Fachbeiträge & Interviews
Freitag, 07. Mai 2021
Ausgabe 7200 | Nr. 127 | 20. Jahrgang
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Schienenverkehr: Lärmsanierung im Mittelrheintal läuft bis 2026

# 22.01.2021

Nächtliche Güterzugtransporte sollen leiser werden. Bislang 330.000 Schienenstegdämpfer bei laufendem Betrieb verbaut. Maßnahmen umfassen passiven Schallschutz in Wohnungen

Mittelrheintal für europäischen Warenverkehr bedeutsam

Güterzüge durchqueren das Mittelrheintal bei Tag und bei Nacht. Foto: Deutsche Bahn AG / Wolfgang Klee Güterzüge durchqueren das Mittelrheintal bei Tag und bei Nacht. Foto: Deutsche Bahn AG / Wolfgang Klee

Mit seinen etwa 130 Kilometern Länge ist das Mittelrheintal Bestandteil einer der wichtigsten europäischen Verkehrsachsen zwischen dem Norden und Süden.

Insbesondere die überwiegend nachts verkehrenden Güterzüge erzeugen dabei für die Anwohner einen störenden Lärmpegel.

Im Dezember 2012 wurde daher der Beirat "Leiseres Mittelrheintal" aus Vertretern der Politik, den zuständigen Ministerien von Bund und Ländern, der Deutschen Bahn sowie Vertretern von Bürgerinitiativen gegründet.

Schallminderung umfasst bis 2026 verschiedene Sanierungsmaßnahmen

Gemeinsam wurde eine Machbarkeitsuntersuchung in Auftrag gegeben, um herauszufinden, mit welchen Mitteln eine effektive Lärmsanierung erfolgen kann. Auf der Basis der Studie sollen bis 2026 unterschiedliche Arbeiten zur Schallminderung im Mittelrheintal umgesetzt werden. Die Maßnahmen sind Bestandteil des Zukunftsinvestitionsprogramms "Lärmschutz an Schienenwegen des Bundes".

Seit 2018 wurden zunächst 13 Kilometer Schallschutzwände installiert und rund 35 Streckenkilometer mit sogenannten Schienenstegdämpfern (SSD) und -abschirmungen ausgestattet. Hinzu kamen passive Schallschutzvorkehrungen in rund 8.000 Wohneinheiten.

330.000 Schienenstegdämpfer bei laufendem Betrieb verbaut

Montierte Schienenstegdämpfer (SSD) verringern die Schwingungen der Schienen und den dadurch erzeugten Schall. Foto: Deutsche Bahn AG / Volker Emersleben Montierte Schienenstegdämpfer (SSD) verringern die Schwingungen der Schienen und den dadurch erzeugten Schall. Foto: Deutsche Bahn AG / Volker Emersleben

Im Vorfeld der zuletzt beschlossenen Maßnahmen wurde zunächst ermittelt, an welchen Standorten der nächtliche Lärm-Mittelpegel über 57 Dezibel liegt.

Nach einer detaillierten Kosten-Nutzenabwägung sind bis Ende 2020 auf weiteren etwa 100 Kilometern Schienenstegdämpfer und Schienenstegabsorber eingebaut worden.

Insgesamt wurden somit im Mittelrheintal bislang 330.000 Schienenstegdämpfer bei laufendem Betrieb verbaut. Konkret handelt es sich um Kunststoffplatten, die zwischen den Schwellen am sogenannten Schienensteg montiert werden.

Versetzt ein Zug die Schiene in Schwingung, vermindern die Dämpfer diese Bewegungen und damit die Schallabstrahlung durch den Schienensteg. Im Ergebnis wird die gesamte Schiene "bedämpft" und das Fahrgeräusch um mehrere Dezibel verringert.

Profilierte Schienenköpfe reduzieren Lärm um drei Dezibel

Als weitere Maßnahme zur Senkung des Lärmpegels werden im Mittelrheintal bereits spezielle Schienenschleifzüge eingesetzt. Dabei ist durch das Profilieren des Schienenkopfes laut Bahn eine Reduzierung des Lärms bis zu drei Dezibel möglich.

Auf 2,3 Kilometern hat man zudem Schienenschmiereinrichtungen sowie auf drei Kilometern Geländerausfachungen nachgerüstet. Im Folgenden würden noch rund 32 Kilometer konventionelle Schallschutz- und Niedrigschallschutzwände errichtet. Die getätigten Investitionen in den Lärmschutz belaufen sich auf 31 Millionen Euro.

Ihre Bewertung für diesen Fachbeitrag
3.0 von 5 Sternen | 1 Abstimmungen
Kurz-Link  Kurz-Link zu diesem Beitrag:
https://www.bauingenieur24.de/url/700/3303