Fachbeiträge & Interviews
Samstag, 23. Oktober 2021
Ausgabe 7369 | Nr. 296 | 21. Jahrgang
D.I.E. Baustatik Software - Einfach | Anders | Besser
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Zwischen Hightech und Feldküche: Exzellenzuniversität Bonn saniert und erweitert Gebäudebestand

# 20.08.2021

Barockes Hauptgebäude wird Dauerbaustelle. Chemische Institute erhalten Ersatzneubau mit modernster Labortechnik. Zelt und Container sollen drei Jahre lang als Mensa dienen

Residenzschloss nur eine von vielen Baustellen

Abb. 1: Auf dem Campus Endenich der Universität Bonn entsteht ein Ersatzneubau für die Chemischen Institute, der das bestehende Gebäude (Hintergrund) entlasten soll. Foto: Barbara Frommann / Universität Bonn / BLB NRW Abb. 1: Auf dem Campus Endenich der Universität Bonn entsteht ein Ersatzneubau für die Chemischen Institute, der das bestehende Gebäude (Hintergrund) entlasten soll. Foto: Barbara Frommann / Universität Bonn / BLB NRW

Die Gebäude der Universität Bonn verteilen sich auf das gesamte Stadtgebiet. Bereits 1818 gegründet, sind viele der historischen Objekte inzwischen baufällig.

Dazu zählt auch das barocke Residenzschloss am Hofgarten, welches als Hauptgebäude der Universität einen besonderen Stellenwert genießt. Die Planungen für eine zehn bis 15 Jahre andauernde Generalsanierung laufen aktuell.

Andernorts baut man hingegen komplett neu. So finden seit einigen Wochen umfangreiche Bauarbeiten auf dem Campus im Stadtteil Endenich statt.

Auf einer Freifläche vor dem bestehenden Gebäude der Chemischen Institute der Universität errichtet die Niederlassung Köln des Bau- und Liegenschaftsbetriebes NRW (BLB NRW) einen Ersatzneubau.

Neue Büros und Labore auf vier Stockwerken geplant

In etwa drei Jahren Bauzeit sollen hier moderne Büro- und Laborflächen, die dem aktuellsten Stand der Technik entsprechen, entstehen. Zudem hofft man durch das Gebäude auf eine Entlastung des Bestandsgebäudes.

Vorgesehen sind rund 2.800 Quadratmeter Nutzfläche auf vier Stockwerken, wovon rund die Hälfte (1.650 m²) auf Labore entfallen. Ein zusätzliches Staffelgeschoss soll die Technik beherbergen. (vgl. Abb. 2)

Nach Fertigstellung folgen weitere Sanierungen

Michael Hoch, der Rektor der Universität Bonn, erhofft sich zahlreiche Vorteile durch den Neubau: "Durch eine ausgeklügelte Verbindung innerhalb des Gebäudes, wird beispielsweise der Austausch zwischen unterschiedlichen Arbeitsgruppen erleichtert. Außerdem ermöglichen die neuen Flächen in Zukunft eine flexiblere Planung für die notwendige Sanierung des bestehenden Gebäudes."

Bautechnisch interessant sind die hohen Anforderungen an Bereiche, in denen Versuche und Experimente stattfinden sollen. So werden sich einige der neuen Labore in einem abgeschlossenen Sicherheitsbereich befinden, der über ein eigenes Treppenhaus verfügt.

Schwingungsfreie Fundamente und aufwändiger Schallschutz für Chemielabore

Abb. 2: Über vier Stockwerke erstrecken sich die neuen Büros und Chemielabore der Universität Bonn. Grafik: Eurolabors / BLB NRW Abb. 2: Über vier Stockwerke erstrecken sich die neuen Büros und Chemielabore der Universität Bonn. Grafik: Eurolabors / BLB NRW

Forschende können dadurch von einem Labor ins andere wechseln, ohne dabei den abgesicherten Bereich verlassen zu müssen. Die zum Teil belasteten Abwässer aus den Versuchen werden in einer zentralen Anlage gesammelt und für die sichere Entsorgung aufbereitet.

Die Labore mit Elektronenmikroskopen erhalten schwingungsentkoppelte Fundamente und einen aufwändigen Schallschutz. Außerdem wird eine spezielle Lüftung verbaut, die für eine hohe Temperaturkonstanz sorgt und verhindert, dass Experimente durch äußere Einflüsse verfälscht werden.

Essensausgabe bis 2023 im Zelt- und Containerlager

Wenn auch die baulichen Investitionen zukünftig eine Verbesserung der Lehre und Forschung bedeuten, so stellen sie derzeit vor allem eine große Herausforderung für Personal und Studierende dar.

So gibt es seit November 2020 keine Mensa mehr, die neue befindet sich im Bau. Drei Jahre lang wird an der international anerkannten Exzellenzuniversität nun in Containern gekocht und in einem Zelt gegessen.

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