Fachbeiträge & Interviews
Donnerstag, 17. Oktober 2019
Ausgabe 6632 | Nr. 290 | 19. Jahrgang
Autor: Dipl. Ing. Gerhard Strauch
Herausgeber: Keller Grundbau Ges. mbH Wien email-weiterempfehlendruckansicht

Lentos Kunstmuseum in Linz - Österreich

# 11.02.2002

Bau im Donauhochwasserschutzdamm mit besonderen Anforderungen / Baugrundverbesserung durch Einsatz des Rütteldruckverfahrens

Einleitung

Abb. 1 – Das Lentos Kunst Museum in Linz Abb. 1 – Das Lentos Kunst Museum in Linz

Im Auftrag der Stadt Linz errichtet das Baumanagement der Stadt Linz AG am rechten Donauufer, nahe des Brückenkopfes, das neue Museumsgebäude Lentos Kunstmuseum Linz für die neue Galerie. Für den sensiblen Bauplatz wurde ein zweistufiger europaweiter Architektenwettbewerb ausgeschrieben. Gewinner dieses Architektenwettbewerbes waren die Architekten Weber und Hofer AG (Schweiz).

Aufgabe

Abb. 2 – Die im Donauhochwasserschutzdamm gelegene Baustelle wurde durch mächtige Spundwände gegen eventuell auftretendes Hochwasser geschützt Abb. 2 – Die im Donauhochwasserschutzdamm gelegene Baustelle wurde durch mächtige Spundwände gegen eventuell auftretendes Hochwasser geschützt

Lentos bedeutet auf keltisch "an der Biegung des Flusses" und dieses Museum soll die Stellung von Linz als Kulturstadt europaweit festigen. Das gesamte Gebäude, welches sich in unmittelbarer Nähe der Donau im Bereich des Donauhochwasserschutzes von Linz befindet, umfaßt eine Nutzfläche von ca. 7.700 m². Davon sind allein 3.000 m² für Ausstellungsräume vorgesehen. Weiterhin stehen neben Büro, Bibliothek, Studiensälen, Werkstätten auch ein Veranstaltungssaal, ein Cafe sowie der Museumsshop und eine Kreativwerkstatt zur Verfügung. Angebaut ist eine Garage sowie div. Depoträume.
Bei der Bauausführung mußte auf mehrere Dinge Rücksicht genommen werden: Zum einen wird das Gebäude im Donauhochwasserschutzdamm hergestellt. Es mußte auf Baudauer gewährleistet werden, daß das 500-jährliche Hochwasser in keiner Weise die Stadt Linz gefährdet. Dies wurde durch mächtige Spundwände erreicht. In weiterer Folge wurden ca. 30.000 m³ Erdaushub ausgeführt.

Ausführung

Abb. 3 – Schematische Darstellung des Rütteldruckverfahrens Abb. 3 – Schematische Darstellung des Rütteldruckverfahrens

Da im Donaubereich sehr lockere bis lose und zum Teil feinteilarme Kiessande anstehen und bereichsweise sehr hohe Flächenlasten abzutragen sind, wurde eine Sonderfundierung in Form einer Rütteldruckverdichtung (Abb. 3) als Variante zu Großbohr-Pfählen gewählt.

Das Rütteldruckverfahren (Rütteldruckverdichtung) eignet sich besonders bei grobkörnigen Böden. Die Verdichtung erfolgt am wirkungsvollsten durch Rüttler mit einer eher niedrigen Frequenz, die für eine Bodeneigenverdichtung am geeignetsten ist. Unter dem Einfluß der Schwingungen des Rüttlers werden die Bodenkörner in einem Einlußbereich, der von Boden, Gerät und Verfahrensweise abhängt, in eine dichtere Lagerung gebracht. Je nach Bodenbeschaffenheit und Verdichtungsaufwand tritt eine Volumenminderung ein, die bis zu 10% betragen kann.

Zudem gewährleistet diese Bodenverbesserung einen sicheren und homogenen Baugrund unter dem gesamten Gebäude, was wiederum einerseits auf die Dichtigkeit der Bodenplatte und andererseits auf die Setzungsminimierung positive Auswirkungen hat. Natürlich muß auch für das 500-jährliche Hochwasser während des Betriebes des Gebäudes Vorsorge getroffen werden.

Abb. 4 – Kleinbohrverpresspfähle kamen in Gründungsbereichen zum Einsatz, in  denen keine ausreichende Sicherheit gegen Auftrieb gewährleistet war Abb. 4 – Kleinbohrverpresspfähle kamen in Gründungsbereichen zum Einsatz, in denen keine ausreichende Sicherheit gegen Auftrieb gewährleistet war

Zu diesem Zwecke wurde von Keller Grundbau als Variante zu den geplanten Großbohrpfählen doppelt korrosionsgeschützte Kleinbohrpfähle (Abb. 4), System GEWI, unter den Bereichen in denen die Auftriebssicherheit durch das Eigengewicht des Gebäudes nicht gegeben war, hergestellt.
Das oben ausgeführte System Rütteldruckverdichtung zur Minimierung der Setzungen und Homogenisierung des Baugrundes wurde in der Aushubphase teilweise auch zur Abminderung der Durchlässigkeit genutzt. Gemeinsam mit den anschließend eingebrachten Auftriebssicherungspfählen stellt diese Kombination ein optimales, wirkungsvolles und wirtschaftliches Gründungskonzept für diesen komplexen Baukörper dar.

Baustellendaten

  • Bauherr: Neue Galerie Errichtungsgesellschaft

  • Architekten: Weber + Hofer AG (Schweiz)

  • Statik: Dipl. Ing. Peter Platzer

  • Baugrundgutachten: Dipl. Ing. Dieter Nies

  • Baufirma: ARGE Waizenauer, Ing. Schummer Ges.mbH & CO KG und Alpine Mayreder Bau GesmbH

  • Spezialtiefbau: Keller Grundbau Ges.mbH Wien
    Leistungen: 16000 m Rütteldruckverdichtung und 165 Stück GEWI Zugpfähle
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Quellen-und-Verweise  QUELLEN UND VERWEISE:
Keller Grundbau Ges. mbH Wien
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