Fachbeiträge & Interviews
Freitag, 16. April 2021
Ausgabe 7179 | Nr. 106 | 20. Jahrgang
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Autobahnausbau begonnen: 30 Kilometer langer A1-Abschnitt wird sechsspurig

# 12.02.2021

Maßnahme auf drittlängster Fernstraße Deutschlands als ÖPP-Modell angelegt. Erhöhte Kosten durch Fahrbahnentsorgung und Ersatzneubauten. Großauftrag der Autobahn GmbH sichert Vollbeschäftigung in regional ansässigem Bauunternehmen

ÖPP vor 100 Jahren noch keine Option

Bis 2025 wird die Autobahn A1 bei Bramsche in Niedersachsen auf sechs Spuren ausgebaut. Foto (exemplarisch): Strabag AG Bis 2025 wird die Autobahn A1 bei Bramsche in Niedersachsen auf sechs Spuren ausgebaut. Foto (exemplarisch): Strabag AG

Die Bundesautobahn A1 ist nach der A7 und der A3 die drittlängste Fernstraße in Deutschland. Ihre Geschichte ist eng mit der Motorisierung hierzulande verbunden.

Bereits bei der Planung in den 1920er Jahren spielte die Finanzierung durch Mauteinnahmen eine Rolle, weniger jedoch die Übertragung der Bauverantwortung an private Unternehmen.

Inzwischen sind Öffentlich-Private-Partnerschaften (ÖPP) für den Bau, Betrieb und Erhalt von Autobahnen gängige Praxis. So soll auch der Ausbau der A1 in Niedersachsen auf einer Strecke von 29,5 Kilometern im Rahmen eines sogenannten Funktionsbauvertrages realisiert werden.

Johann Bunte und Strabag teilen sich Großauftrag für Autobahnausbau

Dabei hat die Niederlassung Westfalen der Autobahn GmbH des Bundes eine Arbeitsgemeinschaft aus Strabag AG (50 %) und Johann Bunte Bauunternehmung GmbH & Co. KG (50 %) damit beauftragt, das Autobahnteilstück zwischen den Anschlussstellen Lohne/Dinklage und Bramsche von zwei auf drei Spuren pro Fahrtrichtung zu verbreitern. Das Auftragsvolumen von rund 600 Millionen Euro beinhaltet auch die bauliche Erhaltung für 30 Jahre.

Die ursprünglich kalkulierten Kosten lagen deutlich niedriger. Unter anderem die problematische Entsorgung von altem, als Sondermüll deklariertem Fahrbahnbelag aufgrund fehlender inländischer Deponiekapazitäten sowie die Tatsache, dass mehrere Anschlussstellen und Brückenbauwerke nicht nur saniert, sondern erneuert werden müssen, haben zu einer Kostensteigerung geführt.

Neubau von 14 Straßenbrücken geplant

Neben umfangreichen Erdarbeiten und dem Bau der Fahrbahnen müssen insgesamt 14 Brücken im Verlauf der Autobahn sowie zwei Überführungen über die Autobahn neu gebaut werden. Weitere 18 Brückenbauwerke werden saniert. Hinzu kommen Leistungen zum Lärmschutz und landschaftspflegerische Begleitmaßnahmen.

Für Johann Bunte bedeutet der Großauftrag laut Neuer Osnabrücker Zeitung eine Vollbeschäftigung der etwa 1.700 Beschäftigten "im Hinblick auf die kommenden Jahre". Das 1872 gegründete Bauunternehmen aus dem niedersächsischen Papenburg ist seit 1960 im Autobahnbau tätig.

Umsetzung in acht Bauabschnitten dauert bis 2025

Manfred Wendt, Sprecher der Bunte-Geschäftsführung, gibt sich zuversichtlich was die Einhaltung der kürzlich abgeschlossenen Verträge betrifft: "Wir sind durch unsere hervorragenden Ortskenntnisse und einen großen Erfahrungsschatz im Autobahn- und Ingenieurbau für diese anspruchsvollen Aufgaben bestens gerüstet."

Innerhalb der Arbeitsgemeinschaft hat Johann Bunte die technische und Strabag die kaufmännische Federführung. Die Baumaßnahmen sollen bis Mitte 2025 in acht Bauabschnitten bei laufendem Betrieb durchgeführt werden. Zunächst erfolgt der Ausbau in Fahrtrichtung Osnabrück (2021 und 2022). Im Anschluss stehen die Verbreiterung und der Neubau in Richtung Bremen auf dem Plan.

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