Fachbeiträge & Interviews
Freitag, 03. Juli 2020
Ausgabe 6892 | Nr. 185 | 19. Jahrgang
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Wie der Bauablauf im Labor simuliert wird

# 19.06.2020

Neue Einrichtung an Jade Hochschule ermöglicht virtuellen Einsatz von Prototypen. Beispielhafte Anwendung von Augmented Reality und Robotik im Bauwesen. Bauunternehmen planen Baustelleneinrichtung digital

Digitales Bauen als Forschungsschwerpunkt

Die Jade Hochschule in Niedersachsen hat sich auf die Verbindung von Bauwesen und Informationstechnologie fokussiert. Das neue digitale Labor soll direkt für die Bauwirtschaft nutzbar sein. Foto: Piet Meyer / Jade Hochschule Die Jade Hochschule in Niedersachsen hat sich auf die Verbindung von Bauwesen und Informationstechnologie fokussiert. Das neue digitale Labor soll direkt für die Bauwirtschaft nutzbar sein. Foto: Piet Meyer / Jade Hochschule

Technische Laborversuche finden naturgemäß in geschlossenen Einrichtungen statt. Experimente mit ungewissem Ausgang können so besser kontrolliert und Messwerte ohne störende Einwirkungen von außen erhoben werden.

Ein Labor ist somit in der Regel für den Laien unzugänglich. Bei dem neuen digitalen Labor der Jade Hochschule, welches der Digitalisierung und Automatisierung von Industrie- und Planungsprozessen dienen soll und vom Bundesbildungsministerium mit 1,2 Millionen Euro gefördert wird, soll das anders sein.

"Um digitale Prototypen in reale Systeme zu überführen und Innovationen für die breite Öffentlichkeit zugänglich zu machen, soll das Labor hochschulweit und mit Partnern aus der Wirtschaft und Verwaltung genutzt werden", sagt Sebastian Hollermann, Professor für digitale Baukonstruktion an der Jade Hochschule.

Thematisch fügt sich das neue Labor in die Spezialisierung der Hochschule auf das "digitale Bauen" ein, welche bereits im Forschungsschwerpunkt "Digitales Bauen und Informationstechnologie", dem Studiengang "Bauinformationstechnologie" sowie dem Bereich "Gebäudedatenmodellierung (BIM)" etabliert ist. Es ergänzt bestehende Einrichtungen wie das Labor für Virtuelle Welten und den Schiffsführungssimulator.

Kombination aus virtueller Welt und realen Gegenständen

Hauptbestandteil des geplanten Labors ist eine so genannte "mixed reality cave", das heißt ein Raum zur Projektion einer dreidimensionalen virtuellen Realität. Um Prototypen über interaktive digitale Modelle zu erleben, anzupassen oder Simulationen durchzuführen, könnten laut Hochschule mehrere Nutzer gleichzeitig darin interagieren.

Zum Einsatz kommen unter anderem besondere Bauhelme, die das computergestützte Eintauchen in eine Augmented Reality (dt.: erweiterte Realität) ermöglichen, tragbare Positionierungssysteme, welche mit Sensoren versehen die eigene Position in dem virtuellen Raum anzeigen, und ein mobiler Roboter. Zudem lassen sich auch reale Gegenstände, wie 3D-gedruckte Modelle, integrieren.

Städtische Quartierplanung im Labor simulierbar

Bei der Einrichtung des digitalen Labors kooperiert die Jade Hochschule mit folgenden Partnern:

  • Innovative Hochschule Jade Oldenburg (IHJO)
  • Metropolregion Nordwest
  • BIM-Cluster Niedersachsen
  • Stadt Oldenburg

Für die Stadt Oldenburg sei laut Hochschule das Labor beispielsweise für die Quartiersplanung nutzbar.

Bauunternehmen können Bauabläufe digital planen

Entscheidend für die Bauwirtschaft dürften Untersuchungen zur Optimierung von Bauabläufen sein. Mithilfe des digitalen Labors soll die Interaktion von Mensch und Maschine in komplexen Fertigungsszenarien oder auf Baustellen abgebildet bzw. simuliert werden.

"Besonders im städtischen Kontext, wo Baustellen oft beengt sind und viele Verkehrsteilnehmer die Baustellenzufahrt kreuzen, können wir in dem neuen Labor Fragen der Anlieferung, Baustofflagerung und Sicherheit frühzeitig mit allen Projektbeteiligten klären", sagt Matthias Meyer vom Bauunternehmen Alfred Döpker aus Oldenburg, welches das Projekt seit Beginn unterstützt.

Das Unternehmen erhofft sich dadurch Vorteile, dass bereits in der Planungs- oder Kalkulationsphase Probleme frühzeitig erkannt und gelöst werden könnten, bevor sie real auf der Baustelle entstehen. "Das spart enorm Zeit und damit auch Geld", sagt Meyer.

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