Fachbeiträge & Interviews
Mittwoch, 21. August 2019
Ausgabe 6575 | Nr. 233 | 19. Jahrgang
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Was kostet ein Hochwasser?

# 02.04.2019

Vermehrte Starkregenereignisse und Überflutungen beschäftigen Politik und Wissenschaft. Kostenprognose für Hochwasserschäden soll objektiver werden. Forschungsprojekt zur Risikobewertung von Hochwasserschäden bis 2021 gefördert

Seit 2013 mehr Programme und Initiativen für Hochwasserschutz

2013 kam es in Deutschland infolge tagelanger Regenfälle zu einem flächendeckenden Hochwasser. Unter anderem im thüringischen Greiz (Bild) wurde die Innenstadt überflutet. Foto: HTW Dresden/Naumann 2013 kam es in Deutschland infolge tagelanger Regenfälle zu einem flächendeckenden Hochwasser. Unter anderem im thüringischen Greiz (Bild) wurde die Innenstadt überflutet. Foto: HTW Dresden/Naumann

Starkregenfälle und Hochwasser spielen inzwischen in Deutschland regelmäßig eine Rolle. Nicht nur Landstriche an den neuralgischen Punkten der großen Flüsse oder in Hoch- und Mittelgebirgslagen sind betroffen. Auch die Innenstädte vermeintlich weniger gefährdeter Orte stehen immer häufiger unter Wasser.

Im Sommer 2013 kam es fast flächendeckend in ganz Deutschland zu Schäden durch Hochwasser. Im September 2013 beschlossen die Umweltminister aller 16 Bundesländer vor diesem Hintergrund ein nationales Hochwasserschutz-Programm.

Der Umgang mit dem zunehmenden Wasser in Siedlungsgebieten steht seither auf der Tagesordnung vieler Initiativen, darunter die 2014 gestartete Zukunftsinitiative "Wasser in der Stadt von morgen", einem Verbund von Städten und Kommunen der Emscher-Region in Nordrhein-Westfalen (vgl. Interview unter Quellen und Verweise).

Forschung soll Kostenprognose für Hochwasserschäden verbessern

Auch an der Fakultät Bauingenieurwesen der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden (HTW) widmet man sich dem Thema. Ein neues Forschungsprojekt zur "Innovativen Vulnerabilitäts- und Risikobewertung urbaner Räume gegenüber Überflutungsereignissen", kurz "INNOVARU", soll dazu beitragen, die Kosten von Schäden durch Hochwasser konkret beziffern zu können.

In Kooperation mit dem Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) und der Bauhaus-Universität Weimar soll mithilfe eines physikalisch-wirkungsanalytischen Ansatzes ein neuartiges Hochwasserschadensinformationsmodell entstehen.

Ortsbesichtigungen durch automatisierte Klassifizierung reduzierbar

Durch Letzteres könne prognostiziert werden, welche Gebäudeschäden bei einem hohen Wasseraufkommen und entsprechenden Fließgeschwindigkeiten entstehen, so die Zielvorgabe der Forscher. Man wolle es dadurch ermöglichen, objektgenaue Bewertungen abzugeben und die entstehenden Kosten im Voraus zu ermitteln.

Auch für größere überflutungsgefährdete Gebiete gibt es Ansätze. Durch (halb-)automatisierte Klassifikationsverfahren könnte es laut der Hochschule möglich werden, den besonders gefährdeten Gebäudebestand zu differenzieren und somit zeitaufwändige Ortsbegehungen zu reduzieren. Die pilothafte Erprobung dieses gekoppelten Hochwasserschadensinformationsmodells ist in den Untersuchungsgebieten Grimma, Pirna und Freital vorgesehen.

Vorteile für Hochwassermanagement und Grundstücksbewertung

Die Vorteile einer modernen Risikobewertung liegen auf der Hand: Zum einen würden Landesfachbehörden und Ingenieurbüros, die im Hochwasserrisikomanagement tätig sind, davon profitieren. Zum anderen könnten Versicherungen und Immobiliendienstleister, die sich mit Grundstücks- und Gebäudewerten sowie Schadenersatz nach Hochwasser beschäftigen, zukünftig nach wissenschaftsfundierten und objektiveren Kriterien bewerten.

Das Projekt unter der Leitung von Thomas Naumann, Professor für Baukonstruktion an der Fakultät Bauingenieurwesen, läuft bis Ende 2021 und wird mit rund 260.000 Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

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