Fachbeiträge & Interviews
Dienstag, 01. Dezember 2020
Ausgabe 7043 | Nr. 336 | 20. Jahrgang
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Verkehrswasserbau: Bewegliche Wehre vor dem Aus?

# 12.08.2020

Jahrzehntealte Anlagen auf Nebenwasserstraßen müssen saniert werden. Bundesverkehrsministerium prüft feste Wehre als Alternative. Studie gibt Empfehlungen zu Machbarkeit und Umsetzung

Viele Wehranlagen älter als 40 Jahre

Bewegliche Wehranlagen sind oft in die Jahre gekommen. Ein Austausch mit festen Wehren wird angestrebt. Foto: berggeist007 / Pixelio Bewegliche Wehranlagen sind oft in die Jahre gekommen. Ein Austausch mit festen Wehren wird angestrebt. Foto: berggeist007 / Pixelio

Wer als Bauingenieur im Wasserbau bzw. Verkehrswasserbau tätig ist, dem sind die Besonderheiten der Planung von Wehranlagen nicht fremd.

In Deutschland gibt es rund 300 solcher Anlagen, die zumeist mit beweglichen Wehrverschlüssen konstruiert sind. Da 75 Prozent der Wehranlagen älter als 40 Jahre und 25 Prozent sogar älter als 80 Jahre sind, besteht ein großer Sanierungsbedarf.

Geht es nach dem Willen der Politik, sollen sanierungsbedürftige bewegliche Wehre an den sogenannten Nebenwasserstraßen mit sehr wenig Güterschifffahrt zukünftig durch feste Wehre ersetzt werden. Letztere sind laut Bundesanstalt für Wasserbau (BAW) mit geringeren Kosten für Bau, Betrieb und Unterhaltung verbunden.

Studie zu festen Wehranlagen veröffentlicht

Zu diesem Zweck beauftragte das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) die BAW bereits 2015 mit Grundsatzuntersuchungen für feste Wehranlagen. Im Einzelnen sollten Bemessungsgrundlagen entwickelt und Planungsempfehlungen gegeben werden.

Die umfangreichen Untersuchungsergebnisse der BAW wurden nun im Heft 105 der wissenschaftlichen Publikationsreihe BAWMitteilungen unter dem Titel "Feste Wehre an Bundeswasserstraßen: Untersuchungen zur Machbarkeit sowie Empfehlungen zur Umsetzung" veröffentlicht.

Bundesanstalt für Wasserbau: Gefaltete Wehre hydraulisch leistungsfähiger

Einen Schwerpunkt der Studie bilden die gegenständlichen und numerischen Modelluntersuchungen an sogenannten gefalteten Wehren. Beispiele für gefaltete Wehre sind Labyrinth-Wehre und Piano-Key- (dt.: Klaviertasten, Anm. d. Red.) Wehre. Gefaltete Wehre zeichnen sich durch eine im Vergleich zu einem geraden Wehr deutlich größere Überfalllänge aus. Die Folge ist laut BAW-Experten eine um ein Vielfaches höhere hydraulische Leistungsfähigkeit.

Die aktuellen Untersuchungsergebnisse lieferten vor allem neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu Fragen des Rückstaueinflusses, der Durchgängigkeit von Feststoffen und der Energieumwandlung. Darüber hinaus würden sie dem planenden Ingenieur eine praktische Vorstellung davon geben, wie die Umsetzung eines gefalteten Wehres aussehen kann und welche Besonderheiten in der Planungsphase zu berücksichtigen sind, so die Autoren.

Bundeswasserstraße Ilmenau als Fallstudie mit drei Beispielwehranlagen

Am Beispiel einer Fallstudie für die Bundeswasserstraße Ilmenau werden in der Publikation die Umgestaltungsmöglichkeiten für drei Wehranlagen dargestellt. Hierzu werden die hydraulischen Ergebnisse für Sohlengleiten, Streichwehre und Labyrinth-Wehre einander gegenübergestellt.

Im Ergebnis zeigen die Untersuchungen nach Einschätzung der Autoren, dass feste Wehre eine wirtschaftliche Alternative zu beweglichen Wehren sein können, insbesondere dort, wo die Anforderungen an Mindestwasserstände gesenkt und eine gewisse Variabilität der Wasserstände in Kauf genommen werden können.

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