Fachbeiträge & Interviews
Sonntag, 07. August 2022
Ausgabe 7657 | Nr. 219 | 21. Jahrgang
D.I.E. Baustatik Software - Einfach | Anders | Besser
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Flächenverbrauch: Online-Datenbank verbessert Monitoring

# 28.06.2022

Offene Webanwendung Incora ab sofort verfügbar. Daten aus Liegenschaftskataster werden durch Satellitenbilder ergänzt. Flächenverbrauch in NRW erstmalig umfassend visualisiert

Liegenschaftskataster in Deutschland nicht immer aktuell

Innerhalb eines Jahres nahm der bauliche Flächenverbrauch in Deutschland um etwa 10.000 Hektar zu (dunkel: stärker; hell: schwächer). Grafik: Incora Fläche / ILS Innerhalb eines Jahres nahm der bauliche Flächenverbrauch in Deutschland um etwa 10.000 Hektar zu (dunkel: stärker; hell: schwächer). Grafik: Incora Fläche / ILS

Für eine nachhaltige und klimaschonende Stadt- und Siedlungsentwicklung in Deutschland ist der sparsame Umgang mit der Ressource Fläche von zentraler Bedeutung. Um zu erfahren, wie viel Fläche bereits versiegelt bzw. bebaut ist oder brach liegt, helfen hierzulande Daten aus dem Liegenschaftskataster.

Dieses unterliegt allerdings zeitweilig Umstellungseffekten und ist somit nicht immer einheitlich bzw. aktuell. Mit neuen Datensätzen aus der Erdbeobachtung durch Satelliten ergeben sich Informationen über den Flächenverbrauch auf der Basis von Landbedeckungsklassen.

In dem Forschungsprojekt Incora (d.h. Inwertsetzung von Copernicus-Daten für die Raumbeobachtung) haben das Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung (ILS) und das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) in Zusammenarbeit mit der Online-Kartendienstleister mundialis eine frei zugängliche Webanwendung entwickelt, mit welcher auf Grundlage von Daten der Copernicus Sentinel-Satelliten die Indikatoren der Siedlungs- und Verkehrsflächenentwicklung ergänzt und verbessert werden sollen.

Online-Portal ermöglicht regionalisierte Auswertungen und Vergleiche

Auf dem Incora-Portal, welches seit Kurzem online ist, finden sich Karten und Diagramme aus verschiedenen Datensätzen. Daraus ergeben sich Kenngrößen zur Landbedeckung und zum Flächenverbrauch in Deutschland und es werden regionalisierte Auswertungen und Vergleiche ermöglicht. Die Verantwortlichen sehen Incora als Informationswerkzeug, welches die bisherigen Methoden des Flächenmonitorings auf verständliche Weise ergänzen soll.

„Die Ergebnisse führen zu einer verbesserten Informationsgrundlage für Maßnahmen zur Reduzierung der Flächeninanspruchnahme. So werden die Stärken und Schwächen verschiedener Datenoptionen sichtbar und die tatsächliche Flächenentwicklung wird transparenter“, erläutern Shaojuan Xu und Stefan Fina aus dem Koordinationsteam des ILS.

Karten und Statistiken werden durch Begleittexte interpretiert

Die Flächenentwicklung werde mit den wichtigsten Indikatoren zu den Themenbereichen Siedlung und Vegetation einer vergleichenden Bewertung unterzogen. Neben dem kartographischen und statistischen Kernstück der Plattform würden mit der begleitenden Textdokumentation die Methoden erläutert und die Aussagekraft der Daten interpretiert.

Mit Incora sei es, laut den Forschenden, außerdem erstmalig gelungen, katasterbasierte Flächenentwicklungen aus den Open Data-Portalen des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen in einer Webanwendung zu visualisieren und historische sowie aktuelle Luftbilddienste zur Überprüfung einzelner Flächen zu hinterlegen.

Experten: Digitalisierung für Flächenentwicklung extrem wertvoll

Handlungsbedarf sieht das Forschungsteam bei der weiteren Digitalisierung der Planung und der Einbindung digitaler Informationen zur geplanten Siedlungsentwicklung, um die Auswirkungen des Flächenverbrauchs vorausschauend abzumildern.

„Die Methoden der Erdbeobachtung bieten diesbezüglich die Möglichkeit, mit neu aufkommenden Datenquellen und Technologien das Monitoring zukunftsfähig weiterzuentwickeln“, erklärt dazu Guido Riembauer von mundialis.

Incora wurde im Rahmen der Innovationsinitiative mFUND des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr (BMDV) drei Jahre lang gefördert. mFUND unterstützt seit 2016 Forschungs- und Entwicklungsprojekte rund um datenbasierte digitale Innovationen (siehe Quellen und Verweise).

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