Fachbeiträge & Interviews
Freitag, 22. März 2019
Ausgabe 6423 | Nr. 81 | 18. Jahrgang
Autor: 
Herausgeber: Arbeitsgemeinschaft Holz e.V Arbeitsgemeinschaft Holz e.V email-weiterempfehlendruckansicht

Achterbahn "Colossos" in Soltau - Teil 2/2

# 14.01.2002

Teil 2 - Tragwerksplanung, Bauwerksschutz und Wartung der Achterbahn "Colossos" im Heide-Park-Soltau - Die Beitragsreihe schließt mit diesem Teil ab.

3. Tragwerksplanung

Abb. 6 - Montage der Flucht- und Wartungswege im Bereich des Liftes Abb. 6 - Montage der Flucht- und Wartungswege im Bereich des Liftes

Die Bemessung erfolgte durch ein spezialisiertes Ingenieurbüro für Fahrgeschäfte in Absprache mit dem TÜV Süddeutschland. Bemessungsgrundlage waren DIN 1052 "Holzbauwerke", DIN 1074 "Holzbrücken" sowie DIN 4112 "Fliegende Bauten, Richtlinien für Bemessung und Ausführung".

Besonderes Augenmerk erforderte die Aussteifung der Gesamtkonstruktion, wobei hierfür die Windbeanspruchung den größten Anteil der Lasten lieferte. Da das Bemessungsprogramm die riesige Anzahl von Einzelstäben im Gesamttragwerk nicht bewältigen konnte, wurde die aussteifende Wirkung der Schienen auf das Gesamtsystem nicht berücksichtigt sondern als Sicherheitsreserve angesehen. Die Aussteifung erfolgte im Wesentlichen über das oben beschriebene Sekundärtragwerk. Die lastverteilende Wirkung der Schienen musste hingegen - insbesondere in den Bahnabschnitten mit großen Fliehkräften - durch abschnittsweise Modellierung der Bahn erfasst werden.

4. Holz- und Korrosionsschutz

Abb. 7 - Blick von der Rampe Abb. 7 - Blick von der Rampe

Zur Minimierung von Rissen verwendete man ausschließlich kerngetrenntes Kiefernholz. Dieses wurde mit Übermaß geschnitten, auf Tränkfeuchte getrocknet, gehobelt, abgebunden und erst danach kesseldruckimprägniert. Da auf der Baustelle keine Schnitte oder Bohrungen mehr ausgeführt werden mussten, erübrigte sich auch eine Nachbehandlung. Der Spritzwasserschutz der Stützenfüße wird durch die Aufständerung auf Stahlschuhe erreicht. Abdeckungen schützen horizontal liegende Hirnholzflächen.

Für den Schienenträger wurde Furnierschichtholz als Material gewählt, da dieses aufgrund vieler Mikrorisse in den Schälfurnieren komplett durchimprägniert werden kann. Durch vorbeugenden chemischen Holzschutz und eine oberseitige Stahlblechabdeckung kann eine Nutzungsdauer von mindestens 20 Jahren erwartet werden. Schrauben, Bolzen und Nägel wurden gemäß DIN 1052-2, Tabelle 1, feuerverzinkt. Aufgrund der relativ großen erforderlichen Zinkschichtdicken mußten die Bolzen mit Untermaß hergestellt werden. Die Montage der Bolzen erfolgte mit großer Sorgfalt, um nicht die Verzinkung insbesondere der Gewinde zu beschädigen.

5. Brandschutz

Abb. 8 - Grundriss der gesamten Anlage mit eingezeichneter Fahrtrichtung Abb. 8 - Grundriss der gesamten Anlage mit eingezeichneter Fahrtrichtung

Die Brandlast der Achterbahn ist als gering einzustufen, da keine großflächigen Bekleidungen vorhanden sind. Durch die offene Konstruktion ist zudem keine Kaminwirkung oder die Möglichkeit einer Verrauchung zu befürchten. Müßte dennoch die Bahn evakuiert werden, so erreichen die Züge die Talstation vom Hochpunkt aus innerhalb von 70 Sekunden. Sollte ein Zug im Bereich des Anstieges stehen bleiben, so können die Fahrgäste die Bahn durch beiderseitige Fluchtwege verlassen.

6. Wartung und Überwachung

Abb. 9 und 10 - Blick auf das Strebewerk zur Aufnahme der Flieh- und Windkräfte Abb. 9 und 10 - Blick auf das Strebewerk zur Aufnahme der Flieh- und Windkräfte

Der Betreiber führt täglich, wöchentlich und monatlich Überwachungen unterschiedlichen Umfanges durch, bei denen vor allem der Sitz der Bolzen kontrolliert wird. Eine durchgehende Betonplatte unter der gesamten Bahn erleichtert das Auffinden und Ersetzen herausgefallener Bolzen. Die geplante Nutzungsdauer der Achterbahn beträgt etwa 50 Jahre.

7. Baudaten

Abb. 10 Abb. 10
  • Bauherr: Heide-Park-Soltau GmbH, Soltau
  • Entwurf und Tragwerksplanung: Dipl. Ing. Werner Stengel, Ing. Büro Stengel, München
  • Ausführung der Holzkonstruktion: Ing. Holzbau Cordes, Rotenburg / Wümme
  • Einschnitt und Sortierung der Hölzer: Fa. Heinrich Harling, Bergen
  • Fertigung der Holzschienen: Merk Holzbau, Aichach
  • max. Höhe: 60 m
  • Streckenlänge: 1.500 m
  • max. Längsgefälle: 61°
  • max. Quergefälle: 67°
  • max. Geschwindigkeit: 120 km/h
  • Fahrzeit: 145 s
  • max. Kapazität: 1.500 Personen/h
  • Baukosten: 23 Mio. EUR
  • Bauzeit: 7 Monate
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