Wissenschaftler den Brandschutzputz BRANELIT® PLUS in zwei aufgebrachten Putzstärken untersucht und jeweils mit unertüchtigten WDV-Fassadenelementen verglichen. In den Brandversuchen wurde die Oberfläche des Systems punktuell mit einer Temperatur von 1100 Grad Celsius durch einen Gasbrenner belastet. Eine Temperaturmessstelle wurde rückseitig, am Übergang Putz/Polystyrol, positioniert.

"In der einstündigen Messung konnten wir deutliche Unterschiede im Temperaturverlauf der verschieden aufgebauten Fassadenelemente feststellen", beschreibt Andreas Sengespeick von Fraunhofer UMSICHT das Ergebnis. So sei bereits nach einer Minute beim unertüchtigten WDV-System die Glasübergangstemperatur von Polystyrol (100 °C) überschritten und somit die mechanische Festigkeit des Materials deutlich beeinträchtigt worden. Nach zwei Minuten Brandzeit wurde der Schmelzpunkt von Polystyrol (240 °C) erreicht. Das Material in der WDV-Fassade schmolz und sammelte sich hinter dem Kratzputz und dem Armierungsgewebe an.

Deutliche Unterschiede im Temperaturverlauf

Im Gegensatz dazu zeigte die gleiche WDV-Fassade, die die UMSICHT-Forscher mit BRANELIT® PLUS ausrüsteten, einen vollständig veränderten Temperaturverlauf. Nach einer Beanspruchungsdauer von 20 Minuten, was als Maximalzeit bis zum Einsatz von Löschmaßnahmen angenommen wird, lagen die Temperaturen des Polystyrolmaterials bei 42 (3,5 cm Brandschutzputz) bzw. 92 Grad Celsius (2,0 cm Brandschutzputz). Diese Temperaturen beeinflussen die mechanische Festigkeit des Polystyrol-Hartschaums laut der Forschergruppe nur vernachlässigbar.

Nach 60 Minuten Temperturbeanspruchung wurde beim 3,5 Zentimeter starken Brandschutz eine Polystyroltemperatur von 80 Grad Celsius und beim 2,0 Zentimeter stark aufgebrachtem Brandschutzputz eine Temperatur von 130 Grad Celsius gemessen. Das getestete WDV-Sanierungssystem ermöglicht somit im Vergleich zu unbehandelten Wärmedämm-Verbundsystemen im Brandfall eine erhöhte Widerstandsfähigkeit.

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