Fachbeiträge & Interviews
Sonntag, 09. August 2020
Ausgabe 6929 | Nr. 222 | 19. Jahrgang
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Neuer Schub für Künstliche Intelligenz im Bauwesen

# 15.04.2020

Hochtief-Ableger Nexplore schließt Forschungskooperation mit TU Darmstadt. Eigenes Laboratorium zum Ausbau digitaler Methoden in der Bauindustrie entsteht. Praktischer Nutzen steht im Vordergrund

KI-Forschung in Darmstadt auf internationalem Niveau

Künstliche Intelligenz war im traditionellen Baugeschäft bislang Science Fiction. Forscher an der TU Darmstadt wollen das ändern. Grafik: fullvector / Freepik Künstliche Intelligenz war im traditionellen Baugeschäft bislang Science Fiction. Forscher an der TU Darmstadt wollen das ändern. Grafik: fullvector / Freepik

Die Technische Universität Darmstadt zählt im Forschungsbereich Künstliche Intelligenz (KI) zu den führenden deutschen Wissenschaftseinrichtungen.

Nach eigenen Angaben ist die KI-Forschung in Darmstadt stark verschränkt mit der Kognitionswissenschaft, also dem interdisziplinären Feld zur Erforschung des Denkens und der Wahrnehmung, welche im eigenen Centre for Cognitive Science gebündelt ist.

Eine weitere Einrichtung zur Weiterentwicklung von Künstlicher Intelligenz durch maschinellen Lernens ist das so genannte Machine Learning Lab, welches 2019 den mit 100.000 Euro dotierten "Deutschen KI-Preis" erhielt.

Hochtief will Führungsrolle am Bau durch Forschungskooperation stärken

Das international anerkannte KI-Know-how der TU Darmstadt soll in Zukunft auch für die Bauwirtschaft nutzbar werden. Dazu hat die Hochtief-Gesellschaft Nexplore eine zunächst auf vier Jahre angelegte Forschungspartnerschaft mit der Technischen Universität Darmstadt geschlossen. Im Zentrum der Zusammenarbeit steht die Frage, wie sich Künstliche Intelligenz in der Bauindustrie einsetzen lässt.

"Von der Zusammenarbeit versprechen wir uns praxisnahe, umsetzbare Antworten auf aktuelle Fragen zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz und darüber hinaus Lösungen für die Themen von übermorgen. Die Zusammenarbeit mit den Wissenschaftlern in Darmstadt wird unsere Rolle als einer der Technologieführer der Branche stärken", sagt David Koch, Geschäftsführer von Nexplore.

Enge Verzahnung von Informatik und Bauproduktion angestrebt

Für die am 1. April gestartete Zusammenarbeit richtet die TU Darmstadt ein weiteres Forschungslaboratorium namens AICO (Artificial Intelligence in Construction) nach dem Muster der vorgenannten ein.

"Unser Ziel ist es, die Forschung der Informationstechnologie und der Bauindustrie enger zu verzahnen", erklärt Kristian Kersting, Professor für Künstliche Intelligenz und Maschinelles Lernen am Fachbereich Informatik der TU Darmstadt. "Die Kooperation, zu der auch ein neuartiges duales Programm für Doktorandinnen und Doktoranden zählt, kann Modellcharakter gewinnen."

Wissenschaftler: KI-Expertise muss in die Unternehmen

Kersting sieht die Gründe für die Zusammenarbeit auf Seiten der Wirtschaft in der Notwendigkeit, KI-Fachleute in den Unternehmen zu etablieren: "Der technologische Fortschritt im Bereich Künstliche Intelligenz ist rasant, so dass einzelne KI-Technologien schnell veralten."

Daher gelte es, nicht nur die Algorithmen weiterzuentwickeln, sondern insbesondere den Wissenstransfer durch "Köpfe" in den Unternehmen zu stärken und auf diese Weise die Innovationskraft zu sichern. "Die Firmen können nur innovativ sein, wenn KI-Expertise auf dem neuesten Stand der Technik in den Unternehmen vorhanden ist und Fachleute in den Unternehmen mit den neuesten Technologien umgehen können."

Sechs weitere Forschungsprojekte geplant

Für die Wissenschaft ergeben sich durch die Kooperation laut Kersting ebenfalls Vorteile: "Wir schaffen damit für unsere Wissenschaftler einen Raum, der die Freiheit der Forschung respektiert und zugleich eine sehr praktische Nutzung der Ergebnisse ermöglicht."

Der intensive Austausch von Forschung und Industrie soll langfristig in mindestens sechs gemeinsame Forschungsprojekte münden.

Nexplore

ist 2018 von Hochtief als gruppenweite Plattform für digitale Innovationen gegründet worden und arbeitet mit Wissenschaftlern und führenden Universitäten weltweit sowie dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) zusammen.

Zu den Partnern zählen neben der TU Darmstadt unter anderem das Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston, die Polytechnische Universität in Madrid und die Minnesota State University.

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