Fachbeiträge & Interviews
Freitag, 06. Dezember 2019
Ausgabe 6682 | Nr. 340 | 19. Jahrgang
Autor: Michael Braun
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

U-Bahn-Bau in Algier: Sanierungsfall vor Fertigstellung

# 10.08.2009

U-Bahn-Bau in Großstädten ist kein leichtes Unterfangen, wie dieses Jahr beispielsweise in Köln schon festgestellt werden konnte. Auch in Algier kämpft man mit den Problemen, die ein U-Bahn-Bau mit sich bringt. Mangelhafte Ausführungen und schwierige Umweltverhältnisse machen die U-Bahn in Algier schon jetzt zu einem Sanierungsfall - obwohl der Bau noch gar nicht fertiggestellt ist.

Die ersten Stationen sind im Rohbau fertiggestellt, Foto: Drytech Die ersten Stationen sind im Rohbau fertiggestellt, Foto: Drytech

Das nordafrikanische Infrastrukturprojekt wurde im Prinzip schon im Juni 1981 gestartet. Die damalige Regierung legte ein Konzept vor, das den Bau dreier U-Bahn-Linien vorsah. Aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten wurde das Projekt Mitte der 80-er Jahre zeitweise eingestellt. 1993 wurden zwei Unternehmen mit der Weiterführung beauftragt, 2006 vergab der künftige Metrobetreiber EMA den Weiterbau an ein Konsortium unter der Führung der französischen Siemens-Transportsparte.

Der erste Abschnitt ist auf neun Kilometer Länge mit zehn Stationen projektiert. Obwohl noch im Bau befindlich, schon ein Sanierungsfall. Dennoch sollen in Kürze jährlich 110 Millionen Passagiere die U-Bahn nutzen können. Die Meeresnähe in der Bucht von Algier ist eine der schwierigen Rahmenbedingungen bei diesem Bauprojekt. Der anstehende Salzwasserdruck beträgt 6 bis 8 Meter und sorgte für Verzögerungen im Bauablauf. Die Betontunnelröhren selbst und die Verbindungsfugen sind mangelhaft ausgeführt, so dass Meerwasser in die Konstruktion und den Innenraum eindringt und den Innenausbau unmöglich macht.

Undichte Dehnfugen, bei denen auch die eingesetzten Fugenbänder versagten, Foto: Drytech Undichte Dehnfugen, bei denen auch die eingesetzten Fugenbänder versagten, Foto: Drytech

Als erstes versuchte sich ein französisches Unternehmen und setzte Acrylharz ein. Doch durch 15 Prozent der Applikationen drang erneut Wasser ein. Als zweites versuchte sich ein deutsches Unternehmen und rückte gegen das eindringende Salzwasser mit Polyurethan vor. Auch diese Maßnahme war nicht erfolgreich. Bedingt durch die enormen Temperaturschwankungen platzte das Polyurethan auf. Nach diesen zwei gescheiterten Sanierungsmaßnahmen wurde ein Abdichtungsunternehmen aus der Schweiz vom algerischen Transportministerium mit der Abdichtung von zwei 4 Kilometer langen Teilabschnitten beauftragt.

Um die Baumaßnahme voranzutreiben, sind die Abdichtungsspezialisten seit dem 10. Dezember 2008 im Einsatz. Das Teilstück West sollte aus jeweils 10 Meter langen wasserundurchlässigen Betonröhren erstellt sein. In diesem Bereich sind Risse, Kiesnester und Fugen zuverlässig und dauerhaft gegen drückendes Salzwasser abzudichten. Allein die bisher entdeckten Risse addieren sich auf 13.000 laufende Meter. Die Abdichtung bzw. das Schließen der Hohlräume und der Risse erfolgt mittels eingepresstem Injektionsharz.

Das Injektionsharz wird durch spiralförmige Injektionsanker im Niederdruckverfahren eingebracht. Die Viskosität des Harzes wird flexibel eingestellt, so dass größere Hohlräume und feinste Risse zuverlässig verfüllt werden. Nach der Aushärtung des Harzes ist die injizierte Konstruktion wasserdicht, ausgesteift und verfestigt. In undichte Dehnfugen werden zusätzlich spezielle Trägerelemente mit Schaumeinlage eingesetzt, um die Wirkung des Injektionsharzes an den größeren Fugen zu unterstützen. Die prognostizierte Sanierungszeit ist mit sieben Monaten veranschlagt und das Auftragsvolumen summiert sich zurzeit auf 13 Millionen Schweizer Franken.

Zukünftig soll die Linie weitestgehend dem Küstenverlauf auf 3,5 Kilometer Länge zwischen den Stadtvierteln Emir Abdelkader und Oued Koreiche folgen. Auf diesem Streckenabschnitt sollen sechs Stationen entstehen. Anschließend soll die ursprüngliche Planung der algerischen Regierung fortgesetzt werden, die zwei weitere U-Bahn-Linien in der algerischen Hauptstadt vorsieht. Die zweite Strecke soll sich an den Stationen Hai el Badr und Tafourah mit der Linie 1 kreuzen, am Bahnhof Grande Poste im Stadtzentrum beginnen und die Hochebene Bab Ezzouar Annassers über Badjarah und El-Harrach anbinden. Die dritte Linie ist zwischen Hussein Dey und Ain Allah über Annassers geplant.

Ihre Bewertung für diesen Fachbeitrag
Kurz-Link  Kurz-Link zu diesem Beitrag:
https://www.bauingenieur24.de/url/700/2134