Fachbeiträge & Interviews
Montag, 19. April 2021
Ausgabe 7182 | Nr. 109 | 20. Jahrgang
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Infraleichtbeton: Bauindustrie und Wissenschaft von Vorteilen überzeugt

# 02.02.2021

Baustoff 2004 von Mike Schlaich entwickelt. Größere Dämmleistung durch Lufteinschlüsse im Material. DIBt-Zulassung steht noch aus

Infraleichtbeton seit 2004 in der Weiterentwicklung

Luftgefüllte Gesteinskörnungen wie Blähton oder Blähglas - im Gegensatz zu Sand und Kies - verleihen Leichtbeton besondere Eigenschaften. Foto: Universität der Bundeswehr München Luftgefüllte Gesteinskörnungen wie Blähton oder Blähglas - im Gegensatz zu Sand und Kies - verleihen Leichtbeton besondere Eigenschaften. Foto: Universität der Bundeswehr München

Gewisse Arten von Leichtbeton waren schon in der Römerzeit bekannt. Der Baustoff wurde stets weiterentwickelt und verbessert.

2004 wurde schließlich ein besonders gewichtsarmer Leichtbeton im Rahmen eines Schiffbauprojekts an der Universität der Bundeswehr München entwickelt.

Dieser wurde danach vom Bauingenieur und Professor Mike Schlaich von der Technischen Universität Berlin adaptiert. Existierende Normen beschreiben leichte, normale und schwere Betone.

Da die neuartige Mischung unterhalb (lateinisch: infra) der Grenze zum bisher genormten Leichtbeton liegt, wurde sie Infraleichtbeton getauft. Inzwischen findet sie für Außenwände im Hausbau Anwendung.

Blähglas statt Kies macht Beton leicht

Das geringe Gewicht des Infraleichtbetons entsteht unter anderem durch Zumischung von leichten Gesteinskörnungen wie Blähton oder Blähglas - im Gegensatz zu Sand und Kies - zum Zement. In diesen Materialien ist viel Luft eingeschlossen, wodurch der Beton nicht nur leicht, sondern auch deutlich wärmedämmender als andere Betone wird.

Somit vereint Infraleichtbeton die Eigenschaften der hohen Tragkraft, der Witterungsbeständigkeit und der Dämmung in einem Baustoff. Gegenüber anderen Materialien, wie zum Beispiel Holz, kommt der Vorteil einer enorm langen Haltbarkeit hinzu.

Universität der Bundeswehr treibt Infraleichtbeton-Forschung voran

Am Institut für Werkstoffe des Bauwesens der Universität der Bundeswehr München forscht Professor Karl-Christian Thienel mit seinem Team zum Baustoff Infraleichtbeton. "Die ausgezeichneten Eigenschaften des Infraleichtbetons sollten noch bei viel mehr Bauprojekten zum Einsatz kommen", meint Thienel.

Der Wissenschaftler verweist darauf, dass seine bislang realisierten Projekte viel Anklang bei Planungsbüros und Bauunternehmen gefunden hätten. Die mit der Baustoffindustrie gemeinsam durchgeführte Entwicklung gehe immer weiter.

Infraleichtbeton 2.0: Hochleistungsfähig und hundertprozentig recyclebar

So würden die Rezepturen von erfahrenen Betontechnologen der Industrie eingestellt, die Prüfung und Begutachtung erfolge dann an den unter der Leitung von Professor Thienel und seinem Kollegen Thomas Braml vom Institut für Konstruktiven Ingenieurbau.

Auf diese Weise entstand der sogenannte "Infraleichtbeton 2.0". Die Entwickler sprechen von einem statisch tragenden Hochleistungsbeton, der monolithisches Bauen ermögliche, die Anforderungen der Energieeinsparverordnung erfülle und zu hundert Prozent recyclebar sei. Die verwendete leichte Gesteinskörnung Blähglas ist selbst bereits ein Recyclingprodukt.

Mobiles Betonwerk für Praxiseinsatz entwickelt

Zusammen mit Vertretern der Bauindustrie erproben Wissenschaftler die Weiterverarbeitung von Infraleichtbeton auf der Baustelle. Foto: Universität der Bundeswehr München Zusammen mit Vertretern der Bauindustrie erproben Wissenschaftler die Weiterverarbeitung von Infraleichtbeton auf der Baustelle. Foto: Universität der Bundeswehr München

Da weniger Materialien miteinander verbunden werden, sind auf der Baustelle weniger Gewerke und Arbeitsschritte nötig, was zu einer Zeitersparnis beim Bauen führt.

Um den Infraleichtbeton darüber hinaus besser zur Anwendung zu bringen, hat der Betontechnologe Björn Callsen von der Holcim GmbH eigens ein mobiles Betonwerk entwickelt.

In großtechnischen Versuchen auf dem Gelände der Universität der Bundeswehr München wurde dann die Weiterverarbeitung des Materials vor Ort erprobt. Probleme mit der Pumpbarkeit des Materials konnten daraufhin behoben werden.

Nächstes Ziel ist eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung für Infraleichtbeton beim Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt) in Berlin. Aktuell muss jedes Projekt, das mit diesem Infraleichtbeton gebaut wird, vom jeweiligen Bundesland geprüft und genehmigt werden.

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