Fachbeiträge & Interviews
Donnerstag, 08. Dezember 2022
Ausgabe 7780 | Nr. 342 | 22. Jahrgang
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

BIM-basierter Energiepass weist Ökobilanz für gesamten Lebenszyklus aus

# 26.08.2022

GEG-Energieausweis deckt nur Betriebsphase ab. Neue Schnittstellen-Technologie ermöglicht dynamische Auskunft über Recyclingfähigkeit und Rohstoffrestwert von Gebäuden. Bisherige aufwändige Berechnungen entfallen

GEG-Energieausweis nur mit begrenzter Aussagekraft

Der Building Circularity Passport® (BCP) für Gebäude ist für BIM-Projekte dynamisch nutzbar. Bild: Die Werkbank IT GmbH Der Building Circularity Passport® (BCP) für Gebäude ist für BIM-Projekte dynamisch nutzbar. Bild: Die Werkbank IT GmbH

Die CO2-Emissionen aus der Betriebsphase eines Gebäudes machen bei heutigen Neubauten rund 60 Prozent der gesamten Ökobilanz aus. Die restlichen 40 Prozent entfallen auf die Herstellung und Errichtung sowie die Entsorgung beziehungsweise das Recycling.

Genaue Angaben werden bisher im Energieausweis nach dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) unberücksichtigt. "Diesen verengten Blick wollen wir aufbrechen, indem wir den gesamten Lebenszyklus der verwendeten Materialien in den Planungsprozess aufnehmen", erklärt Peter Mösle, Geschäftsführer der EPEA GmbH.

EPEA steht für Environmental Protection Encouragement Agency und gehört zum Stuttgarter Bauberatungsunternehmen Drees & Sommer. Das selbsternannte Umweltinstitut bewertet Bauprodukte nach dem Cradle to Cradle®-Prinzip und nach der Life Cycle Assessment-Methode (LCA). Dabei greift es auf zahlreiche Informationen über die Kreislauffähigkeit von Baustoffen und Bauprodukten und deren ökologischen Fußabdruck zurück.

Dynamische Ökobilanz: Bauwerksstruktur bereits in der Planung anpassbar

Gemeinsam mit der Werkbank IT GmbH bietet EPEA eine Technologie für Planende, mit welcher ein erweiterter Energieausweis, der sogenannte Building Circularity Passport® (BCP), nun für BIM-Projekte nutzbar gemacht werden kann. Laut Mösle lässt sich damit die jeweilige Bauwerksstruktur anpassen, um im Ergebnis die Ökobilanz bereits in der Planung zu verbessern.

Geringe CO2-Emissionen und kreislauffähige Materialverwendungen sind inzwischen wesentliche Faktoren für die Sicherheit von Investitionen im Baubereich, auch und vor allem, weil der Green Deal der Europäischen Union dies an vielen Stellen einfordert. Vor diesem Hintergrund erhoffen sich die Entwickler des BCP ein weites Anwendungsfeld ihres neuen Analysewerkzeugs.

Rohstoffrestwert durch Cradle to Cradle®-Designprinzip optimierbar

"Mittels unserer LCA-Analysen kann der ökologische Fußabdruck von Gebäuden immens reduziert werden", sagt Peter Mösle. Gleichzeitig könne der finanzielle Rohstoffrestwert durch das Cradle to Cradle®-Designprinzip optimiert werden, indem man zum Beispiel auf trennbare Fügetechniken oder Wiederverwertbarkeit von gewählten Bauprodukten achtet.

Es sei hierbei entscheidend, dass wir sowohl generische Daten als auch produktspezifische Daten der Hersteller zu jeder Zeit für den Planenden verfügbar sind, so Mösle. "Deshalb haben wir einen Vertrag mit Die Werkbank IT GmbH geschlossen. Deren BIM & More Plugin macht es möglich, unseren praxiserprobten Building Circularity Passport® nun auch im BIM-Modell verfügbar zu machen."

Erweiterter Energiepass BCP durch BIM-Schnittstelle erstmals skalierbar

Die EPEA erstellt seit 2015 seine BCP-Ausweise und verfügt über eine umfassende produktneutrale Datenbank sowie über relevante Algorithmen, etwa für die Cradle to Cradle®-Bewertung. "Bisher war noch keine Kalkulation in CAD-Planungsprogrammen möglich und der Berechnungsprozess hat viel Zeit in Anspruch genommen, da er nicht automatisiert war", erklärt Matthias Uhl, Geschäftsführer von Die Werkbank IT GmbH.

Im Zuge der Kooperation mit EPEA würden nun die ökologisch relevanten Daten zusammen mit Produktinformationen der Datenbank BIM & More Harmony in der digitalen Planungsumgebung zugänglich gemacht. "Dadurch können wir den Building Circularity Passport® zum ersten Mal vollends skalieren", sagt Uhl.

Dokumentationsinstrument auch für abgeschlossene Bauprojekte hilfreich

Der Building Circularity Passport® dient als Planungs- und Dokumentationsinstrument, um gemeinsam mit Architekten, Fachplanern, ausführenden Firmen und Herstellern die Kreislauffähigkeit von Immobilien und damit den Ressourceneinsatz zu bewerten.

Bei abgeschlossenen Bauprojekten liefert der BCP zusätzlich detaillierte Informationen darüber, welche verwendeten Materialien sich einfach trennen lassen und welche chemische Zusammensetzung die verbauten Produkte besitzen. Auch die monetären Werte der verbauten Konstruktionen in den Gebäuden lassen sich damit ermitteln.

"Diese Informationen liefern einen enormen Mehrwert für die Finanzierung unter Risikogesichtspunkten, die Wertermittlung und den anstehenden Betrieb der Gebäude", erläutert Uhl.

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